22.10.2015 | Von Die Stiftung

Wir kaufen den reinen Stoff

Wenn vier Fondsmanager aufeinander treffen, dann meist mit fünf verschiedenen Meinungen. Für Besucher kann das enorm spannend sein, aber auch fordernd. Einmal bekommen sie unterschiedliche Anregungen für ihre eigene Kapitalanlage präsentiert, zum anderen aber auch Einblicke in die jeweilige Strategie. So auch am vergangenen Donnerstag im Haus des Stiftens.

Wenn vier Fondsmanager aufeinander treffen, dann meist mit fünf verschiedenen Meinungen. Für Besucher kann das enorm spannend sein, aber auch fordernd. Einmal bekommen sie unterschiedliche Anregungen für ihre eigene Kapitalanlage präsentiert, zum anderen aber auch Einblicke in die jeweilige Strategie. So auch am vergangenen Donnerstag im Haus des Stiftens.
Von Tobias Karow

Der Gesprächskreis Stiftungsfonds ist bekannt als Fachforum rund um die Fondsanlage von Stiftungen. Diesmal stellten sich dem Publikum mit dem Hamburger Stiftungsfonds ein Stiftungsfonds-Klassiker, mit dem SKALIS Evolution Defensive und dem WAVE Total Return zwei definitiv stiftungsgeeignete Fonds sowie mit dem LHI Green Investment I eine Lösung aus dem Bereich Spezial AIF. Vorweg gingen dem Elevator-Pitch und der Diskussion mit den vier Fondsmanagern zwei Vorträge, die es in sich hatten. Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Felix Wallenhorst von der gleichnamigen Kanzlei brachte zum Beispiel eine Matrix mit, die Fonds etwa beim Thema Kosten oder auch dem Zugang zu diesem Investment eine maximal mögliche Stiftungseignung attestiert, aber beim Punkt der Transparenz durchaus auch Defizite ausmachte – welche jedoch weit geringer wiegen als bei der Kapitalanlage durch einen externen Vermögensverwalter.

Tipps zur Vermeidung von Fehlern
Ebenfalls brachte Wallenhorst zwei Urteile mit, die direkt mit der Haftung des Stiftungsvorstands zu tun hatten. In einem Fall verlor die Stiftung zwischen 2001 und 2008 etwa zwei Drittel ihres Vermögens, ausgelöst durch zu hohe Aktienquoten, die die beiden mit der Vermögensanlage betrauten Banken eingegangen waren. Dies war von Vorstand und Kuratorium zwar angemerkt, jedoch nicht aktiv verhindert worden, woraus ein Verschulden resultierte, für das der Vorstand haftbar gemacht wurde, nicht jedoch die Banken. Entlang dieser Vorlage entfesselte sich eine lebhafte Diskussion darüber, wie ein Stiftungsvorstand denn mit möglichen Haftungsrisiken umzugehen habe. Wallenhorst gab hier Hinweise, etwa den, dass ein Vorstand sich eingehend und nachweislich mit einem Produkt oder einer Lösung auseinandergesetzt haben muss, dann kann er für eine Fehlentwicklung nicht haftbar gemacht werden. Mit der tatsächlichen Wertentwicklung wäre eine Haftung dann nicht mehr verbunden. Im zweiten Impuls knüpfte Klaus-Dieter Erdmann von der MMD Multi Manager GmbH direkt an diese Thematik an, indem er eine Blaupause dafür gab, wie man sich einem Fonds strukturell und analytisch nähern kann.

Fondsmanager
Klaus-Dieter Erdmann sprach über Stiftungsfonds und stiftungsgeeignete Fonds.

Stiftungseignung zeigt sich im Detail
„Es muss kein Stiftungsfonds sein, denn hier ist die Stiftungseignung auch nicht zwingend gegeben.“ Lieber sollten sich Stiftungen das großflächig ausgebildete Segment der vermögensverwaltenden Mischfonds anschauen, dieses sei breiter aufgestellt, was die Zahl der Produkte, aber auch der Ansätze betrifft. Für Erdmann ist zudem wichtig, sich in einige Fondsdetails „hineinzufräsen“. Beispielsweise in die Frage, ob eine institutionelle Tranche verfügbar ist, denn Stiftungen sparen dadurch bares Geld beim Erwerb von Fondsanteilen. Oder aber wie sich die Fonds in bestimmten Marktphasen verhalten, was sie an Verwaltungskosten vereinnahmen, inwiefern sie aktiv ihr Portfolio bewirtschaften.

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