26.11.2015 | Von Die Stiftung

„4% Dividende sind attraktiv gegenüber 0% Zins“

DIE STIFTUNG: Können Sie uns in aller Kürze den Ansatz hinter Ihrem Fonds erläutern?
Claus Walter: Der Fonds ist angetreten mit einem stringenten Konzept und baut auf drei Säulen auf. Einmal einer festen Vermögensaufteilung mit 30% Aktien und 70% Anleihen, womit wir kurzfristiges Handeln ausschließen wollen. Darauf aufbauend passen wir die Quoten stets zum Jahresbeginn an, was beispielsweise gleichbedeutend ist mit dem Verkauf von Aktien in einem guten Aktienjahr wie 2015. Das dritte Merkmal ist die Kombination von aktiven und passiven Elementen. Wir nutzen dabei auf der Aktienseite kostengünstige ETFs genauso wie Einzeltitel, beschränken uns hier aber auf 20 marktschwere Titel.

DIE STIFTUNG: Welches Ausschüttungsniveau kann dieses Konstrukt verwirklichen?
Walter: Hier kann ich mit aktuellen Zahlen aufwarten. Am 31. Oktober endete das erste verkürzte Geschäftsjahr, und wir werden hochgerechnet 1,8% p.a. ausschütten. Unserem Beirat war wichtig, dass wir nur die ordentlichen Erträge auskehren und nicht die gesamte Wertentwicklung von 3,2%. Insgesamt würde ich realistisch gesehen davon ausgehen, dass in den kommenden Jahren jeweils 1,5% ordentlicher Nettoertrag nach Kosten darstellbar ist.

DIE STIFTUNG: Sie sprachen von einem Beirat, was verbirgt sich dahinter?
Walter: Wir haben die Strategie des Fonds gemeinsam mit einigen Stiftungen erarbeitet, und diese sollten auch in der weiteren Folge mit im Boot sein. Sie geben uns Impulse, gerade bei der strukturellen Feinsteuerung ist Input aus der Stiftungsszene sehr wertvoll. Der Beirat trifft sich immer Anfang Dezember, reallokiert wird dann Anfang Januar.

DIE STIFTUNG: Jetzt war auch 2015 sehr anspruchsvoll für die Fondslenker, wie haben Sie den Sommer überstanden?
Walter: Zunächst ist der Fonds bewusst darauf ausgelegt, dass wir in die 70:30-Aufteilung nicht eingreifen. Gleichzeitig haben wir in diesem Jahr heftige Bewegungen gesehen, sowohl bei Anleihen als auch bei Aktien. Per saldo konnte viel falsch gemacht werden. Durch die fixe Aufteilung ist uns das zum Glück nicht widerfahren. Nichtsdestotrotz greifen wir aber auch ein, und zwar auf der Ebene der Einzeltitel. Einmal haben wir bei den Dividendenwerten Bilfinger verkauft, da wir die Dividendenkontinuität gefährdet sahen. Außerdem hatten wir bei den Chancenanleihen eine VW-Hybridanleihe im Depot, die wir nach der ersten Erholung erst einmal veräußert haben.

DIE STIFTUNG: Was ist nun Ihr Gefühl für das Anlagejahr 2016?
Walter: An der Großwetterlage wird sich nicht viel ändern. Die Notenbanken werden weiter ihre expansive Geldpolitik betreiben, weil das Wachstum global gesehen mit gut 2,5% zwar ordentlich, aber doch auch kraftlos ist. Wir rechnen im Dezember mit einer Zinserhöhung in den USA, aber wir glauben nicht, dass die Zinsen am Markt nennenswert steigen. Insofern sehen wir das Störfeuer Zinswende nicht am Horizont. Andererseits bricht mit gut 2,5% Wachstum auch nichts zusammen. China ist im Wandel begriffen und nicht inmitten eines Einbruchs, sodass das Umfeld für Aktieninvestments grundsätzlich gut ist. Die Bewertungen liegen zwar über dem langfristigen Durchschnitt, aber gemessen an der Bewertung des Anleihemarktes ist das auch gerechtfertigt. Etwa 4% Dividende sind einfach attraktiv gegenüber 0% Zins. Dennoch wird es heftige Bewegungen geben, daran kommen wir nicht vorbei.

DIE STIFTUNG: Ist das Umfeld auch der Auslöser für Ihre transparente Informationspolitik?
Walter: Fonds müssen aufzeigen, wo sie im aktuellen Umfeld Risiken eingehen, Anleger müssen nachvollziehen können, wie ein Fondsmanagement tickt. Das wollen wir mit den umfangreichen Informationen bewerkstelligen. Das hilft gerade in schwierigen Phasen, eine Orientierung zum Investment zu bekommen.

DIE STIFTUNG: Transparenz schafft vor allem Vertrauen. Haben Sie vielen Dank für Ihre Zeit.

Das Interview führte Tobias M. Karow.

Claus Walter
Claus Walter
ist Geschäftsführer der Freiburger Vermögensmanagement GmbH und auch Manager des FVM Stiftungsfonds (ISIN: DE000A1110H8), der am 17. November 2014 aufgelegt wurde.

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