29.11.2017 | Von Tobias Anslinger

Frankfurter Stiftungsgespräch als Resonanzraum

„Was Stiftungen vermögen“ ist beim 5. Frankfurter Stiftungsgespräch in der IHK Frankfurt Frage und Motto zugleich gewesen. 67 Stiftungen folgten der Einladung der Initiative „Frankfurter Stiftungen“, die gleichzeitig ihr 20-jähriges Bestehen feierte.

Frankfurter Stiftungsgespräch
Die Gäste in der IHK Frankfurt lauschten den Fragen von Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt und den Antworten von Felix Oldenburg beim 5. Frankfurter Stiftungsgespräch. Foto: DIE STIFTUNG/Tobias Anslinger

Die Stühle reichten längst nicht für alle: Weit über 100 Gäste waren am 27. November abends in die IHK Frankfurt gekommen, um beim 5. Frankfurter Stiftungsgespräch über Resonanz und Reichweite für die Stiftungsarbeit zu diskutieren. „Was Stiftungen vermögen“ stand zweideutig – im finanziellen und im gestalterischen Sinne – als Frage und gleichzeitig als Aussage im Raum.

Oldenburg und Kaehlbrandt im Frankfurter Stiftungsgespräch

Zum Auftakt erfuhren die Teilnehmer in der IHK von Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen etwas vom Selbst- und Fremdbild der Stiftungen. Wie er denn den gesellschaftlichen Einfluss von Stiftungen realistisch einschätze, wollte Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstand der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, beim On-Stage-Interview von Oldenburg zu Beginn wissen. „Direkt kaufen kann sich keine Stiftung das, was in ihrer Satzung drin steht“, antwortete Oldenburg. Stiftungen müssten daher immer über Skalierungen und Hebel nachdenken. Sie könnten aber Systemspieler sein, indem sie Ressourcen fördern oder auch Wirkung über die Art und Weise ihrer Vermögensanlage erzielen. Er betonte den „Kulturvorteil von Stiftungen“, selbst an einer Problemlösung zu arbeiten, bevor sie andere um Hilfe bitten.

Wie könnten Stiftungen nun Reichweite und Resonanz erreichen? Oldenburg rief dazu auf, Kooperationen viel fundamentaler zu denken, als die meisten Stiftungen das tun. „Stiftungen sehen Kooperationen immer noch zu sehr als etwas Optionales. Sie versuchen, alle Schritte ihrer Arbeit im eigenen Haus abzubilden, und denken zu wenig an die Verknüpfung von Wertschöpfungsketten. Warum sollte man nicht auch mal die Projektabwicklung oder die Berichterstattung outsourcen?“ fragte Oldenburg.

Für die Kommunikationsarbeit der Stiftungen als einen zweiten Wirkungshebel sieht Oldenburg noch Verbesserungspotential. „Das Ziel von Kommunikation besteht nicht nur darin, den Absender zu feiern“, sagte er. Seine Vorstellung von guter Kommunikationsarbeit gehe stärker in eine Richtung, Verständnis zu schaffen und Mitumsetzer einzuwerben. „Kommunikation muss als Magnet dienen“, sagte er. Mit der Digitalisierung kämen auf Stiftungen neue große Herausforderungen zu.

„Geschichten des Gelingens erzählen“

Nach jeweils vier kurzen Impulsstatements von Stiftungsvertretern zu unterschiedlichen Themen hatten die Gäste beim Frankfurter Stiftungsgespräch, darunter Vertreter von 67 Stiftungen, Verbänden, Hochschulen und verschiedenen Initiativen, Zeit, sich kennenzulernen und auszutauschen.

Friederike von Bünau, Geschäftsführerin der EKHN Stiftung, warb in ihrem Statement für Kooperationen von Stiftungen mit den Medien: „Tue Gutes und rede darüber, ein Satz der mir eigentlich nie sonderlich sympathisch war, ist heute vielleicht wichtiger denn je.“ Sie ermutigte Stiftungen, Geschichten des Gelingens erzählen, um ihrer gesellschaftlichen Rolle gerecht zu werden und so „dem Postfaktischen und Fake News“ entgegenzutreten. „Stiftungen vermögen viel, noch mehr wenn Sie die Wege und Instrumente richtig einsetzen“, sagte von Bünau.

