09.07.2015 | Von Die Stiftung

„Hektik ist ein schlechter Ratgeber“

DIE STIFTUNG: Wie reagieren Sie auf die Turbulenzen rund um Griechenland?
Dr. Jan Bernhard: Angesichts der langwierigen Verhandlungen zwischen Griechenland und den Institutionen und in Anbetracht des gegenwärtigen Schwebezustands erwarten wir weiterhin stärkere Schwankungen an den Kapitalmärkten. Wir gehen davon aus, dass risikoreichere Anlageformen eher gemieden werden. Daher haben wir bereits Ende Juni eine defensivere Ausrichtung des Allianz Stiftungsfonds Nachhaltigkeit angestrebt und das Engagement in Aktien- und Rentenmärkten reduziert.

DIE STIFTUNG: War Hektik angesagt oder eher eine Anlagepolitik der ruhigen Hand?
Bernhard: Hektik ist immer ein schlechter Ratgeber. Ein aktives Risikomanagement ist Bestandteil unseres Investmentansatzes, das heißt wir positionieren unsere Portfolios immer so, dass wir auch bei stärkeren Marktbewegungen nicht zum sofortigen Handeln gezwungen werden. Das ermöglicht uns, entstehende Opportunitäten zu nutzen.

DIE STIFTUNG: Sind Ereignisse wie diese Katalysatoren für höhere Aktienquoten in Ihrem Fonds?
Bernhard: Sie können es sein. Im Rahmen der antizyklischen Komponenten unseres Investitionsansatzes würden wir die Aktienquoten erhöhen, wenn uns Extremereignisse im Rahmen unserer mittelfristigen Trendanalyse Übertreibungen des bereits bestehenden negativen Trends an den Aktienmärkten anzeigen. Gleiches gilt für den Fall, dass wir im Rahmen unserer Fundamentaldaten-Analyse die Attraktivität der Aktienmärkte wieder höher einschätzen, etwa aufgrund einer günstigeren Bewertung oder positiver Konjunkturaussichten.

DIE STIFTUNG: Inwiefern tangiert Griechenland eventuell das Ausschüttungsniveau? Auf was müssen sich Stiftungen hier einstellen?
Bernhard: Sollte ein Anhalten beziehungsweise eine weitere Verschärfung der Griechenland-Krise zu nachhaltigen Verwerfungen an den Aktienmärkten führen und damit anhaltend niedrige Aktienquoten nach sich ziehen, wäre mit geringeren Dividendenerträgen zu rechnen. Beim aktuellen niedrigen Renditeniveau an den Anleihemärkten müssten wir dann in der Tat von einer niedrigeren Ausschüttungsquote auf Fondsebene ausgehen.

DIE STIFTUNG: Ist die stärkere Betonung der Nachhaltigkeit im Kontext dessen auch Teil eines verbesserten oder anders akzentuierten Risikomanagements?
Bernhard: Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien wirkt sich insbesondere auf die Auswahl der Anlageklassen und die Aktien- beziehungsweise Rententitelselektion aus. Dadurch streben wir an, finanzielle Risiken, aber auch Reputationsrisiken zu reduzieren. Letztere können durch Risiken im Umwelt-, Sozial- und Governancebereich ausgelöst werden. Somit wird der herkömmliche Risiko-Management-Ansatz, bei dem Marktrisiken im Fokus der Analyse stehen, um eine zusätzliche Dimension ergänzt.

DIE STIFTUNG: Was raten Sie Stiftungen, um ihre Fondsinvestments vor erratischen Bewegungen besser zu schützen?
Bernhard: Wir empfehlen Stiftungen einen dynamischen Multi-Asset-Ansatz mit integriertem Risikomanagement. Unser Stiftungsfonds Nachhaltigkeit wird beispielsweise nach einem solchen Ansatz gemanagt. Hierbei verwenden wir konservative Annahmen zur Risikoabschätzung, die aus der Extremwerttheorie abgeleitet wurden.

DIE STIFTUNG: Vielleicht steht diesem Risikomanagement schon bald eine Bewährungsprobe bevor. Herr Dr. Bernhard, vielen Dank für dieses Gespräch.

 

Das Interview führte Tobias M. Karow. Es konnten hierfür die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse bis einschließlich 3. Juli berücksichtigt werden.

 

G2b Jan BernhardDr. Jan Bernhard ist Portfoliomanager im Multi Asset – Active Allocation Strategies Team von Allianz Global Investors. Hierbei ist er für verschiedene institutionelle Multi-Asset-Mandate und Publikumsfonds verantwortlich, darunter auch der Allianz Stiftungsfonds Nachhaltigkeit. Zudem analysiert und entwickelt Bernhard anlageklassenübergreifende Investmentstrategien und verantwortet die Entwicklung nachhaltiger Multi-Asset-Strategien.

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