16.04.2018 | Von Die Stiftung

Anneliese-Bilger-Stiftung: Rücklagen statt Projekteförderung

Geld aus Aktienverkauf gilt nicht als Jahresgewinn – dies muss auch die Anneliese-Bilger-Stiftung zähneknirschend zur Kenntnis nehmen. Die Stiftung aus dem Landkreis Konstanz sieht sich dadurch in ihrer Stiftungsarbeit behindert, da das Geld in Rücklagen statten in Projekte fließt.

Anneliese-Bilger-Stiftung
Für die Anneliese-Bilger-Stiftung ärgerlich: Den Gewinn aus Aktienverkäufen darf die Organisation nicht in ihre Projekte investieren. Foto: I-vista / pixelio.de

Die Anneliese-Bilger-Stiftung zeigt sich unzufrieden mit der Tatsache, dass Aktiengewinne nicht mehr als Jahresgewinne realisiert werden können. Die Stiftung aus Gottmadingen (Landkreis Konstanz) hat den  Großteil ihres Vermögens in der Höhe von 4 Millionen Euro in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Im Rahmen der mit der vermögensverwaltenden Bank vereinbarten Wertsicherungsstrategie dürfen dem Portfolio nach bestimmten Kriterien bis zu 30 % an Aktien beigemischt werden. Aus letzteren erzielte sie einen Gewinn von fast 40.000 Euro. Doch dieses Geld darf sie nicht ausgeben, die Aktiengewinne fließen in eine sogenannte Umschichtungsrücklage, erklärt der Südkurier.

Keine großen Sprünge

Die Anneliese-Bilger-Stiftung wird in Form einer rechtlich selbstständigen, örtlichen Stiftung des bürgerlichen Rechts geführt. Stiftungsrat ist der Gemeinderat. „Der Betrag unterstützt unsere Liquidität, mehr nicht“, erläuterte laut dem Südkurier Gottmadingens Gemeindekämmerer Andreas Ley in einer öffentlichen Sitzung. Bürgermeister und Stiftungsratsvorsitzender Michael Klinger bewertete diesen Zustand als unbefriedigend: „Den Gewinn des Aktienverkaufs stellen wir in irgendeine Rücklage, weil uns das Finanzamt dazu zwingt. Jeder Private streicht den Gewinn ein.“ Für den Gemeinderat stelle sich nun die Frage, so der Südkurier, ob sich der Kauf von Aktien überhaupt noch lohne. Denn auch wenn das Stiftungskapital hoch ist – es ist dauerhaft zu erhalten und „die Stiftung mache keine großen Sprünge“, so der Stiftungsratsvorsitzende.

Die Brauerei-Erbin Anneliese Bilger überlies nach ihrem Tod 1994 ihr Vermögen der Gemeinde Gottmadingen, die daraufhin eine Stiftung gründete. Die Stiftungszwecke umfassen kulturelle, soziale sowie landschaftspflegerische Belange. In der Stiftungssatzung ist verbindlich festgelegt, dass ein jährlicher Inflationsausgleich des Stiftungskapitals durchzuführen ist. Hierzu wird das Stiftungskapital jährlich um die tatsächliche Inflationsrate erhöht. Erstmals in der Stiftungsgeschichte ist für 2018 zur Finanzierung des Vermögensplans eine Kreditaufnahme von 1,32 Millionen Euro geplant.

 

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