26.10.2017 | Von Sabine Kamrath

Stiftungen, Fonds und das TINA-Prinzip

Auch nach zehn Jahren niedriger Zinsen treibt das Thema die Stiftungen um. Zumindest war es über lange Strecken das beherrschende Thema auf dem Gesprächskreis Stiftungsfonds im Haus Deutscher Stiftungen.

Fonds Gesprächskreis Berlin
Die Teilnehmer des Gesprächskreis Stiftungsfonds am 10. Oktober in Berlin folgten gespannt den Vorträgen der Experten. Foto: DIE STIFTUNG/Julia Laumer

Nach einem Jahr Pause wurde am 10. Oktober der Gesprächskreis Stiftungsfonds von DIE STIFTUNG in Kooperation mit Funds Excellence wieder in der Hauptstadt ausgerichtet. Etwa 30 Gäste hatten sich zusammengefunden, um sich über die Anlage in Investmentfonds zu informieren und mit den anwesenden Fondsexperten ins Gespräch zu kommen.

Einleitend hielt Thomas Soltau von Fondsdiscount.de einen Vortrag über das wirtschaftliche und rechtliche Umfeld, und welche Risiken momentan allgemein das Stiftungsvermögen in seinem Fortbestand gefährden. Neben der niedrigen Zinsen, der wieder ansteigenden Inflation und damit dem Verlust der Kaufkraft bzw. des Realwerts des Stiftungsvermögens seien dies vor allem zunehmende Regulierung, rechtliche Einschränkungen sowie steigende Kosten. Auch die steigenden Risiken auf dem Kapitalmarkt machte er zum Thema.

Zurück zum klassischen Investitionsgedanken

Soltau zufolge sei es unumgänglich, sich mit den Märkten zu beschäftigen. Er nannte es das „TINA-Prinzip“ – „There is no alternative“, denn es gäbe schlicht keinen risikolosen Zins mehr, und damit müsse man sich abfinden und sich nach Alternativen zu Staatsanleihen umschauen. Er meinte zwar, dass es strittig sei, ob in manchen Anlageklassen bereits eine Blase existiere und das stark von der Sichtweise und Bewertung unterschiedlicher Parameter wie Nachfrage, Verschuldung und Preisanstieg abhänge. Aber die Märkte seien mittlerweile so aufgebläht, dass es schwierig wird, gute und nachhaltig ertragreiche Investments zu tätigen.

Man müsse sich daher damit beschäftigen, wieder den Weg zurück zum klassischen Gedanken des Investierens gehen und in „Risikofinanzierung“ einzusteigen. Denn Erträge ohne Risiko zu erzielen, sei zum einen nicht mehr möglich, und zum anderen ökonomisch auch nicht darstellbar. Durch das viele Geld im Markt ist die Zahlung des Zinses als „Liquiditätsprämie“ nicht mehr erforderlich und daher werden die Zinsen auch weiterhin niedrig bleiben. Was dagegen vom Markt vergütet wird, ist das Risiko gewisser Anlagen. Er meinte weiter, dass Stiftungen diesen Gedanken im Investment scheuten, obwohl sie ohnehin in der gesellschaftlichen Risikofinanzierung engagiert seien. Schließlich sei auch der Einsatz der Mittel der Stiftung bis zu einem gewissen Grad Risiko.

Auch das Thema Kosten sprach er an, und zwar nicht nur die Kosten, die ohnehin beim Investieren anfallen, sondern vor allem die Gebühren, die seitens der Banken erhoben werden, um andere Ausfälle wie etwa Kontoführungsgebühren zu kompensieren. Auch wenige Euro im Monat läpperten sich über die Zeit.

Acht Kriterien eines Fonds zur Anlage für Stiftungen

Klaus-Dieter Erdmann griff in seinem Vortrag das Thema dankbar auf und erklärte nicht nur detailliert die Kostenstrukturen in Fonds, sondern auch die Einnahme-Struktur: Er ging auf die Unterschiede von Wertentwicklung, Kursgewinn und Ausschüttung ein, da den Stiftungen oftmals nicht bewusst sei, was auf Seiten des Stiftungsvermögens ausschüttungsfähige Erträge seien, und was dem Substanzerhalt unterliege.

