09.11.2015 | Von Die Stiftung

Ein Steilpass an die Finanzbranche

Eine gemeinsame Veranstaltung vom Forum Nachhaltige Geldanlagen, SwissFoundations und Swiss Sustainable Finance zu den Auswirkungen des neuen Foundation Codes auf die Vermögensbewirtschaftung zeigte: ein Paradigmenwechsel steht bevor.

Eine Veranstaltung zu den Auswirkungen des neuen Foundation Codes auf die Vermögensbewirtschaftung zeigte: ein Paradigmenwechsel steht bevor. Gemeinsam vom Forum Nachhaltige Geldanlagen, SwissFoundations und Swiss Sustainable Finance organisiert, bot die Diskussionsrunde im Auditorium der Bank Vontobel in Zürich den mehr als 100 Teilnehmern die Gelegenheit, mehr über den Zusammenhang zwischen Anlagen und Wirkung der Stiftungstätigkeit zu erfahren. Dabei waren sich die Panelisten einig, dass es nicht mehr um das ob, sondern um das wie geht, um die Wirkung des Vermögens zu optimieren.
Von Dr. Ingeborg Schumacher-Hummel

 

Lukas von Orelli, Vorstandsmitglied bei SwissFoundations, brachte es auf den Punkt: Der finanzielle Bereich ist genauso wichtig wie der Förderbereich. Beide sollten miteinander betrachtet werden, um die Gesamtwirkung zu steigern. Somit ergeben sich für die Vermögensverwaltung andere Ziele: Im Code von 2009 standen der effiziente Einsatz der finanziellen Mittel und die Rendite im Mittelpunkt, wobei der Fokus auf die Kosten und das passive Investieren gelegt wurde. 2015 soll die Vermögensbewirtschaftung den Stiftungszweck nun viel aktiver und direkter unterstützen. Luzius von Neubert von PPCmetrics sieht allerdings nicht, dass damit die alten Ziele keine Gültigkeit mehr haben, doch gehe es darum, die Wirkung des Vermögens zusätzlich zu berücksichtigen.

Die Vorurteile gegenüber nachhaltigen Anlagen bezüglich grundsätzlich schwacher Performance scheinen langsam überwunden. Auch die Kosten sind im Vergleich zu anderen aktiven Anlagen nicht viel höher. Möglichen Mehrkosten steht auch eine Mehrleistung gegenüber. Bei zweckbezogenen Investitionen, die häufig eine geringere Liquidität aufweisen, rät Dr. Dr. Thomas Sprecher, Partner bei der Rechtsanwaltskanzlei Niederer Kraft & Frey, weiterhin zur Vorsicht: Ein Renditeverzicht bei solchen Anlagen ist möglich, doch nur zu rechtfertigen, wenn der Stiftungszweck messbar unterstützt wird.

Ist das Glas halb voll oder halb leer?
Jean-Daniel Gerber wünscht sich als Präsident von Swiss Sustainable Finance, dass die Schweiz im Markt der Sustainable Investments die Dynamik aus dem Ausland übernehmen kann, denn die nationalen Ressourcen im Kontext Sustainable Finance weisen ein grosses Potential auf. Der Druck auch seitens der Medien hat Bewegung gebracht, sodass wichtige institutionelle Anleger wie die Nationalbank nach öffentlicher Kritik aktiv geworden sind, ihre Anlagen nach nachhaltigen Kriterien zu überprüfen. Bei Stiftungen steht nicht so sehr der öffentliche Druck im Zentrum als das wachsende Bewusstsein von Stiftungsräten, dass z.B. die Unterstützung von Umweltprojekten und die gleichzeitige Investition in Ölfirmen Probleme bringen kann.

Interessenkonflikte managen: Hohe Transparenzanforderungen
Der neue Code bietet für die Vermögensbewirtschaftung noch andere klare Empfehlungen: Auch die Herkunft des Vermögens bzw. möglicher Interessenkonflikte durch Banker im Stiftungsrat werden thematisiert. Hier werden faire Ausschreibungen und klare Transparenz vorgeschlagen. Gerber betonte allerdings, dass Interessenkonflikte in der Schweiz nicht vermeidbar, sondern nur zu managen sind.

Impulse für die Finanzbranche
Welche konkreten Hinweise konnten die zahlreichen Vertreter der Finanzbranche sonst noch mitnehmen? Für Stiftungsräte ergibt sich häufig das Problem, dass sie keinen Konsens z.B. über Ausschlusskriterien finden, wenn unterschiedliche Wertvorstellungen vertreten sind. Somit werden Produkte gesucht, die auf solche institutionellen Bedürfnisse eingehen und allgemein gültige Werte anwenden wie z.B. die Normen des Global Compact. Auch der Ausbildungsbedarf sowohl seitens der Stiftungsräte als auch der Bankberater wird angegangen. Somit ist erkennbar, dass der neue Swiss Foundation Code als Steilpass an die Finanzbranche aufgegriffen wird.

 

F2 SchumacherDr. Ingeborg Schumacher-Hummel ist seit 20 Jahren in der Schweiz in verschiedenen Rollen im Bereich Nachhaltiger Geldanlagen tätig. Neben ihrer Vorstandstätigkeit für das Forum Nachhaltige Geldanlagen berät sie Stiftungen und Vermögensverwalter bei der Entwicklung und Umsetzung einer Strategie zu Responsible Investing.

Artikel teilen