23.05.2017 | Von Die Stiftung

Nur alle 20 Jahre

Der Deutsche Stiftungstag 2017 ist passé. Die Stimmung war heiter, die meisten Menschen locker, die Atmosphäre nahezu familiär. Und das, obwohl der Bundesverband Deutscher Stiftungen einmal mehr ein gigantisches Programm zusammengestellt hat: drei Tage, über 100 Workshops, Vorträge, Diskussionsrunden, Arbeitskreissitzungen und Empfänge, die über die Stadt Osnabrück verteilt waren. Den Überblick zu bekommen und zu behalten, war schwierig bis unmöglich, die Opportunitätskosten hoch: Wer sich für einen Programmpunkt entschied, musste zwangsläufig gleich mehrere andere sausen lassen.

Dass Großevents wie dieses unter einem Leitthema stehen müssen – geschenkt. Dem unbestritten wichtigen, aber doch eher zeitlosen Thema „Bildung“ wurden bewusst die Themen der Stunde gegenübergestellt: Wirkungsorientierung, Impact Investing, Fundraising, Vermögensanlage. Das Programm trug die Handschrift des neuen Generalsekretärs Felix Oldenburg.

Der Sektor professionalisiert sich

Dem Bundesverband – obwohl ihm als Mitglieder nur gut ein Fünftel aller rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts im Land angehören – ist sehr daran gelegen, die heterogene Stiftungslandschaft Deutschlands mit all ihren Facetten, Ansprüchen und Bedürfnissen möglichst umfassend abzubilden. Das spürte man vor Ort und wurde in der thematischen Vielfalt der Programmpunkte deutlich – langjährige Kenner der Veranstaltung meinten, sogar (wieder) besser als im vergangenen Jahr. Dass sich zunehmend mehr Dienstleister unter die Stiftungsverantwortlichen mischen, weil sie bei Europas größtem Stiftungskongress Geschäft wittern, ist die logische Konsequenz einer voranschreitenden Professionalisierung des Sektors. Nicht alle Stiftungen sehen diese Entwicklung positiv.

Wer zum Dazulernen gekommen war, den dürften die Inhalte des Deutschen Stiftungstages bereichert haben. In den Workshops wurde viel (neues) Wissen für die tägliche Stiftungsarbeit ausgetauscht. Und wer – anstatt sich in einen der Seminarräume zu setzen – lieber informell mit anderen ins Gespräch kommen wollte, begab sich in den Medien-Corner, an einen der zahlreichen Stehtische oder zu einer der Sitzecken. Die Veranstalter haben die nötigen Rückzugsorte in der Osnabrück-Halle geschaffen. Für den Plausch zwischendurch fand man immer jemanden.

Osnabrück war überfordert

Bleibt zu guter Letzt eigentlich nur noch eine Frage: Warum Osnabrück? Zweifellos, die niedersächsische Lokalmetropole ist Sitz großer und bedeutender Stiftungen wie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt oder der Deutschen Stiftung Friedensforschung. Dem Vernehmen nach soll sich Dr. Fritz Brickwedde, gebürtiger Osnabrücker und einstiger Initiator und Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt dafür stark gemacht haben, den Deutschen Stiftungstag nach 20 Jahren wieder nach Osnabrück zu holen.

Doch die Stadt war dem Ansturm der rund 1.400 Teilnehmer nicht gewachsen. Es gab zu wenige Hotelzimmer, viele Gäste konnten gar nur mehr im Umland untergebracht werden. Die örtliche Gastronomie war – sicherlich auch bedingt durch das sommerliche Wetter – jenseits ihrer Belastungsgrenze. Und so manch einer soll angesichts der Anreise in den Nordwesten Deutschlands gleich von vornherein abgewunken haben, wie man hört. So waren es am Ende auch rund 500 Teilnehmer weniger als im vergangenen Jahr.

Digitalisierung macht Hoffnung

2018 wird der Deutsche Stiftungstag wieder mit dem ICE zu erreichen sein. In Nürnberg wird das Motto „Digitalisierung“ heißen – ein Thema, das sich auch an Stiftungen definitiv nicht vorbeientwickelt. Es ist höchste Zeit, es auch im Dritten Sektor auf die große Agenda zu heben. Und es macht Hoffnung, dass es im kommenden Jahr dann vielleicht auch eine Kongress-App gibt, mit der sich der Aufenthalt in Mittelfranken besser organisieren lässt als der in Niedersachsen.

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