17.03.2014 | Von Die Stiftung

Die erste und die letzte Spende

Alle reden vom Spendensammeln via Social Media, doch bleibt das postalische Mailing auch in diesem Jahr das wichtigste Fundraising-Instrument. Mit diesen und anderen Realitäten aus der Mittelbeschaffung für Non-Profit-Organisationen befasste sich der vom Fundraiser-Magazin ausgerichtete 6. Fundraisingtag München.

Alle reden vom Spendensammeln via Social Media, doch bleibt das postalische Mailing auch in diesem Jahr das wichtigste Fundraising-Instrument. Mit diesen und anderen Realitäten aus der Mittelbeschaffung für Non-Profit-Organisationen befasste sich der vom Fundraiser-Magazin ausgerichtete 6. Fundraisingtag München. Die Themen reichten dabei von Überraschungserfolgen bei der Spendergewinnung bis hin zur Nachlassregelung. Rund 200 Teilnehmer besuchten die Tagung, für die sich zunehmend auch Stiftungen interessieren.
von Gregor Jungheim

Jeden Tag saß der Obdachlose Billy Ray Harris vor einem Einkaufszentrum in Kansas City und bettelte ein paar Dollar zusammen. Auch einer jungen Frau tat er leid und sie warf ein paar Cent in seinen Sammelbecher. Eine folgenschwere Entscheidung, denn anschließend vermisste sie ihren Verlobungsring. Nachdem die junge Frau überall nach dem wertvollen Schmuckstück gesucht hatte, hielt sie erneut vor dem Einkaufszentrum nach dem Obdachlosen Ausschau. Tatsächlich war er dort anzutreffen und gab lächelnd den Ring zurück. Ihren heutigen Ehemann beeindruckte dies so sehr, dass er auf der Spendenplattform „Give Forward“ einen Aufruf startete, um 1.000 USD für den armen Mann zu sammeln. Tatsächlich kamen rund 192.000 USD zusammen und Billy Ray Harris ist heute ein enger Freund der Familie.

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Nicolas Reis / Foto: Fundraiser-Magazin

Überraschungserfolge wie diesen gibt es immer wieder, wenn Initiativen oder auch Einzelpersonen mit anrührenden Geschichten in den Social Media um Spenden werben, berichtete Nicolas Reis auf dem 6. Fundraisingtag München. Entsprechend motivierte der Co-Geschäftsführer des Fundraising-Dienstleisters Altruja dazu, die Möglichkeiten des Web 2.0 auch zu nutzen. Leider sei aber z.B. immer noch verbreitet, auf der Website lediglich die Kontoverbindung zu nennen. Diese Angaben durch einen gut sichtbaren Spendenbutton mit direkter Spendenmöglichkeit zu ergänzen, könne schon Wunder wirken.

Die Mühe lohnt in jedem Fall, denn Online-Spender haben höhere Einkommen und neigen auch zu großzügigeren Zuwendungen als Förderer auf anderen Kanälen. „Wer schmeißt schon 100 EUR in die Sammelbüchse“, stellte Reis eine eher rhetorisch gemeinte Frage. Um auch von spontanen Spendenaktionen der eigenen Förderer zu profitieren, sollte eine NPO bereit sein, einmal die Kontrolle zu verlieren und ihren Unterstützern zu vertrauen. Wer dagegen einen Spendenaufruf für seine Organisation unbedingt vorab freigeben möchte, könne durch die Abstimmung bereits so viel Zeit verlieren, dass der Kampagne nicht mehr der gewünschte Erfolg beschieden ist.

Calls to Action und private Spendenaktionen über Social Media waren auch bei anderen Vorträgen und Seminaren auf der Tagung im Münchner HVB-Forum Thema. So wie die Geschichte von Julian Brauchle. Der Erfurter Student weigerte sich, bei den Biernominierungs-Aktionen auf Facebook mitzumachen. Den mittlerweile weltweit verbreiteten Trend, virtuelle Freunde zum Exen eines halben Liters zu bewegen, hielt er für großen Blödsinn und das aus gutem Grund. Schließlich wird das Spiel wegen seines starken Gruppenzwangs nicht nur von vielen Gesundheitsbehörden kritisiert, sondern hat aufgrund waghalsiger Trinkaktionen und hochprozentiger Mischungen schon mehrere Todesfälle verursacht. Julian Brauchle zog es deshalb vor, nach einer Nominierung zum Trinken 20 EUR zu spenden und forderte andere in einer Videobotschaft auf, es ihm nachzumachen. Die Aktion fand in zwei Tagen mehr als 21.000 Likes. Für einen privaten Post eine beeindruckende Reichweite, so die Einschätzung von Daniel Graf, der die Geschichte vorstellte.

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