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01.12.11

Alles schwankt

Rückblick auf die VUV-Herbsttagung

Die diesjährige Herbstveranstaltung des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter in Deutschland e.V. am 25. Und 26. November 2011 stand in diesem Jahr unter dem Motto „Unabhängige Vermögensverwalter im Dialog“. Und zu sprechen gab es Einiges ob der vertrackten Situation an den Finanzmärkten.

Zunächst analysierte Prof. Dr. Hartwig Webersinke von der Hochschule Aschaffenburg in den Räumen des Hamburger Hotels Vierjahreszeiten von der Fachhochschule Aschaffenburg pointiert die aktuelle Gemengelage in Politik und Wirtschaft, und konnte durchaus dem einen oder anderen Crashpropheten etwas Wind aus den Segeln nehmen. Webersinke betonte, dass Deutschland zum Beispiel in der Tat wieder zu einer Wirtschaftslokomotive in Europa geworden und das Scheckheft von Bundeskanzlerin Angela Merkel für viele Partner wieder interessant sei. Dennoch sei auch in Deutschland eine grundlegende Restrukturierung vonnöten, wie auch in den USA, die heute nicht mehr länger die Wirtschaftsleitnation seien. Dort verliert eine Nation ihre Glaubwürdigkeit, dass sie alle ihre Verpflichtungen wird erfüllen können. Nur sei diese Aufgabe der Reparatur der Staatsfinanzen in einer Legislaturperiode nicht zu schaffen, sondern sei Aufgabe für Generationen. Deutschland habe sich in Teilen schon einmal reformiert und sei deshalb im Vergleich zu Spanien oder Griechenland so wettbewerbsfähig. Südeuropa hätte diese Einschnitte noch vor sich, und würde durch die Krise jetzt erst recht dazu gezwungen, meinte Webersinke weiter. Was alle Staaten jetzt bräuchten, wären Restrukturierungen ihrer Finanzen, und nicht immer neue Konjunkturprogramme und damit neue Schulden.

Diese Chance müssten die Staaten jetzt inmitten der Krise ergreifen, sonst bestünde auf Dauer die Gefahr eines rückläufigen Wohlstands in der gesamten westlichen Welt. Einen Lacher erntete Webersinke, als er verlautbarte, in Italien würden jetzt Fachleute ans Ruder kommen, und konnte sich die Frage nicht verkneifen, wer denn bisher am Steuer gesessen hätte. Eine Gesprächsrunde mit Vermögensverwaltern rundete den detaillierten und umfänglichen Vortrag ab, der auch auf die Situation an den Finanzmärkten abstellte. Die Börse sei zutiefst verunsichert, allerdings seien Sachwerte – und zu diesen zählten Aktien zweifelsfrei – ein gutes Investments, auch angesichts der wachsenden Gefahren von Seiten staatlicher Zugriffe auf Vermögen. Hier gäbe es eine Menge Folterwerkzeuge, wie Webersinke bestätigte. Die Runde der Vermögensverwalter wurde ein wenig dominiert von Dr. Christoph Bruns, Vorstand der Loys AG und Fondsmanager eines Aktienfonds, der meinte, Märkte würden dazu neigen, sich in Themen zu verlieben. So wie die Aktie derzeit gemieden würde und Anleger in Gold und Anleihen flüchteten, müsste es nur eine Frage der Zeit sein, wann sich das wieder umkehrt. Clever ist, wer sich hier und da ein paar günstige Werte einsammelt und sich dem Marktdiktat etwas entzieht. Auf die Bemerkung, alles würde fließen und sei in Bewegung, meinte Bruns nur trocken: „Alles fließt, sicher richtig, aber richtiger ist doch: Alles schwankt.“ Und wieder musste das Auditorium amüsiert schmunzeln.

Nach dieser Marktanalyse ging es in die verschiedenen Workshops, die stets aktuelle Fragestellungen beantworten. Einer dieser Workshops drehte sich um das Stiftungswesen und vor allem darum, wie Vermögensverwalter hier am besten zu agieren haben. Am wichtigsten war aber nach Volker Lüdemann, Geschäftsführer der ac assetcontrol GmbH & Co. KG in Osnabrück, die Feststellung, dass Stiftungen eben keine institutionellen und keine privaten Anleger seien. Nur müssten Vermögensverwalter genau das in den meisten Fällen noch lernen. Aber auch die Stiftungen sind gefordert, müssen diese doch zunächst beantworten, was sie genau in der Vermögensanlage wollen, welche Anforderungen damit verbunden sind und wer als Dienstleister zu diesem Rahmengerüst am besten passt. Vermögensverwalter müssten zudem begreifen, dass Stiftungen betreuungsintensivere Klienten seien und zumeist mit weit weniger Knowhow gesegnet seien als dies vielerorts vermutet wird. Lüdemann forderte die Vermögensverwalter auf, über das Thema Rendite hinaus Leistungen anzubieten. Stiftungen bedürfen zum Beispiel Hilfe bei der Kreation der Ausschüttungspolitik, bei der Bilanzierung, bei der Implementierung einer nachhaltigen Anlagepolitik. Dort wo Vermögensverwalter bislang Aspekte der Renditemaximierung betont hätten, müsste nun stärker das Risiko betrachtet werden. Stiftungen hätten, so Lüdemann weiter, die Rendite schon zumeist im Griff, nicht jedoch die Risiken, die aus verschiedenen Anlagen resultieren. Vor allem aber müssten sich Portfoliomanager auf Stiftungen einlassen, sich mit deren Belangen dezidiert auseinandersetzen und vor allem die Sprache der Stifter – zumindest ansatzweise – annehmen. Vermögensverwalter dürften in den 30 intensiven Minuten ein Gefühl dafür vermittelt bekommen haben, was Stiftungen brauchen, und was nicht.

Den Bogen zwischen der aktuellen Situation und der Arbeit von Stiftungen spannte der ehemalige Erste Bürgermeister Hamburgs, Henning Voscherau. „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, meinte Voscherau hanseatisch sachlich. Er mahnte, die Demokratie stünde vor der Gefahr, ohne Identifikation der Menschen mit dieser von der Fülle an Krisen zerrieben zu werden. Auch weil das gemeinsame Wertegerüst unter den zahllosen Rettungspaketen erdrückt würde. Gerade aber das Gewährleisten von Werten sei etwas, was außer der Demokratie kaum eine Herrschaftsform hinbekäme. Damit schloss die Herbstveranstaltung des VUV mit einer fast philosophischen Analyse der aktuellen Situation, und diktierte letztlich damit auch den Stiftungen ins Notizbuch, dass sie vermutlich mehr denn je gebraucht werden. Als starke Partner einer nach Orientierung suchenden Bürgergesellschaft, als Vehikel zur Verwaltung von Produktivvermögen, und auch als Zielgruppe für Vermögensverwalter.

Tobias M. Karow


Termine

22. Mai 2012, Frankfurt, im Rahmen der GLOBAL BUSINESS WEEK, 21.-25. Mai 2012

5. Sustainability Forum Frankfurt


15. Juni 2012, Zürich, Universität Zürich

2. Zürcher Stiftungsrechtstag


28. Juni 2012, Düsseldorf

Stiftungsfrühstück (Düsseldorf)


11. September 2012, Duisburg (nachmittags)

Stiftungsgespräch (Duisburg)


12. September 2012, Köln

Stiftungsfrühstück (Köln)


13. September 2012, Hamburg (nachmittags)

Stiftungsgespräch (Hamburg)


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