Zudem betonte er, dass das Wort „Stiftungsfonds“ im Namen des jeweiligen Produkts nichts über seine tatsächliche Eignung für Stiftungen aussage, sondern oftmals aus Marketing-Gründen gewählt würde. Er fasste zusammen, dass folgende acht Kriterien einen Fonds zur Anlage für Stiftungen empfehlenswert machten: Regelmäßige, planbare Ausschüttungen, ein geringes Risiko, das anhand der Volatilität oder des maximalen Jahresverlustes eingeschätzt werden könne, eine defensive Ausrichtung durch flexible Steuerung der Portfoliostruktur und durch die Definition von Risikobudgets, sowie geringe, stiftungsadäquate Kosten, ein hohes Maß an Transparenz (durch etwa regelmäßige, umfassende Berichterstattung), eine einfache Bilanzierung und die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien.

In der daran anschließenden Diskussion versuchte Erdmann dann mit drei anderen Fondsexperten Licht ins Dunkel der Begriffe rund um Stiftungsfonds zu bringen: Outperformance, Volatilität und Maximum Drawdown konnten schnell geklärt werden – aber was versteht man unter einer Beta-Verteilung oder einer Underwater-Period?

Drei Fonds, drei Strategien

Die Fondsmanager Achim Lange (Hamburger Stiftungsfonds der Haspa) und Jan Engelke (BKC Treuhand Portfolio der Bank für Kirche und Caritas) konnten nicht nur diese Mysterien erörtern, sondern gingen auch auf strategische Fragen des Investments im aktuellen Umfeld ein. Im Hamburger Stiftungsfonds beispielsweise suche man wie ein Kaufmann gezielt nach Unternehmen, an deren Geschäftsmodell und Unternehmensphilosophie man glaube. „Wir suchen nach guten Aktien, die wir lange halten wollen. Es geht nicht darum, kurzfristige Kursgewinne zu realisieren, sondern langfristige Investments bei vernünftig geführten Unternehmen zu tätigen“, erklärte Lange den Zuhörern.

Engelke stimmte zu, und erläuterte an dieser Stelle, dass im BKC Treuhand Portfolio die „vernünftige Führung von Unternehmen“ mit der Implementierung von Governance-Kriterien erfolge, neben weiteren Kriterien der Nachhaltigkeit. Als Vermögensverwalter mit kirchlichem Hintergrund zähle neben der rein ökonomischen Nachhaltigkeit, also der Rentabilität eines Investments, auch die ökologische und ethische Nachhaltigkeit.

Jörg Müller, der dritte Vertreter auf dem Podium, stellte den College Fonds von Advice & Opinion Asset Management vor, der eine dezidierte Aktienstrategie verfolgt. Bei dieser werden niedrig schwankende Aktien, die aber eine stete und relativ hohe Dividende auszahlen, aus großen Indizes ganz gezielt ausgesucht, und mit einer Unternehmensanleihen-Strategie kombiniert.

„Was Sie nicht verlieren, müssen Sie nicht wieder gewinnen“

Klaus-Dieter Erdmann ging kurz auf seinen vermögensverwaltenden Dachfonds ein, der in zehn verschiedene Fonds investiert und in dem das Risikomanagement über eine gezielte Selektion und niedrige Korrelation der Fonds und der Anlageklassen dargestellt wird. Er betonte auch, wie entscheidend das Risikomanagement ist – wichtiger als spekulationsgetriebene Gewinnerwartung oder sogenannte „Chancenoptimierung“. Jörg Müller schloss sich an und ergänzte: „Was sie nicht verlieren, müssen Sie auch nicht wieder an Gewinn herausholen.“

Den besten Vermögensverwalter und den besten Fonds würden Stiftungen nicht finden. Aber es gäbe viele sehr gute, bei denen es sich lohnt, sich mit ihnen zu beschäftigen, zog Erdmann sein Fazit.

Die Präsentationen der beiden Referenten sowie Informationen zu den vorgestellten Fonds finden Sie hier zum Download:

Vortrag Thomas Soltau

Vortrag Klaus-Dieter Erdmann

Informationen Hamburger Stiftungsfonds

Informationen Bank für Kirche und Caritas eG

Advice & Opinion Asset Management sowie Videobeitrag zum College Fonds

Informationen Vermögens-Management Fonds

Nächster Gesprächskreis Stiftungsfonds in München

Der nächste und letzte Gesprächskreis Stiftungsfonds dieses Jahres wird am 7. November 2017 in München stattfinden – im Haus des Stiftens. Unter events@die-stiftung.de können Sie ihre Teilnahme bereits jetzt vormerken.

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