23.03.2015 | Von Die Stiftung

„Man muss dazu bereit sein, auch etwas abzugeben“

In der Münchner Bildungslandschaft herrscht ein wahres Mosaik an Projekten von Stiftungen und Initiativen, die alle in irgendeiner Form das Ziel haben, Bildungsprobleme zu lindern. Um hier etwas Übersichtlichkeit zu schaffen und den gegenseitigen Austausch zu fördern, wurde BiNet gegründet, das Bildungsnetzwerk München. Am Münchner StiftungsFrühling stellten Vertreter das Netzwerk vor.

In der Münchner Bildungslandschaft herrscht ein wahres Mosaik an Projekten von Stiftungen und Initiativen, die alle in irgendeiner Form das Ziel haben, Bildungsprobleme zu lindern. Um hier etwas Übersichtlichkeit zu schaffen und den gegenseitigen Austausch zu fördern, wurde BiNet gegründet, das Bildungsnetzwerk München. Am Münchner StiftungsFrühling stellten Vertreter das Netzwerk vor.
Von Sabine Kamrath

Bei der Diskussionsrunde „Wie Stiftungen Bildungsherausforderungen kooperativ wirksamer lösen können“, tauschten sich am Samstag, den 21. März in der BMW Welt die anwesenden Interessierten im Publikum mit Vertretern von BiNet aus. Thomas Marschall moderierte die Runde, die aus Elisabeth Benz, Eberhard von Kuenheim Stiftung, Martin Schütz, Stiftung Otto Eckart und Andrea Sedlaczek, Stabstelle kommunales Bildungsmanagement und Steuerung im Referat für Bildung und Sport, bestand.

Wirkung durch Auftritt mit einer Stimme
BiNet entstand aus „Lernen vor Ort“, der bislang größten Bildungsinitiative von Bund, Land, Kommunen und Stiftungen, das sich die Entwicklung eines kohärenten, datengestützten Bildungsmanagements zum Ziel gesetzt hat. Durch regelmäßige Abstimmungsprozesse mit anderen Bildungsakteuren sowie das Verfolgen gemeinsamer Ziele in themenspezifischen Verantwortungsgemeinschaften soll das Bildungsangebot verbessert und weiterentwickelt und letztlich mehr Bildungsgerechtigkeit in München geschaffen werden. Stiftungsseitig haben sich „Bildungsstiftungen“ in München zu einem Stiftungsverbund zusammengeschlossen, aus dem nunmehr das BiNet hervorging. Das Netzwerk hat zum Ziel, den Austausch und die Vernetzung von Projekten im Bildungsbereich zu fördern, um Bedarfe sichtbar zu machen, Mehrarbeit zu vermeiden und Kooperationspartner miteinander zu vernetzen. Neben dem fachlichen Austausch soll ein Überblick ermöglicht werden, damit größere Herausforderungen gemeinsam und kooperativ gelöst werden können. Die Arbeit von BiNet reicht von einer Art „Bedarfsradar“ über die Förderung von Dialog und Kooperation bis hin zur Förderung von Wirkung in diesem Bereich. Das Ziel ist der Auftritt mit einer gemeinsamen Stimme, die Förderung des Dialogs sowie das Finden gemeinsamer Lösungen und Projekte. „Das Wissen umeinander steigt, die Vernetzung, und es entstehen vermehrt Kooperationen zwischen den Stiftungen und den Referaten der Stadt, sowie weiteren Projekten. Das genaue Wissen darum, was andere machen, schafft Synergien“, erläuterte Elisabeth Benz. Und Martin Schütz ergänzte: „Der Mehrwert an diesem Netzwerk ist, dass die Qualität der Arbeit und der Projekte besser wird. Denn teilweise fehlt das Wissen.“ Durch den Tausch und Transfer von Know-How könne man in den fachlichen Gremien hieran gezielt arbeiten. Auch für das Referat für Bildung und Sport ist das Netzwerk gewinnbringend. Andrea Sedlaczek lobte die Qualität der vielen verschiedenen Partner und betonte, wie wichtig die Kommunikation in diesem Bereich sei. „Es ist wichtig, dass man voneinander weiß, auch für das Referat. Neben dem strategischen Runden Tisch Bildung wollen wir auf auf der Arbeitsebene eng zusammenarbeiten. Auch kritisch sein ist wichtig, außerdem kann die Sicht der Verwaltung so mit eingebracht werden“, so Sedlaczek.

