26.04.2018 | Von Sabine Kamrath

Stiftungsfonds: Alles selbstverständlich?

Vieles, was Stiftungen in der Vermögensanlage beachten müssen, ist längst bekannt, und kommt dennoch in der Praxis oft zu kurz. Der erste Gesprächskreis Stiftungsfonds in diesem Jahr in Köln war somit ein Ausflug zu den Basics, um darauf aufbauend von den Profis zu lernen.

Stephan George (Deutsches Stiftungszentrum), Anton Bonnländer (Bank für Sozialwirtschaft) und Bernhard Matthes (Bank für Kirche und Caritas, von links) im Gespräch mit Sabine Kamrath (DIE STIFTUNG). Fotos: Julia Laumer

Auch im mittlerweile fünften Jahr der Veranstaltungsreihe Gesprächskreis Stiftungsfonds ist das Informationsbedürfnis hoch. Seit Jahren beschäftigen die Stiftungen die niedrigen Zinsen und deren Konsequenzen, vor allem im Anleihenbereich, aber auch gestiegene Anforderungen an die Professionalisierung und Transparenz in der Kapitalanlage sowie Dokumentationspflichten und Haftungsthemen. Zusätzlich kamen im vergangenen Jahr noch das Investmentsteuer-Reformgesetz und eine verstärkte Regulierung hinzu. Über 30 Vertreter von Stiftungen fanden sich am 17. April in Köln ein, um sich zur Vermögensanlage in Stiftungsfonds zu informieren, sich zu Ihren Erfahrungen auszutauschen und zu vernetzen.

Alle Unterlagen zu Stiftungsfonds lesen

Vor allem soll das Konzept der Veranstaltung dazu beitragen, Vorstandsmitglieder in den Stiftungen zu befähigen, fundierte Entscheidungen in Bezug auf die Kapitalanlage zu treffen. Dazu erläuterte Franz Schulte von PKF Fasselt Schlage Duisburg zunächst allgemein den Rahmen, in dem sich die Vermögensanlage von Stiftungen bewegen sollte, und verwies auf seine Checkliste zur verantwortungsvollen Vermögensanlage. Vieles erscheine selbstverständlich, werde in der Praxis jedoch nicht ausreichend gelebt. Beispielsweise würden viele Stiftungen bei dem Investment außer Acht lassen, dass sie in der Vermögensanlage gewährleisten müssen, zur Umsetzung ihrer Zwecke zu bestimmten Zeiten Ausschüttungen zur Verfügung zu haben.

Dr. Franz Schulte von PKF Fasselt Schlage Duisburg stellte seine Checkliste zur verantwortungsvollen Vermögensanlage für Stiftungen vor.

Viele Vorstände würden sich selbstverständlich Gedanken über möglichst hoch rentierende Anlagen machen, sich jedoch nicht ausreichend mit der geforderten Liquidität beschäftigen. „Wenn die Erträge dann nicht zum geforderten Zeitpunkt verfügbar sind, stehen Sie vor einem Problem“, meinte er. Ebenso betonte er die Bedeutung, sich mit Anlageprospekten und den bereitgestellten Unterlagen intensiv zu beschäftigen. „Auch wenn Sie mit Papier zugeschüttet werden, lesen Sie das. Alles. Lesen Sie alles, bis Sie es verstanden haben. Und verdeutlichen Sie, dass Sie es gelesen und verstanden haben, indem Sie Stellen markieren, sich Notizen machen oder das einfach in ein Sitzungsprotokoll schreiben.“ Getreu dem Motto der Veranstaltung, einem Zitat von Warren Buffett, dass Risiko dann entstehe, wenn Anleger nicht wissen, was sie tun. Eigentlich selbstverständlich, aber in der Praxis würden viele Vorstände an einem gewissen Punkt resignieren und ihrem Berater vertrauen. Doch auch hier gelte, dass Vertrauen im Zweifelsfall in Bezug auf Haftungsfragen nicht ausreichend sei. „Sie müssen nachweisen können, dass Sie als Vorstand verantwortungsvoll und umsichtig gehandelt haben. Können Sie das, geht auch bei Verlusten nicht gleich die Welt unter“, so Schulte.

Entscheidungen schriftlich festhalten

Auch Klaus-Dieter Erdmann betonte, dass Stiftungen schriftlich festhalten sollten, warum Sie sich für eine bestimmte Anlage entschieden haben. „Verweisen Sie zum Beispiel auch auf Statistiken, Rankings oder Berichte, die Sie in Ihre Entscheidung mit einbezogen haben. Es gibt viele Anbieter, die transparent aufzeigen, wo ein Fonds Stärken und Schwächen hat. Zeigen Sie, dass Sie sich damit wirklich beschäftigt haben. Dann sind Sie auch in Haftungsfragen auf der sicheren Seite.“ Außerdem verdeutlichte er, dass die Folgen aus dem Investmentsteuer-Reformgesetz nicht so gravierend seien, als dass Stiftungen nun in Panik ausbrechen und ihre Anlagen umschichten sollten. „Die Mehrbelastungen aus der nun berechneten Steuer bewegen sich bei den meisten Fonds im 0,01xxx-Bereich. Das ist fast zu vernachlässigen. Solche Kosten sollten nicht die entscheidende Determinante sein.“ Entscheidend sei vielmehr, was nach Abzug sämtlicher Kosten an Rendite übrig bleibe. Denn manche Stiftungsfonds seien zwar teuer, würden aber dennoch am Ende eine äußerst interessante Rendite abwerfen.

