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23.01.12

Zwischenruf

Asoziale Unternehmen gibt es nicht

Loring Sittler

Jeder spricht davon, keiner weiß so genau, was konkret gemeint ist: Die Sozialunternehmen, auch bekannt als Social Businesses, kommen auf die modische Agenda bei Presse und Politik. Wie bei einer Investmentblase darf man getrost davor warnen, zu viel zu erwarten.


Zu einer realistischen Einschätzung gehört als erstes eine Begriffsklärung. Das Adjektiv „sozial“ (falsch übersetzt aus dem Englischen, richtig wäre „gesellschaftlich“) impliziert, dass andere Unternehmen nicht sozial sind. Das ist ein Irrtum: Jedes Unternehmen hat eine gesellschaftliche Verantwortung, auch wenn es einigen in Folge der falsch verstandenen Fixierung auf Shareholder Value, also reine kurzfristige Rendite, aus dem Gesichtsfeld entschwunden ist.


Und am besten und wettbewerbsfähigsten sind jene Unternehmen, die sich vor Ort vernetzen und einem nachhaltigen, auch am Gemeinwohl orientierten Geschäftsmodell folgen und Gewinn erzielen. Das ist die ganz große Mehrheit der Unternehmen in Deutschland. Dies nur vorweg.


Die Verwendung des englischen Begriffs Social Businesses impliziert zweitens, dass es etwas Neues ist mit dieser Art von Unternehmen. Das ist nicht der Fall: Die Deutschen Wohlfahrtsverbände haben sich im Laufe der vergangenen Jahre fast alle neu aufgestellt und große Teile ihrer Betriebe in eigenständige GmbHs aufgegliedert, die man mit Fug und Recht auch und ganz besonders Sozialunternehmen nennen darf oder muss, selbst wenn sie vorwiegend mit staatlichem Geld soziale Leistungen erbringen.


Darüber hinaus ist bisher noch niemand auf die Idee gekommen, die vielen – zum Teil auch genossenschaftlich organisierten – gemeinschaftlichen Wohnprojekte als Sozialunternehmen zu bezeichnen, obwohl genau diese es im Kern sind: Sie haben Wohneigentum oder bewirtschaften gemietetes Eigentum in Eigenverantwortung und decken die Kosten durch eigene Einnahmen. Ein Klassiker, der dem eigentlichen Begriff des sozialen Unternehmens gerecht wird.


Und drittens muss man eines ganz deutlich sagen: Es ist zumindest schwer, einen modernen Sozialdienstleister, der sich im Wesentlichen von Spenden und Zuwendungen oder als Stiftung über Wasser hält (weil sich mit Sozialdienstleistungen normalerweise eben kein Geld verdienen oder zumindest kein Gewinn erwirtschaften lässt), als Unternehmer zu bezeichnen. Es fehlt nämlich die Grundvoraussetzung: ein in sich schlüssiges Geschäftsmodell mit selbst zu erwirtschaftenden Einnahmen, erzielt durch Produkte oder Dienstleistungen, die am Markt angeboten werden.


Es ist zwar eine beachtliche Leistung, Spenden einzunehmen und dann wirksam auszugeben, auch für soziale Zwecke. Dies macht eine Organisation aber noch nicht zu einem Unternehmen im engeren Sinne, auch wenn sie möglicherweise wirksamer und sparsamer funktioniert als die Wohlfahrtsverbände.


Insofern hängen wir den Lorbeer für dieses Phänomen etwas tiefer: Wir freuen uns über die innovative gesellschaftliche Wirkung und fördern solche Initiativen nach Kräften.


Autoreninformationen:

Loring Sittler ist Leiter des Generali Zukunftsfonds Deutschland, einem Instrument zur Wahrnehmung der Unternehmensverantwortung der Versicherungsgruppe Generali Deutschland. Der Generali Zukunftsfonds fördert u.a. Ashoka als strategischer Partner und will damit Sozialunternehmen in Deutschland voranbringen. Viele der anderen geförderten Projekte kann man getrost als Unternehmen bezeichnen.


Termine

22. Mai 2012, Frankfurt, im Rahmen der GLOBAL BUSINESS WEEK, 21.-25. Mai 2012

5. Sustainability Forum Frankfurt


15. Juni 2012, Zürich, Universität Zürich

2. Zürcher Stiftungsrechtstag


28. Juni 2012, Düsseldorf

Stiftungsfrühstück (Düsseldorf)


11. September 2012, Duisburg (nachmittags)

Stiftungsgespräch (Duisburg)


12. September 2012, Köln

Stiftungsfrühstück (Köln)


13. September 2012, Hamburg (nachmittags)

Stiftungsgespräch (Hamburg)


Weitere Termine

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