28.10.2014 | Von Die Stiftung

Und wieder einmal Diversifikation

Bei der vierten und für dieses Jahr letzten Ausgabe unserer Reihe „Gesprächskreis Stiftungsfonds“ am 21. Oktober 2014 in Düsseldorf war es wieder Zeit, die großen Fragen des Fondsinvestments für Stiftungen zu diskutieren.

Bei der vierten und für dieses Jahr letzten Ausgabe unserer Reihe „Gesprächskreis Stiftungsfonds“ am 21. Oktober 2014 in Düsseldorf war es wieder Zeit, die großen Fragen des Fondsinvestments für Stiftungen zu diskutieren. Und wie auch in den drei anderen Gesprächskreisen zuvor war man sich vor allem bei einem Thema einig: Dass Diversifikation der Schlüssel ist zu erfolgreichem Investment.
Von Sabine Kamrath

 

Wenn alle sich einig sind in der Einschätzung der Märkte, droht normalerweise nichts Gutes, weiß man in der Finanzwelt sicher. Gerade nach dem kurzen Einbruch der Aktienmärkte sind Stiftungen nervös, ob und wie sie beispielsweise in Aktien investieren sollen. Doch Renten sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld auch keine Lösung. Zeit also, die Profis zu fragen – vier Fondsmanager, die wir zu unserer Veranstaltungsreihe der „Gesprächskreise Stiftungsfonds“ auch für die Düsseldorfer Ausgabe wieder eingeladen haben.

In einer Runde von 30 Gästen begrüßte DIE STIFTUNG zunächst den Rechtsanwalt Dr. Gregor Seikel, der in seinem Vortrag rechtliche und steuerliche Aspekte bei Änderung von Stiftungssatzungen beleuchtete. Der Referent von GSK STOCKMANN + KOLLEGEN ging ausführlich auf die Zulässigkeit von Satzungsänderungen ein und konnte hier auch die Perspektive der Stiftungsaufsichten mit einbringen. Besonders wichtig sei es neben dem Vorliegen eines wirklich triftigen, nicht anderweitig lösbaren Grundes, dass die Änderung ebenfalls im Einklang mit dem (mutmaßlichen) Stifterwillen umgesetzt würde. Spricht sich also der Stifter in der Satzung konkret gegen beispielsweise eine Investment in Private Equity aus, könne man dies auch durch eine Satzungsänderung nicht antasten, da der Stifter sich hier explizit dagegen ausgesprochen hatte. Die Satzung lässt sich demnach also immer nur modifizieren, nicht wirklich ändern. Das Motto laute: „So viel Veränderung wie nötig, so wenig wie möglich.“

Anlagerichtlinien in die Satzung?

Nach wie vor wird das Thema sehr gespalten von den Aufsichten aufgenommen. Und eine Satzungsänderung aufgrund der schwierigen Ertragssituation befürwortete selbst Seikel nicht. Es gäbe immer andere Lösungen, wie beispielsweise Änderungen in der Vermögensanlage. Und eine Finanzkrise, selbst wenn sie 10 Jahre dauert, sei in Anbetracht der potentiellen Ewigkeit, in der die Stiftung existiert, eine Durstrecke, aber zunächst einmal kein Grund, in die Satzung einzugreifen. „Stiftungen haben trotz allem grundsätzlich eine langfristige Perspektive, so dass Zins- und Anlagekrisen nur dann eine Satzungsänderung erfordern, wenn die Satzung zu restriktive Vorschriften zur Vermögensanlage enthält“, so Dr. Seikel.

Jedoch empfahl Seikel, bei Stiftungsneugründungen oder im Zuge einer Satzungsänderung Anlagerichtlinien aus der Satzung zu entfernen und diese separat zu behandeln. So bleibe man in der Bestimmung der Anlagerichtlinien flexibel und sei von der Satzung unabhängiger. Neu gegründete Stiftungen würden hier mittlerweile stärker darauf achten, bei länger bestehenden Stiftungen ist die Problematik der satzungsintegrierten Anlagerichtlinien im aktuellen Umfeld tatsächlich aber ein Problem, wie Seikel aufzeigte.

Im zweiten Teil seines Vortrags ging Seikel zudem auf die Verbrauchsstiftung ein und inwiefern hier eine Stiftung umgewandelt werden könne. Dies sei möglich, allerdings würde auch hier eine wesentliche Veränderung der Verhältnisse als Grundvoraussetzung benötigt, damit eine Satzungsänderung erfolgen kann.

In der Diskussion dann wurde nach einer Einführung in die Welt der Stiftungsfonds durch Klaus-Dieter Erdmann von der MMD Multi Manager GmbH der Punkt der Vermögensbewirtschaftung gerade in Niedrigzinsphasen aufgegriffen. Die vier Fondsmanager präsentierten jeweils unterschiedlich ausgerichtete Konzepte.

Die Angst der Stiftungen vor zu hohen Aktienquoten, welche die Vorstände seit der Finanzkrise 2008 haben, sitzt noch immer tief. Und Rückschläge, wie gerade erst vorgekommen, scheinen das wiederaufkeimende Vertrauen erneut zu ersticken, wobei es eine deutsche Krankheit ist, der Aktie grundsätzlich zu misstrauen. In diesem Punkt gerieren sich Stiftungsvorstände nicht anders als deutsche Privatanleger. Die Fondsmanager sahen die Rücksetzer an den Märkten jedoch nicht als besonders tragisch an, sondern vielmehr als eine Konsolidierung an, und eben gerade keine Korrektur. Dies verdeutliche, dass die Eurozone auf dem Weg der Genesung sei und wäre angesichts der Kursanstiege der letzten Monate auch eine vernünftige und beruhigende Wirkung für die Märkte. Auch sahen alle vier in den Kursstürzen keine Anzeichen dafür, dass eine neue Krise bevorstünde. Für die Entwicklung im kommenden Jahr 2015 zeigten sich alle positiv gestimmt. Auch wenn die Renditen im Rentenbereich auf lange Sicht eher niedrig bleiben und hier wenig Hoffnung auf Veränderung bestünden, hätten die Portfolio-Manager mittlerweile gelernt, sich auf das Umfeld einzustellen.

