26.03.2014 | Von Die Stiftung

Diversifikation ist (fast) alles

Am 20. März feierte der Gesprächskreis Stiftungsfonds Premiere. Im Haus der Philanthropie im Hamburger Stadtteil Barmbek fanden sich rund 30 Gäste ein, um vor allem einer Diskussion von vier Managern von Stiftungsfonds zu lauschen. Dabei wurde deutlich, wie sehr das Augenmerk auf der Diversifikation liegen muss – insbesondere im Stiftungsvermögen.

Am 20. März feierte der Gesprächskreis Stiftungsfonds Premiere. Im Haus der Philanthropie im Hamburger Stadtteil Barmbek fanden sich rund 30 Gäste ein, um vor allem einer Diskussion von vier Managern von Stiftungsfonds zu lauschen. Dabei wurde deutlich, wie sehr das Augenmerk auf der Diversifikation liegen muss – insbesondere im Stiftungsvermögen.
Von Tobias M. Karow

Premieren haben immer etwas Besonderes an sich. Keiner weiß, ob das Programm die Gäste inspiriert und sie mit dem Gefühl nach Hause gehen, gut unterhalten und informiert worden zu sein. Der Gesprächskreis Stiftungsfonds versuchte nun, die Anlageklasse der Stiftungsfonds noch näher an die Stiftungen heranzutragen und ihnen diese als Lösungsinstrument im aktuellen Anlageumfeld vorzustellen. Bevor aber die Diskussion so richtig in Schwung kam, erörterte Carsten Leverenz, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bei der Gem-Audit Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, welche Neuerungen und Besonderheiten bei Stiftungsfonds zu beachten sind. Für ihn sind vor allem die neuen Standards in der Prüfung beispielsweise des Jahresabschlusses für eine Stiftung von immenser Bedeutung. Auch führte Leverenz interessante Fakten rund um den Standard IDW RS HFAS aus. Der Wirtschaftsprüfer war sich sicher, dass die Mehrzahl der deutschen Stiftungen von diesem Standard vielleicht schon einmal gehört hatten, sie diesen aber kaum vollumfänglich befolgen würden.

Tätigkeitsbericht plus Lagebericht
Spannend waren vor allem Leverenz‘ Ausführungen zum Tätigkeitsbericht, den er mit einem Lagebericht verknüpfen würde. Es geht immer auch um die Haftung bzw. die lückenlose Dokumentation des Handelns der Stiftung bzw. der gemeinnützigen Tätigkeiten. Stiftungen hätten hier teilweise enormen Nachholbedarf, was auch die anschließende Fragerunde zeigte. Ein Stiftungsvorstand wollte wissen, wie denn solch ein Lagebericht aussehen müsse, ein anderer fragte nach der Verbuchung eines Verlustes für den Fall, dass die Vermögensanlage nicht so ertragreich laufen würde, wie gedacht. Und das sei ja heute doch öfter mal der Fall, ergänzte Leverenz erheitert. Entsprechend wies er auf die Umschichtungsrücklage hin, die Stiftungen als buchhalterische Position eröffnen könnten, um vorübergehende Verluste entsprechend zu erfassen.

 

 

 

Die Gruppe der Stiftungsfonds
Leverenz gab damit aber auch eine Steilvorlage an seinen Nach-Referenten, den Family Officer und Vermögensprofi Klaus-Dieter Erdmann. Dieser stelle in seinem kurzen Impuls-Referat das Segment der Stiftungsfonds vor und ergänzte diese Gruppe um die stiftungsgeeigneten Fonds, die er vor allem in der Gruppe der vermögensverwaltenden Fonds verortet. Erdmann hatte zahlreiche Folien vorbereitet, die einen Überblick zu die Stiftungsfonds gewährten, aber auch einen Einblick in der deren Leistungsspektrum. Im Durchschnitt schnitten die betrachteten Stiftungsfonds sogar einen Hauch besser aber als vermögensverwaltende Fonds und brachten es im Fünf-Jahres-Schnitt auf gut 3% Rendite. Das alles war gerechnet nach Kosten, diese Rendite hätten Stiftungen also vereinnahmen können, hätten sie sich ein Portfolio beispielsweise aus allen Stiftungsfonds gezimmert. Der Charme der Fonds liegt jedoch darin begründet, nicht jeden „nehmen“ zu müssen, sondern selektiv nach Anlagestil, Anlagemanager und den Assetklassen entscheiden zu können. Ein ausschließlich aus Aktienfonds bestehendes Portfolio hätte sicherlich gut performt, aber im Kontext einer Stiftungssatzung wäre ein solches Portfolio kaum geeignet, da war sich Erdmann sicher. Entsprechend sollten unterschiedlich geführte Fonds ins Stiftungsdepot wandern.

Die Sache mit Folie 14
Erdmann hob hier zudem auf den Punkt der Kosten ab, die häufig nicht mehr das Entscheidungskriterium für oder gegen einen Fonds seien. Denn Ausgabeaufschläge ließen sich komplett einsparen, institutionelle Tranchen könnten Stiftungen zudem Zugang zu günstigeren Kostenstrukturen liefern. Auch dürfen Stiftungen ruhig einmal nach den Kosten fragen, und vielleicht für das Gespräch Folie 14 aus Klaus-Dieter Erdmanns Vortrag zitieren. Stiftungen sollten sich aus Kostenüberlegungen heraus Fonds nicht mehr verweigern, sondern diese bewusst für ihre Vermögensanlage heranziehen. Insbesondere, weil es eine komplette Transparenz über diese Publikumsprodukte gäbe. Mehr Transparenz ginge kaum, erst recht wo jetzt immer mehr Fonds ein Transparenz-Label anstreben würden. Denn diese Art der Transparenz macht es Vorständen in der Argumentation nach innen und außen einfacher, die Begründung für den Kauf oder auch den Verkauf eines Fonds zu liefern.

Vier Fondsmanager, eine Botschaft
Nach diesen beiden Vorträgen folgte dann der eigentliche Kern des Gesprächskreises, die Diskussion mit vier Managern von Stiftungsfonds, die auch in der Übersicht von DIE STIFTUNG seit dem ersten Tag an aufgetaucht sind: Mit an Bord waren Carolina von Groddeck von SEB Asset Management, Achim Lange von Hamburger Sparkasse, Dennis Bützer von der Bank J. Safra Sarasin sowie Chris Childs von F&C. Letzterer war als gebürtiger Engländer vielleicht der Exot in der Runde, aber er fand immer wieder die richtigen Worte, die Diskussion abzurunden oder manch Gesagtes zu relativieren. Der Fondsmanager des F&C HVB Stiftungsfonds führte zunächst die Besonderheiten des Ansatzes aus und wies dann darauf hin, dass er aktuell etwas vorsichtiger für den Aktienbereich wäre. Gleichwohl war er sich sicher, dass sein Fonds deshalb nicht weniger attraktiv ist, denn Chancen lassen sich in anderen Märkten dafür zuhauf finden. Es war diese erfrischend optimistische Sichtweise, die Chris Childs die Sympathien der Gäste einbrachten. Ebenfalls wusste Childs die Gäste dafür zu sensibilisieren, wie wichtig es ist, Risiken zu vermeiden. Chancen lassen sich stets zuhauf finden, aber Risiken zu vermeiden sei die wahre Kunst. Erst recht, wenn es regelmäßig Ausschüttungen geben soll. Dies übrigens kündigt der F&C HVB Stiftungsfonds stets 13 Monate vor der Auszahlung an, was für Stiftungen ein hohes Maß an Planungssicherheit bedeutet.

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