07.04.2015 | Von Die Stiftung

„Für uns ist die Steuerung der Quoten in den einzelnen Vermögensklassen der primäre und zugleich anspruchsvollste Werttreiber“

DIE STIFTUNG: Wie fühlt es sich an als Unternehmer, oder besser, unternehmerischer Fondsmanager?
Ingmar Przewlocka: Sehr befreiend! In einer Konzernstruktur gibt es natürlich viele gewachsene Prozesse, die historisch sicherlich aus einer bestimmten Berechtigung heraus aufgesetzt wurden. Je größer der Konzern, desto mehr Prozesse. Viele dieser Arbeitsabläufe sind oftmals aber nicht mehr zeitgemäß oder gar überflüssig. Sie wirken für unseren aktiven Managementansatz sehr einschränkend – dies ist nun weggefallen. Die unternehmerische Seite bedeutet jedoch auch, dass wir uns vordergründig über die von uns erbrachte Performance beweisen müssen.

DIE STIFTUNG: Bitte erklären Sie uns den Ansatz des Fonds und dessen Alleinstellungsmerkmale.
Przewlocka: Der SKALIS Evolution Defensive ist ein konservativer Mischfonds, der aktive und dynamische Assetklassensteuerung mit dem Fokus auf Kapitalerhalt und Nachhaltigkeit verbindet. Er ist damit einer der wenigen Absolute-Return-Nachhaltigkeitsfonds.

DIE STIFTUNG: Wie stehen Sie der Entwicklung am Aktienmarkt gegenüber und wie reagieren Sie darauf?
Przewlocka: Die europäischen Aktienmärkte haben in den letzten Monaten eine sehr beeindruckende Wertentwicklung hingelegt. Die EZB treibt die Anleger über Ihre Politik des billigen Geldes und dem Aufkauf von Staatsanleihen und Pfandbriefen in risikoreiche Vermögensklassen – und im Endeffekt in Aktien. Wir denken, dass diese Entwicklung noch viel weiter gehen kann, auch wenn wir sicherlich alle Anzeichen einer Blasenbildung v.a. im Rentensegment sehen. Diesem Preistrend sollte man sich auch nicht entgegenstellen. Allerdings: wenn Aktien als alternativlos bezeichnet werden, sollte man dies nicht mit risikolos gleichsetzen. Durch unseren aktiven und sehr flexiblen Investmentansatz sehen wir uns für Marktkorrekturen jederzeit sehr gut positioniert.

DIE STIFTUNG: Was sind die Schwerpunkte der aktuellen Allokation?
Przewlocka: Wir sind ein Allokationshaus. Das bedeutet, für uns ist die Steuerung der Quoten in den einzelnen Vermögensklassen, wie Aktien und Renten, der primäre und zugleich anspruchsvollste Werttreiber – und nicht die Einzeltitelauswahl. Somit liegt der Fokus unserer Aktienallokation auf europäischen und deutschen Blue Chip-Werten. Neben europäischen Aktien sind wir auch stark in europäischen Staatsanleihen und inflationsindexierten Anleihen investiert. Darüber hinaus haben wir dem Fonds Unternehmensanleihen und ausgewählte Schwellenländeranleihen beigemischt.

DIE STIFTUNG: Woraus werden künftig die Ausschüttungen vor allem resultieren und auf was werden sich Stiftungen einstellen können?
Przewlocka: Der Anteil von Dividenden und Kupons am Ausschüttungsbeitrag wird aufgrund der Zentralbankpolitik weiter zurückgehen. Um Stiftungen eine weiterhin attraktive Ausschüttung bieten zu können, muss dementsprechend der Anteil an ausschüttbaren außerordentlichen Erträgen gesteigert werden. Durch unseren aktiven Investmentansatz der auf einer intensiven Bewirtschaftung aller im Fonds befindlichen Vermögensklassen basiert, denken wir, dass unsere Ausschüttungshöhe sich im Bereich von 2,5%-3,5% bewegen wird.

DIE STIFTUNG: Was ist denn Ihre Meinung zur Divergenz der Entwicklungen zwischen USA, Europa und Japan – früher oder später wird die Geldmengenorgie vermutlich Folgen zeitigen, die unabsehbar sind. Oder wie sehen Sie das?
Przewlocka: Die USA sind im wirtschaftlichen Zyklus deutlich weiter als Europa oder Japan. Dementsprechend rechnen wir aufgrund von anstehenden Leitzinsanhebungen in den USA mit einer weiteren Ausweitung der Zinsunterschiede in diesen Wirtschaftsräumen. Und genau diese Entwicklungen muss man als aktiver Mischfondsmanager ausnutzen, um einen Mehrertrag zu erwirtschaften. Viele Investoren sind der Meinung, dass sich mit Rentenwerten kaum mehr Geld verdienen lässt – das sehen wir anders. Die spannende Frage wird sein, wie die großen Notenbanken es fertigbringen wollen, den internationalen Kapitalmärkten die Überschussliquidität wieder zu entziehen, ohne dass sie große Verwerfungen in denselben verursachen.

DIE STIFTUNG: Achten Sie auf eine homogene Anlegerschaft im Fonds?
Przewlocka: Der Fonds eignet sich besonders für risikoaverse Investoren, die jedoch nicht ganz auf die Beimischung von Aktien verzichten möchten, wie z.B. Stiftungen, Pensionskassen, Sozialverbände und kirchliche Einrichtungen. Natürlich präferieren wir eine breit gestreute Anlegerschaft – beeinflussen können wir dies jedoch nicht.

DIE STIFTUNG: Wir finden es einerseits gut, dass es mehr Investment-Produkte speziell für Stiftungen gibt, andererseits sehen wir die aktuelle Welle an Stiftungsfonds mit Sorgen. Was würden Sie sagen, um unsere Sorgen zu mindern?
Przewlocka: In der Tat drängen immer mehr Produktanbieter mit speziellen Stiftungsfonds in den Markt, weil der Anlagenotstand von konservativen Anlegern, wie eben Stiftungen, Marktanteile verspricht. Die Bezeichnung Stiftungsfonds ist überdies nicht geschützt. Viele derartige Fonds sind verkappte Rentenfonds, in welchen die Allokationssteuerung nicht in dem für Stiftungen notwenigen Maße aktiv gesteuert wird. Somit sind die für Finanzanlagen verantwortlichen Personen bei den jeweiligen Stiftungen angehalten, sich über diese Produkte sehr genau zu informieren. Wir denken, dass viele Fonds ihre Daseinsberechtigung erst noch beweisen müssen – und dies gerade in negativen Marktphasen. Wir haben die Leistungsfähigkeit unseres Ansatzes und die erfolgreiche Zusammenarbeit im Team bereits bei einem der größten deutschen Asset Manager über viele Jahre bewiesen und scheuen den Vergleich nicht.

DIE STIFTUNG: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Przewlocka.

 

przewlockaIngmar Przewlocka ist bei SKALIS FUNDS als Vorstand und CIO hauptverantwortlich für die Steuerung der Portfolien. Er verfügt über 14 Jahre Erfahrung im Kapitalmarktgeschäft mit Schwerpunkt Allokationssteuerung. Er war unter anderem als Senior Portfoliomanager über viele Jahre für das überaus erfolgreiche Management des MEAG EuroErtrag verantwortlich und erhielt aufgrund der ausgezeichneten Performance eine Vielzahl von Auszeichnungen.

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