Stefan Krogmann, der den Hamburger Stiftungsfonds UI repräsentierte, betonte beispielsweise, dass der Fonds eine maximale Aktienquote von 30% besäße, diese aber auch durchaus aktiv atmen würde. Allerdings handele es sich bei ihren Investments immer um „den reinen Stoff“, der sich im Fonds befinde – aus Kostengründen und aus Gründen der Transparenz werden für den Hamburger Stiftungsfonds also immer „physische“ Positionen erworben und nicht nur derivativ abgebildet. Die anwesenden Stiftungen konnten sich hier wiederfinden, haben Stiftungen doch oftmals die Sorge, mit dem Fonds etwas zu kaufen, das sie nicht verstehen. Der Hamburger Stiftungsfonds steht auch für hanseatische Sorgfalt und Vorsicht, was den Fonds den Ausführungen Krogmanns zufolge zu einem Basisinvestment für Stiftungen macht. Basis daher, weil er auf Experimente verzichtet und eben ganz bodenständiges Asset Management betreibt.

Doch die Frage nach der Streuung der Investments und Vermeidung von Risiken bekam angesichts der aktuellen Entwicklung neue Relevanz. Hier haben die Fondsmanager jeweils unterschiedliche Strategien. Alle sahen in der Streuung der Investments, nicht nur über das Gesamtportfolio hinweg, sondern auch innerhalb des Fonds, den Schlüssel. Besonders intensiv zeigte sich dies bei dem Fonds Gothaer Comfort Ertrag A, den Steffen Blaudszun vorstellte. Die Streuung über viele Anlageklassen hinweg, von zum großen Teil Staatsanleihen über Aktien und Unternehmensanleihen bis hin zu Private Equity gewährleiste die regelmäßigen Ausschüttungen des vermögensverwaltenden Fonds. Eine breite Streuung sorgt aber nicht nur für ordentliche Erträge, sondern dämpft auch die Schwankungen und damit die Wahrscheinlichkeit von deftigen Abschlägen im Stiftungsdepot.

Doch nicht nur die Streuung über Anlageklassen sondern auch über Laufzeiten und Instrumente hinweg trage zur Sicherheit des Investments und regelmäßigen, stabilen Erträgen bei. Teilweise würde man auch Derivate benutzen, allerdings nur zur taktischen Absicherung, wenn überhaupt, betonten zwei Fondsmanager; teilweise verzichten die Fondsmanager auch ganz auf den Einsatz solcher Instrumente. In diesem Zusammenhang verwendete Michael Woischnek das Bild des „großen Hammers“, der zwar unter dem Tisch liegt, aber wenn überhaupt, dann nur im äußersten Notfall herangezogen wird. Der Fondsmanager des LAM-Stifterfonds Universal betonte, dass es auch eine Frage der Glaubwürdigkeit sei.Für Woischneck sind Aktien zudem zur Gänze stiftungsgeeignete Investments, denn wer, wenn nicht Stiftungen, brächte exakt den für Aktien notwendigen langfristigen Anlagehorizont mit. Stiftungen könnten sich idealerweise von den wöchentlichen Schwankungen und Quartalsdenken freimachen, schaffen das aber dann am Ende des Tages doch nicht, wie Woischneck kommentierte.

Dorothee Elsell hingegen, Abteilungsdirektorin der Bethmann Bank AG, fokussierte einen anderen Weg. Im Management des Bethmann Stiftungsfonds lege man sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit, betonte sie. Elsell definierte diese auf eine kritische Nachfrage aus dem Publikum hin als die Summe von Transparenz und eigenverantwortlichem Handeln. Man bemühe sich beispielsweise nicht nur um den Ausschluss bestimmter Bereiche wie Investments in Glücksspiel, Waffen oder Prostitution, was Elsell als selbstverständlich erklärte. Man versuche über Nachhaltigkeitsanalysen zudem, gezielt Investments herauszusuchen, die sozialen, ökologischen und Standards in der Unternehmensführung entsprächen. Der Fonds trägt zudem das Transparenz-Siegel, das von Rödl & Partner vergeben wird, erklärt einer Stiftung also sehr detailliert, was im Bethmann Stiftungsfonds mit dem eingelegten Geld passiert.

Fazit

Insgesamt gesehen wurde eine Lanze gebrochen für das aktive Management von Stiftungsfonds. Die Zeiten, in denen man Aktien kaufen und liegen lassen konnte, seien eindeutig vorbei. Auch wenn das in seltenen Fällen noch gelänge, so waren sich die Fondsmanager einig, würde man mit aktivem Portfolio Management weit bessere Resultate erzielen. Außerdem hätte eine Stiftung auf diese Weise mehr Einfluss auf die Einhaltung aktueller und verbesserter Nachhaltigkeitskriterien und könne schneller auf die Entwicklungen reagieren. Und schließlich könne man als Portfoliomanager hier auch sein Können unter Beweis stellen.

Hinweis: Eindrücke vom letzten Gesprächsl

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