Die Diskussion mit den Fondsexperten knüpfte an das Zitat von Waren Buffett direkt mit einem weiteren an, das seinem Mentor Benjamin Graham zugeschrieben wird: „Das Wesentliche bei der Geldanlage ist nicht das Management von Renditen, sondern das Management von Risiken.“ Stephan George, Geschäftsführer des Deutschen Stiftungszentrums, einer Tochter des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft, verwies auf dieses Zitat und ging damit auf das Wertsicherungskonzept der über Spezialfonds abgebildeten Vermögensverwaltung des Hauses ein. Besonders betonte er die geringe Kostenquote für die Investoren, die sich vor allem aus Größenvorteilen ergeben. Zudem stellten Bernhard Matthes von der Bank für Kirche und Caritas sowie Anton Bonnländer von der Bank für Sozialwirtschaft jeweils einen Fonds vor. Dabei präsentierte Matthes den BKC Treuhand Portfolio, einen defensiv ausgerichteten Mischfonds. Besonders betonte er die klare Ausrichtung des Fonds an nachhaltigen Prinzipien und die homogene Anlegerstruktur, in der Stiftungen und kirchliche Investoren mit ihren langfristigen Interessen im Fokus stehen: „Als kirchlich geprägtes Haus verstehen wir sowohl den Zeithorizont, als auch die thematischen Schwerpunkte, in die Stiftungen investieren möchten – oder eben in die sie gerade nicht investieren möchten“, so Matthes. Als Beispiel führte er das Thema Gold an. „Viele Stiftungen möchten Gold in ihrem Portfolio abbilden, wissen aber nicht, wie, denn Erträge müssen eben auch erwirtschaftet werden. Und das kann ein Barren erst mal nicht, den Sie sich in ein Schließfach legen.“ Im Fonds jedoch würde über Vehikel in Gold investiert, sodass ausschüttungsfähige Erträge entstünden.

In den Pausen konnten die Gäste von den Fachreferenten individuell beraten werden.

Nachhaltig zu weniger Risiko

Anton Bonnländer ging auf das Konzept des erst im Oktober aufgelegten BFS Nachhaltigkeitsfonds Aktien 1 ein, der aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach nachhaltigen Produkten für gemeinnützige Investoren in eigener Tranche konzeptioniert wurde. Neben den mittlerweile etablierten Ausschlusskriterien der Anlage in Unternehmen aus den Branchen Tabak, Alkohol, Glückspiel, Pornografie oder Rüstung investiert der Fonds auch nicht in Unternehmen mit kontroversen Geschäftspraktiken. Bonnländer betonte jedoch, dass sich dies nicht nachteilig auf die Rendite auswirke, sondern teilweise sogar positiv, weil Anleger sich so bestimmte Risiken erst gar nicht ins Portfolio holen würden, etwa mangelhafte Governance.

Bei der anschließenden Diskussion wurden vor allem die Themen Kosten und das Verhältnis zwischen Risiko und Rendite thematisiert. Denn obwohl sich die meisten mittlerweile an die Zeiten niedriger Zinsen gewöhnt haben, scheint vielen doch noch nicht bewusst, dass durch das aktuelle Marktumfeld eine Rückkehr zum Gedanken des „Investierens“ erforderlich ist, dass also nur mit gewissen Risiken auch Rendite folgt – Anleihen kämen dem Wortstamm nach eben von „leihen“, mit dem Risiko, das verliehene Geld nicht mehr zurück zu bekommen. Außerdem betonten alle, dass es die beiden größten Risiken seien, die Geduld zu verlieren und in schlechte Phasen hektisch alles zu deinvestieren, anstatt sich Gedanken über die Verlusttoleranz zu machen und abzuwarten. Hier verwies Schulte auch auf die Anzeigepflicht der Stiftungen bei den Stiftungsaufsichten, wenn sie größere Vermögensumschichtungen vornähmen, und riet ebenfalls davon ab, vorschnelle Entscheidungen zu treffen. Professionelle Kapitalanleger würden Märkte lange beobachten, da diese auch nach einer schwachen Phase, wie etwa zu Beginn des Jahres, bald wieder erholen würden. „Einsteigen, wenn die Märkte hoch stehen, und aussteigen, wenn die Märkte stark gefallen sind, ist der effektivste Weg, schnell ein Vermögen zu vernichten“, kommentierte Erdmann. Und letztlich, waren sich die anwesenden Fondsexperten einig, gehe es ohnehin darum, sich eine gute Strategie zu überlegen und diese langfristig und mit ruhiger Hand zu verfolgen.

Präsentationen zum Gesprächskreis finden Sie hier:

Nächster Gesprächskreis Stiftungsfonds in Stuttgart

Der nächste Gesprächskreis Stiftungsfonds wird am 26. Juni 2018 in Stuttgart stattfinden – im Haus der Katholischen Kirche. Unter events@die-stiftung.de können Sie ihre Teilnahme bereits jetzt vormerken.

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