22.09.2017 | Von Sabine Kamrath

Impact-Investing ist keine „Do-it-yourself“-Anlage

Stiftungen suchen vermehrt nach Möglichkeiten, Kosten einzusparen oder Ressourcen nachhaltiger zu nutzen, beispielsweise über Impact-Investing. Das diesjährige „Stiftungsforum Rhein-Ruhr“ widmete sich daher Formen des innovativen Investierens.

Impact-Investing_Stiftungsforum Rhein-Ruhr
Die Podiumsdiskutanten beim 8. Stiftungsforum Rhein-Ruhr: Dr. Volker Then, Ralph van Kerkom, Moderatorin Sabine Kamrath, Birgit Nupens und Dr. Franz Schulte (von links). Foto: Stefan Braun

Welch komplexes und vielschichtiges Thema Social-Impact-Investing ist, bekamen die Teilnehmer des 8. Stiftungsforums Rhein-Ruhr von DIE STIFTUNG und PKF Fasselt Schlage gleich zu Beginn präsentiert. Dr. Volker Then, geschäftsführender Direktor des Centrums für Soziale Innovationen und Investitionen in Heidelberg, nahm die gut 100 Teilnehmer in der Küppersmühle in Duisburg mit auf einen Ausflug in die Welt des wirkungsorientierten Investierens.

Then betonte, dass die Vorteile unter anderem in der Reduzierung der Folgekosten in sozialen Problemsphären lägen, es allerdings Jahre dauere, bis sich solche Effekte nachweisen lassen. Daher sei die Wirkung schwierig zu beziffern und eine sichere Evaluation der Ergebnisse aufwendig. Jede Stiftung müsse sich daher gemäß ihrer Satzungszwecke und Bedürfnisse in der Kapitalanlage individuell Gedanken machen, auf welche Art ein solches Investment darstellbar wäre.

Potential von Impact-Investing erst noch heben

Rechtsanwalt Dr. Franz Schulte von PKF Fasselt Schlage ging in seinem anschließenden Vortrag auf die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen für wirkungsorientiertes Investieren ein. Obwohl das Thema seit geraumer Zeit die Stiftungsszene beschäftigt, gäbe es teilweise noch wenige belastbare Aussagen, ebenso wie begriffliche Differenzen und Unsicherheiten in der Ausgestaltung dieses Instruments. Impact-Investing unterliege den gleichen Regeln wie klassische Vermögensanlageformen, werde jedoch um den Wunsch nach sozialer Rendite erweitert. Das Potential dieser Idee gelte es in der Praxis noch zu heben.

Mit der Vorstellung, man könne durch eine „Do-it-yourself“-Vermögensanlage Kosten sparen und gleichzeitig eine ausreichende Rendite erwirtschaften, beschäftigte sich Ralph van Kerkom, Partner bei PKF Fasselt Schlage. Er verwies an dieser Stelle vor allem auf das oft unterschätzte erforderliche Wissen, das dafür vonnöten sei. Der zeitliche Aufwand für eine adäquate Vermögensanlage sei extrem hoch, ebenso wie die Verantwortung und die Risiken. Auch wenn sich an der einen oder anderen Stelle Kosten vermeiden ließen und man einen größeren persönlichen Einfluss auf die Vermögensanlage habe, würde dies nur um den Preis eines hohen persönlichen Einsatzes möglich und ginge meist zu Lasten des zeitlichen Engagements für den Satzungszweck.

Auch wenn man über Direktinvestments in eine Immobilie, Wald oder Unternehmen eine wirkungsorientierte Kapitalanlage leichter umsetzen könne, sei dies doch mit erheblichem Mehraufwand an vielen Stellen verbunden. Stiftungen sollten sich daher gut überlegen, ob dies wirklich unter dem Strich zu Einsparungen führt oder nicht Mehraufwand an anderer Stelle bedeutet.

Keine anderen Spielregeln

Fast schon traditionellerweise diskutierte auch in diesem Jahr wieder ein Vertreter einer Aufsichtsbehörde mit auf dem Podium. In diesem Jahr war es Birgit Nupens, Ansprechpartnerin für Stiftungen der Bezirksregierung Detmold. Sie sorgte für eine Art Realitätscheck: Zum einen seien ihr wenige Fälle des Impact-Investings bekannt, zum anderen bekräftigte sie, dass für zweckbezogenes Investieren keine anderen Regeln gelten als für herkömmliches Investieren: „In der Vermögensanlage zählt – neben dem Kapitalerhalt – in erster Linie die finanzielle Rendite. Die Aufsicht hält sich aus der Vermögensanlage heraus“, machte sie auch auf einen Spielraum aufmerksam, den Stiftungen bei der Geldanlage haben. Es gebe einige Stiftungen, die direkt investieren würden, auch durchaus innovativ, allerdings seien die angelegten Volumina eher überschaubar.

Des Weiteren betonte Nupens, dass die Stiftungsaufsicht Wert darauf lege, dass die Erträge in erster Linie zur Umsetzung des Stiftungszwecks verwendet werden und nicht für Verwaltungskosten – auch wenn die Arbeit der Stiftung dadurch womöglich erleichtert oder professioneller ausgerichtet würde, wie van Kerkom argumentierte.

Nicht zu viel zumuten

Konsens herrschte unter den Diskutanten, dass Stiftungen in ihrem Handeln auf Rechtssicherheit Wert legen und bei Unsicherheit nachfragen sollten. Vor allem über Anlagerichtlinien, die laut Nupens jede Stiftung haben sollte, könne man auch gegenüber Beratern transparent argumentieren, was die eigenen Vorstellungen seien, und den Handlungsrahmen festlegen. Schulte und van Kerkom sprachen sich dafür aus, die Visionen, die man als Stiftung verfolge, machbar zu gestalten und sich nicht zu viel zuzumuten.

Then mahnte in diesem Zusammenhang an, dass Stiftungen dennoch neugierig bleiben und stets hinterfragen sollten, ob man bestimmte Dinge nicht vielleicht auch anders als herkömmlich regeln könne. Ein Hinweis, mit dem Stiftungen sicherlich gut umgehen können.

Präsentation Dr. Volker Then

Präsentation Ralph van Kerkom

Präsentation Dr. Franz Schulte

 

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