03.12.2014 | Von Die Stiftung

„Das Risikoprofil bleibt erhalten“

Dr. Jan Bernhard, Manager des Fonds Allianz Stiftungsfonds Nachhaltigkeit, über den neuen Namen des Fonds und die damit verbundenen Änderungen

DIE STIFTUNG: Aus dem Allianz TAARA Stiftungsfonds wurde der Allianz Stiftungsfonds Nachhaltigkeit. Was ändert sich neben dem Namen noch alles?
Dr. Jan Bernhard: Das Risikoprofil des Fonds bleibt erhalten, sodass der Fonds weiterhin die Bedürfnisse eher defensiver Anleger adressiert. Wir sind jedoch davon überzeugt, durch einige Modifikationen das Profil deutlich attraktiver gemacht zu haben. Aufgrund der nachhaltig veränderten Kapitalmarktverhältnisse und des andauernden Niedrigzinsumfelds haben wir neben dem Anlageuniversum auch den Investmentprozess angepasst. Der Anlageschwerpunkt liegt nun stärker auf Europa statt wie bisher auf Deutschland, wobei selektiv auch in globale Märkte, Schwellenländer mit eingeschlossen, investiert werden kann. Dies gilt sowohl für Aktien, als auch für Renten und verbessert potentiell die Ertrags- und Diversifikationschancen, da wir zusätzlich auch in außerhalb Deutschlands liegende aussichtsreiche Märkte investieren können. Der neue Investmentprozess trägt dem erweiterten Anlageuniversum Rechnung und wird durch ein aktives Risikomanagement ergänzt.

DIE STIFTUNG: Inwiefern ist die Asset Allocation jetzt eine andere?
Bernhard: Wie schon seit Auflage des Fonds nutzen wir auch weiterhin Trends an den Kapitalmärkten zur Bestimmung unserer Allokation zwischen Aktien und Renten. Unsere seit vielen Jahren erfolgreiche Anlagestrategie Dynamic Multi Asset Plus kombiniert einen proprietären Trendfolgeansatz mit sowohl pro- als auch antizyklischen Elementen für alle Anlageklassen mit fundamentaler Analyse und aktivem Risikomanagement. Dies gibt uns die Möglichkeit, auf das andauernde Niedrigzinsumfeld und potentielle Zinsanstiegsszenarien besser reagieren zu können. Gleichzeitig ermöglicht uns die Neuausrichtung taktisch attraktive Investitionsmöglichkeiten außerhalb Europas zu berücksichtigen. Um auch in Zukunft die Chancen zu wahren, eine angemessene reale Rendite zu erwirtschaften, haben wir nicht nur die durchschnittliche Aktienquote, sondern auch die maximal zulässige Aktienquote um 10 Prozentpunkte erhöht. Mit der Erhöhung der Aktienquoten haben wir ein aktives Risikomanagement eingeführt, um das Gesamtrisiko des Fonds in angemessenen Rahmen zu halten. In Verbindung mit den Nachhaltigkeitskriterien ergibt sich ein Publikumsfonds, der dem Dynamic Multi Asset Plus SRI-Ansatz folgt, den wir auch institutionellen Anlegern für Spezialfonds anbieten.

DIE STIFTUNG: Was bedeutet es, wenn nun Nachhaltigkeit als Namenszusatz zu finden ist?
Bernhard: Da nicht nur das Erreichen des finanziellen Stiftungszieles, sondern vielmehr das nachhaltige und verantwortungsvolle Erreichen des Stiftungszieles in der Kapitalanlage immer stärker in den Vordergrund rückt, haben wir unseren Investmentprozess um die Dimension Nachhaltigkeit ergänzt. Die Aktien- und Anleihenemittenten im Portfolio werden einer Nachhaltigkeitsanalyse unterzogen, die sowohl Ausschlusskriterien als auch Best-in-Class Ratings berücksichtigt. Im Rahmen der Best-in-Class Analyse beurteilt unser Nachhaltigkeitsresearch-Team insbesondere die Umweltpolitik, Sozialpolitik und Corporate Governance der jeweiligen Aktien- und Rentenemittenten. Darüber hinaus verzichten wir auf Emittenten, die in die Herstellung kontroverser Waffen involviert sind oder bei denen schwerwiegende Verstöße gegen Arbeits- und Menschenrechte festgestellt werden. Im Zuge der Nachhaltigkeitsausrichtung des Fonds setzen wir nun verstärkt auf Einzeltitelselektion. Um an attraktiven Investmentchancen außerhalb des Kernuniversums partizipieren zu können, investieren wir zudem auch in Zielfonds mit Nachhaltigkeitsstrategien.

