10.01.2018 | Von Die Stiftung

Aufgelöste Stiftung will für Air-Berlin-Tochter Niki zahlen

Eine Stiftung wollte für die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki eine Rechnung begleichen. Damit sollte eine Verlegung des Insolvenzverfahrens nach Österreich verhindert werden. Doch die Stiftung ist nicht nur eng mit der Fluggesellschaft verbandelt – sie existiert gar nicht mehr.

Niki
Die Organisation Fairplane verhilft Fluggästen zu ihren Rechten. Im Zusammenhang mit der Insolvenz der Air-Berlin-Tochter Niki ist sie auf eine ominöse Stiftung gestoßen. Foto: Ken Fielding/https://www.flickr.com/photos/kenfielding

Das Insolvenzverfahren der Air-Berlin-Tochter Niki wurde von Berlin nach Niederösterreich verlegt. „Treibende Kraft hinter der Verlegung des Verfahrens nach Korneuburg ist der Prozessfinanzierer Fairplane, der einige Kundenforderungen gegen Niki besser in Österreich geltend machen kann“, so die Tageszeitung „Der Standard“. Fairplane ist ein österreichischer Fluggast-Dienstleister, gegen Erfolgsbeteiligung treibt er Forderungen von Fluggästen an Airlines ein. Zwar geht es Fairplane vorerst nur um 1.800 Euro – diese Summe machten seine Kunden für Verspätungen und beschädigtes Gepäck geltend –, doch sollen weitere Ansprüche folgen, laut Fairplane in der Höhe von rund 1,2 Millionen Euro.

Geschäftsführer von Niki im Vorstand

Da Niki befürchtete, eine Verlegung des Insolvenzverfahrens könnte den geplanten Verkauf an die IAG, die Mutter von British Airways und Vueling, gefährden, versuchte das Unternehmen die Forderung von Fairplane zu begleichen. Wegen bereits eröffneter Insolvenz ging das aber nicht – und hier kommt die „Privatstiftung zur Förderung des europäischen Luftverkehrs – ELS“ ins Spiel. Diese beglich die Forderung von Fairplane letzten Donnerstag. Das Fachportal Austrian Aviation Net schreibt, dass „Niki selbst im Insolvenzverfahren so genannte Masseforderungen überhaupt nicht ohne Zustimmung von Insolvenzverwalter, Gläubigerausschuss und Amtsgericht Charlottenburg bezahlen kann, jedoch darf eine dritte Person ganz legal Forderungen befriedigen.“

So weit so gut. Doch ein Sprecher des Insolvenzverwalters meinte im Gespräch mit Austrian Aviation Net, dass der Masseverwalter „in keinerlei Verbindung zu einer solchen Stiftung stehen würde“, ja diese ihm nicht bekannt sei. Dies obwohl sich der Stiftungsvorstand aus (ehemaligen) Geschäftsführern, Finanzchefs und Verwaltungsräten von Air Berlin und Niki zusammensetze. „Insbesondere die Tatsache, dass Niki-Geschäftsführer Oliver Lackmann im Vorstand der ,Privatstiftung zur Förderung des europäischen Luftverkehrs – ELS‘ aktiv ist, dürfte wohl unmissverständlich belegen, dass der Versuch unternommen wurde Fairplane aus dem in Deutschland gegen Niki geführten Insolvenzverfahren legal herauszukaufen“, so Austrian Aviation Net.

Stiftung schon 2016 aufgelöst

Doch: Die Stiftung gibt es gar nicht mehr, sie wurde im Dezember 2016 aufgelöst. Deshalb habe Fairplane die Zahlung der Stiftung nicht angenommen und zurücküberwiesen – woraufhin die Stiftung es noch mehrmals versucht und das Geld stets retourniert bekommen habe. Dies erklärte Fairplane-Chef Andreas Sernetz gegenüber Austrian Aviation Net. Geld unbekannter Herkunft könne nicht angenommen werden, und somit bleibt die Forderung gegen Niki aufrecht.

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