„Demokratisierung von Stiftungsgeldern“

Zum Thema „Netzwerke“ gab John-Philip Hammersen, Geschäftsführer der Hertie-Stiftung, einen kurzen Erfahrungsbericht zum deutschen Integrationspreis, den die Stiftung zuletzt vorwiegend „digital“ abgewickelt hat: Sie arbeitetemit einem Crowdfunding-Partner zusammen, die Bewerbung erfolgte online, die Bewertung der Projekte wurde großteils der Internetgemeinde überlassen, und kommuniziert wurde über soziale Netzwerke, über die Bewerberprojekte sowie über die Crowdfunding-Plattform.

250 Projekte hatten sich beworben, die besten 40 stellten sich dem Crowdfunding, 34 erreichten oder übertrafen ihr Finanzierungsziel. Die Projekte fanden 16.300 Unterstützer gefunden, die den Projekten knapp 600.000 Euro einbrachten. Die Bewerbungen auf der Crowdfunding-Plattform „Startnext“ wurden über 500.000 Mal aufgerufen, auf Facebook erreichten die Projekte 320.000 Menschen. „Diese Vorgehensweise war mit 34 Projekten nicht nur ein operativer Erfolg, sondern wir haben auch ein Netzwerk mit den Machern geschaffen, das ausbaufähig ist“, lautete Hammersens Fazit. „In der Demokratisierung von Stiftungsgeldern liegen große Chancen“, so sein Appell an die Gäste beim Frankfurter Stiftungsgespräch. Netzwerke ließen sich seiner Erfahrung nach über zwei Faktoren aktivieren: Aktualität und Relevanz.

„Wirkung verbreiten, nicht die Organisation“

Wie kann ein erfolgreicher Transfer von Stiftungsprojekten erfolgen? Mit dieser Frage beschäftigte sich Oliver Beddies, Projektleiter Bildung bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in seinem Impulsstatement. Er räumte mit dem Irrglauben auf, dass nur die großen Stiftungen mit viel Geld Ideen und Projekte transferieren könnten: „Die drei größten Projekte unserer Stiftung, die ihre Stiftungsgelder nur in Frankfurt einsetzen darf, sind mittlerweile an 24 Orte in Deutschland transferiert – ohne dafür einen Cent ausgegeben zu haben.“ Dennoch sei nicht jedes Projekt für einen Transfer geeignet. Eignen würden sich solche Projekte, die ein relevantes Anliegen verfolgen, standardisiert werden können und skalierbar sind – „also mit 15 Kindern genauso wie mit 200 Kindern durchführbar sein“, sagte Beddies. Schließlich betonte der Projektleiter noch, dass „Wirkung verbreiten“ nicht gleichzusetzen ist mit „die eigene Organisation verbreiten“.

„Einfluss auf die Politik nehmen“

Im letzten Impuls beim Frankfurter Stiftungsgespräch 2017 lieferte Dr. Ingmar Ahl, Vorstand der Karg-Stiftung, ein Plädoyer für Lobbying von Stiftungen. Stiftungen lebten von Voraussetzungen, die sie selbst nicht schaffen könnten. Die Rahmenbedingungen für die Themen, mit denen sich Stiftungen beschäftigen, gestalte die Politik – über Gesetze, Verordnungen, Förderprogramme, Parteiprogramme. Stiftungen sollten und könnten Ahl zufolge versuchen, auf diese Rahmenbedingungen Einfluss nehmen: „Denn Politik braucht etwas, das Stiftungen in der Regel haben: Themen- und Lösungskompetenz sehr spezifischer Fragen. Machen Sie Ihren Standpunkt kenntlich und versuchen Sie so, Einfluss auf die öffentliche Meinungs- und politische Willensbildung zu nehmen“, so seine Aufforderung an die Stiftungen.

www.frankfurter-stiftungen.de

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