28.07.2017 | Von Die Stiftung

Streit um Studie der Otto Brenner Stiftung

Die „Neuen Deutschen Medienmacher“ werfen den Autoren der Studie über die Berichterstattung der Medien während der Flüchtlingskrise selbst Voreingenommenheit vor. Diese wehren sich gegen die Vorwürfe und werben für einen „um Aufklärung bemühten Diskurs“.

Die „Neuen Deutschen Medienmacher (NDM)“ haben die Studie „Die Flüchtlingskrise in den Medien“ (DIE STIFTUNG berichtete) der Otto Brenner Stiftung (OBS) stark kritisiert. Noch am selben Tag reagierten Studienleiter Michael Haller und der Geschäftsführung der OBS in einer Replik darauf. Das berichtete die Internet-Plattform „Mut-gegen-rechte-Gewalt.de“.

Medien wie der „Spiegel“ und die „Zeit“ hätten Merkels Politik „schon sehr früh sehr skeptisch“ gesehen, schreiben die NDM, und weisen damit die Aussagen der OBS-Studie zurück, die Regierungsparteien hätten den medialen Diskurs dominiert. Studienleiter Haller nutze zudem unreflektiert rechte Schlagworte wie „politische Eliten“, „Mainstreammedien“ und „besorgte Bürger“: Er spreche von Merkels „Grenzöffnung“ für die Flüchtlinge aus Ungarn, die vielmehr der Verzicht auf eine Schließung der EU-Grenzen gewesen sei, so die NDM. Weiter sei Hallers geforderte journalistische Neutralität realitätsfremd, da sie „nicht zwischen rassistischen Gewalttätern und gesetzestreuen Bürgern unterscheiden mag“. Und zuletzt sei Haller bei der Interpretation der Studienergebnisse selbst „voreingenommen und parteilich“ vorgegangen, so der Vorwurf der NDM.

In der Replik an den Vorstand der NDM bezeichnen Haller und die OBS die Äußerungen als „beklemmendes Beispiel dafür, dass es derzeit vielen schwerfällt, die eigenen Überzeugungen, Interessen und Vorurteile zu reflektieren und verständigungsorientiert über das Thema zu sprechen“. Die Mitteilung verdrehe und entstelle sowohl Ansatz als auch Ergebnisse der Studie, reiße Zitate aus dem Zusammenhang, deute Kontexte um und unterstelle Motive. Die Sorge, deutschnationale Gruppen könnten sich Befunde der Studie zu Nutzen machen, solle nicht dazu verleiten, selbst das Lagerdenken zu fördern, warnt die OBS. Im „vergifteten Meinungsklima“ könne nur der „um Aufklärung bemühte Diskurs“ die Voraussetzung schaffen Fronten abzubauen.

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