06.05.2015 | Von Die Stiftung

„Aktienquote künftig aktiver steuern“

DIE STIFTUNG: Geben Sie uns bitte zunächst ein Update zum Ansatz Ihres Fonds.
Markus Diebel: Ich arbeite an dem Fonds seit zwei Jahren mit, und am Grundkonzept eines defensiven Mischfonds haben wir nichts geändert. Nach wie vor setzen wir im Portfolio zu 70% auf Rentenpapiere und zu 30% auf Aktien. Das ist gleich geblieben, aber unser Fonds wurde zuletzt stark von Privatkunden nachgefragt, wodurch sich auch der deutliche Volumenzuwachs ableiten lässt.

DIE STIFTUNG: Aber sind Stiftungen hier dann noch unter ihresgleichen?
Diebel: Bezogen auf die rund 350 Mio. EUR, die vor dem großen Anstieg des Fondsvolumens vorhanden waren, wären Stiftungen schon vorwiegend unter ihresgleichen gewesen. Jetzt, mit dem größeren Kapitalstock im Fonds, ist das sicherlich nicht mehr der Fall. Allerdings ist die Anlagepolitik die gleiche, uns kam sogar zupass, dass wir durch den gestiegenen Anlagebedarf beispielsweise das Segment der Unternehmensanleihen oder aber längere Laufzeiten bei Rentenpapieren allgemein aufstocken konnten. Das hat der Wertentwicklung gut getan. Der gute Start ins neue Jahr ist der beste Beleg dafür.

DIE STIFTUNG: Hier dürften aber vor allem die Aktien ausschlaggebend gewesen sein.
Diebel: Im vergangenen Jahr lag die Aktienquote sogar noch etwas höher, man sieht das nur anhand des Charts nicht. Wenn man sich die Schwankungen des vergangenen Jahres anschaut, dann ist erkennbar, wie der Fonds dieses Auf und Ab mitgeatmet hat und wie das Risikosteuerungskonzept wirkt. Wir können ein bestimmtes Maß Volatilität tragen, das alles aber unter der Devise, jedes Jahr mit einem positiven Ergebnis abschließen zu wollen. Hierzu trägt die aktive Risikosteuerung bei, die wir auch prozyklisch einsetzen, indem wir Aktienquoten reduzieren, sobald es an den Märkten zur Sache geht. Geht es dann wieder nach oben, wird der Aktienanteil wieder ausgebaut.

DIE STIFTUNG: Wo liegt die Aktienquote aktuell?
Diebel: Bei rund 17% per Ende März, wir sind da eher noch vorsichtiger derzeit. Wir sind wachsam für eine Korrektur am Aktienmarkt, gleichzeitig sehen wir das große Bild für Aktien nach wie vor positiv. Vor dem Hintergrund der laufenden Erträge komme ich zudem um dividendenstarke Titel nicht herum. Daher soll die Aktienquote auch wieder erhöht werden, um attraktive Dividenden und einen weiteren Wertzuwachs für den Fonds zu erzielen. Mittelfristig wird es mal eine Korrektur geben, vielleicht wenn die US-Notenbank ihren ersten Zinsschritt unternimmt. Andererseits hellt sich das konjunkturelle Bild in Europa derzeit ganz ordentlich auf, das kann auch noch einmal Schub für die Aktienmärkte bringen.

DIE STIFTUNG: Ist es nun für Sie aktuell die schwierigste oder die einfachste aller Welten?
Diebel: Der Wertzuwachs in Höhe von gut 7% seit Jahresbeginn mag nach einfacher Arbeit aussehen. Doch ich kann Ihnen versichern: Ganz so trivial ist es im Niedrigzinsumfeld auch nicht. Aktuell haben wir unser Jahresziel bei der Wertentwicklung bereits erreicht, wir müssen aber selbstverständlich auch an die Ausschüttungen denken. Im vergangenen Jahr konnten wir 2,3% ausschütten – und auch in diesem Jahr wollen wir wieder eine attraktive Ausschüttung liefern, trotz der niedrigen Renditen. Eine Stellschraube dafür ist auch die Beimischung von Anleihen außerhalb des Investment-Grade-Bereichs, allerdings in kleinerem Ausmaß. Attraktiv sind hier Papiere wie zum Beispiel jenes von Heidelberg Cement. Das Unternehmen hat das Ziel ausgegeben, wieder in das Investment-Grade-Universum zu kommen.

DIE STIFTUNG: Wie stellt sich für Sie das Verhältnis zwischen Aktien und Renten derzeit dar?
Diebel: Am Rentenmarkt ist kein Puffer mehr zu vereinnahmen, das müssen wir konstatieren. Früher fiel eine Anleihe im Kurs, wenn der Zins konjunkturbedingt stieg, aber der Kupon federte den Kursverfall ganz gut ab. Heute ist dieser Puffer nicht mehr vorhanden, weshalb wir uns darauf einstellen, die Aktienquoten eher auf einem erhöhten Niveau zu halten. Daneben werden wir die Aktienquote künftig aktiver steuern als in der Vergangenheit. Ebenfalls wird sich der Prozess fortsetzen, dass wir im Anleihebereich in spanische oder irische Papiere investieren, dort wo also die wirtschaftlichen Reformen durchgeführt wurden und mittlerweile ihre Wirkung entfalten. Hier ist der Rentenmarkt durch eine gewisse Dynamik unterstützt.

DIE STIFTUNG: Inwiefern spielen Nachhaltigkeitskriterien eine Rolle in Ihrer Anlagepolitik?
Diebel: Wir klassifizieren Unternehmen selbst von A bis F, und wir investieren nur dort, wo die Stufen A, B oder C erreicht wurden. Das passiert vor dem Hintergrund, dass in Europa viele Unternehmen diese Bedingungen erfüllen, in den USA und in den Schwellenländern dünnt sich das Anlageuniversum dahingehend dann schon etwas aus. Gleichzeitig nehmen wir wahr, dass unser Screening dazu führt, dass wir vielleicht ein wenig zu sehr auf Large Caps, also die großen Titel und Unternehmen, schauen. Der Trend hin zu mehr Reporting auch im Nachhaltigkeitsbereich – und auf dieser Basis lassen wir ja dann die Überprüfung vornehmen – ist momentan eher von großen als von mittleren und kleinen Unternehmen zu bewerkstelligen. Grundsätzlich denke ich, dass Unternehmen, die bereit sind, ihrem Investor mehr Daten als gewohnt zur Verfügung zu stellen, die auch soziale Parameter oder Governance-Aspekte darstellen, die Wertentwicklung eines Portfolios schon beflügeln. Daher ist dies für uns auch so fundamental.

DIE STIFTUNG: Das ist nachvollziehbar. Vielen Dank für die Erklärungen.

Das Interview führte Tobias M. Karow.

 

G2b Markus_Diebel_2916_LRMarkus Diebel ist Manager des DWS Stiftungsfonds. Der Diplom-Volkswirt trat 2012 mit 14 Jahren Erfahrung in die Kapitalanlagegesellschaft DWS ein. Davor war er Portfoliomanager bei Deutsche Postbank Financial Services und Investment Analyst bei Alte Leipziger Lebensversicherung.

 

 

 

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