DIE STIFTUNG: Worauf setzen Sie aktuell?
Bernhard: Nach der jüngsten Aktienmarktkorrektur beurteilen wir aktuell das Kurspotential von europäischen, aber auch globalen Aktienmärkten weiterhin positiv. Im Rentenbereich setzen wir verstärkt auf besicherte und staatsnahe Emittenten.

DIE STIFTUNG: Wo lauern für Sie, auch im Hinblick auf 2015, die größten Risiken in der Kapitalanlage aus Stiftungssicht?
Bernhard: Bei einem andauernden Niedrigzinsumfeld in Europa dürften die durchschnittlichen Kupons der Rentenpapiere weiter sinken, was sich negativ auf die zu erwartenden Ausschüttungen auswirken sollte. Sollte die EZB ihre lockere Geldpolitik beenden, dürften entsprechende Kursverluste an den Rentenmärkten drohen. Einen Vorgeschmack dafür werden wir voraussichtlich in den USA bekommen. Trotz eines grundsätzlich positiven Ausblicks für die Aktienmärkte werden Investoren aufgrund der konjunkturellen Unsicherheiten und regionalen Krisen mit einer erhöhten Volatilität rechnen müssen. Durch eine verstärkte Diversifikation und die Einführung eines stringenten Risikomanagements haben wir den Allianz Stiftungsfonds Nachhaltigkeit für die zukünftigen Herausforderungen gewappnet.

DIE STIFTUNG: Wie steht es um das Thema Ausschüttungen? Was sind heute und künftig die Quellen für die Ausschüttungen?
Bernhard: Bisher waren Kupons aus überwiegend deutschen Staatsanleihen, Ausschüttungen von DAX ETFs und realisierte Kursgewinne die Quelle für ausschüttungsfähige Erträge. Dass Ausschüttungen insbesondere für Stiftungen einen hohen Stellenwert besitzen, wird ebenfalls durch die Neuausrichtung des Fonds adressiert. Durch die Öffnung für europäische, globale und auch Schwellenländer-Anleihen streben wir einen höheren durchschnittlichen Kupon an. Da aktuell die durchschnittliche Dividendenrendite europäischer Aktien über der durchschnittlichen Staatsanleihenrendite liegt, sollte eine mittelfristige höhere Aktienquote ebenso zu höheren ausschüttungsfähigen Erträgen beitragen.

DIE STIFTUNG: Und schließlich interessiert unsere Zielgruppe, ob Sie in Ihrem Fonds unter ihresgleichen investieren. Oder wie hoch ist der Anteil der investierten Stiftungen im Fonds? Kann man das quantifizieren?
Bernhard: Der Fonds richtet sich, wie es auch im Fondsnamen zum Ausdruck kommt, vorzugsweise an Stiftungen mit ihren stiftungsspezifischen Regularien. Der Allianz Stiftungsfonds Nachhaltigkeit ist damit das ideale Instrument für diese Investorengruppe, um in Einklang mit den stiftungsspezifischen Anlagezielen risiko- und ertragsbewusst zu investieren. Stiftungen sind damit unsere Hauptzielgruppe. Da die Fondsbestände nicht bei Allianz Global Investors selbst verwahrt werden können, ist eine präzise Quantifizierung der investierten Stiftungen nicht möglich. Doch aufgrund unserer engen Kundenbeziehungen zu den Stiftungen direkt, wie auch durch unseren engen Vertriebspartner, die Commerzbank AG, sind wir sehr gut informiert, welche Anleger sich für unseren Fonds interessieren und investieren, nämlich überwiegend Stiftungen. Da der Allianz Stiftungsfonds Nachhaltigkeit aber auch allen sonstigen Anlegergruppen offensteht, nutzen die Anlagestrategie auch gerne andere professionelle Investoren. Hierzu gehören z.B. Kirchen, die ebenfalls über einen langfristigen Anlagehorizont verfügen und eine nachhaltige Anlage mit aktivem Risikomanagement und dynamischer Asset Allokation suchen.

DIE STIFTUNG: Dr. Bernhard, vielen Dank für Ihre Ausführungen.

Das Interview führte Tobias M. Karow.

 

Jan BernhardDr. Jan Bernhard ist Manager des Fonds Allianz Stiftungsfonds Nachhaltigkeit.

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