Damit dies gelingt, seien nachhaltige Qualitätsstandards notwendig. „Die Partner müssen, kooperativ, effektiv und wirkungsorientiert arbeiten. Dann verschaffen wir uns einen Überblick – wo sind zum Beispiel dunkle Flecken? Kann man mit den entsprechenden Ressourcen ein Feld sinnvoll bearbeiten?“, führte Elisabeth Benz aus. So könne man sich beispielsweise auch besser ergänzen und wirkungsvoller zusammenarbeiten.

Projekte auch loslassen
In der anschließenden „Mauschelpause“ tauschten sich die Zuhörer zu ihren Gedanken aus, um in einer anschließenden Diskussionsrunde einzelne Aspekte zu vertiefen. Die Fragen nach den Anforderungen erhitzte beispielsweise die Gemüter, oder inwieweit bildungspolitische Forderungen an das Netzwerk herangetragen würden. Hier meinte Schütz, dass das Ziel der gemeinsamen Arbeit durchaus sein könne, gezielt gemeinsame Statements zu entwickeln; er betonte aber auch, dass die Arbeit im Netzwerk rein themenorientiert sei, vor allem in den Arbeitskreisen, und man keinen bloßen Aktionismus unterstütze. Es gehe generell eher um die Frage, welche Projekte und Lösungen am wirkungsvollsten umgesetzt werden könnten. „Man muss dazu bereit sein, auch etwas abzugeben“, resümierter er, nachsichtig lächelnd, und sprach damit ein Problem an, welches viele Stiftungen mit ihren eigenen, „behüteten“ Projekten haben.

Zudem betonte die Runde, dass BiNet keine Geldeinsammel- und Verteilungsmaschine sei, man arbeite rein themen- und projektorientiert und sei prinzipiell allen Stiftungen gegenüber offen. „Die zentrale Frage ist doch: Wer arbeitet am gleiche Themenkomplex wie meine Stiftung?“, meinte Benz. Die kontinuierliche Zusammenarbeit und der regelmäßige Austausch gewährleisten einen Informationsfluss, der nötig ist, um Versorgungslücken zuschließen, gerade beispielsweise bei der Flüchtlingshilfe. Hier sei auch immer wichtig, die Bedarfe gründlich zu analysieren: „Man kann nur auf Dinge reagieren, die man gespiegelt bekommt“, betonte Sedlaczek.

Fazit: Schlüsselempfehlungen für BiNet
Zum Schluss bat der Moderator noch die Zuhörer, ein paar Begriffe zu sammeln, die sie den Vertretern ans Herz legen und für das Netzwerk mitgeben wollten. Diese bestanden vor allem darin, den Abstraktionsgrad einzudämmen, das Netzwerk mit Leben zu füllen, Transparenz zu fördern und Hürden abzubauen, sowie die Anforderungen an eine Mitgliedschaft öffentlich zu diskutieren, inklusive der Möglichkeit, sich auch als Gast zu beteiligen. Die Vertreter von BiNet wünschten sich ihrerseits, dass der Austausch angeregt werde und man in Zukunft Herausforderungen gemeinsam angehe. Außerdem luden sie zu konstruktiver Kritik ein. Es wurde also wieder einmal deutlich, dass in Kooperation und Austausch gerade im Bildungsbereich Herausforderungen besser angegangen werden können, als wenn jede Stiftung alleine für sich arbeitet.

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Jennifer E. Muhr und Ann-Kristin Bruns kümmerten sich um den MarktStand der STIFTUNG.

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