28.11.2017 | Von Tobias Anslinger

Das Zwei-Grad-Klimaziel als Produkt

2015 wurde auf der UN-Klimakonferenz das Ziel definiert, die globale Erwärmung auf unter zwei Grad zu beschränken. Es gibt auch schon Investmentprodukte, die im Einklang mit diesem Zwei-Grad-Klimaziel stehen wollen.

Zwei-Grad-Klimaziel
Die Gletscher schmelzen. Schafft es die Staatengemeinschaft, das Zwei-Grad-Klimaziel zu erreichen? Foto: M.Großmann/pixelio.de

Die UN-Klimakonferenz in Paris 2015 hat dafür gesorgt, dass der weltweite Klimaschutz auch in der öffentlichen Debatte einen zunehmend hohen Stellenwert genießt. Das 2015 in Paris definierte Zwei-Grad-Klimaziel, also die Erderwärmung bis 2050 auf unter zwei Grad zu beschränken, gerät somit auch in den Fokus von privaten und institutionellen Anlegern – und konsequenterweise auch in den der Vermögensverwalter und Investmenthäuser.

Diese nämlich lassen Klimachancen und -risiken immer häufiger in die Bewertung ausgewählter Investmentportfolios einfließen. Im besonderen Fall entstehen dann Anlagestrategien – bzw. konkrete Produkte – , die mit dem Zwei-Grad-Klimaziel der Vereinten Nationen im Einklang stehen.

Die am 17. November zu Ende gegangene UN-Klimakonferenz in Bonn hatte so mancher Anbieter genutzt, um auf diese besondere Anlagestrategie des eigenen Hauses hinzuweisen. Denn trotz der sich intensivierenden Debatte und eines Wachstums im zweistelligen Prozentbereich fristet die nachhaltige Geldanlage mit einem Anteil von 2,8 Prozent am Gesamtmarkt in Deutschland immer noch ein Nischendasein, wie der jüngste Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) zeigt.

Globalance Zukunftbeweger-Fonds

So bezeichnet sich Globalance Invest als „weltweit ersten Vermögensverwalter, der Anlagestrategien im Einklang mit dem Zwei-Grad-Klimaziel“ anbiete – und zwar mit seinem „Globalance 2 Grad-Klimaportfolio“. Die Klimaportfolios zeigen Anlegern konkret auf, welche Anlagen in ihrem Portfolio dem Klimaziel entsprechen und welche nicht. Mit dem im Juni 2017 lancierten „Globalance Zukunftbeweger-Fonds“, der in Zusammenarbeit mit der Privatbank Donner & Reuschel aufgelegt wurde, hätten die Anleger außerdem Zugang zu einem Aktienfonds, der mit dem globalen Klimaziel von zwei Grad kompatibel ist, wie es seitens Globalance Invest heißt.

Die in den Klimaportfolios vertretenen Unternehmen stießen im Durchschnitt 40 Prozent weniger CO2 aus als diejenigen, die der MSCI World-Aktienindex abbildet. Damit seien die Treibhausgas-Emissionen dieser Anlagestrategien gering genug, um die klimapolitische Vorgabe eines Zwei-Grad-Klimaziels zu erfüllen. Die Einhaltung der Grenzen ließ sich Globalance von den Analysehäusern 2-Degrees-Investing Initiative (London) und Carbon Delta (Zürich) bestätigen.

Globaler Aktienfonds von Salm-Salm

Vorreiter bei einem eigenen Zwei-Grad-Klimaziel-Produkt will aber auch die Investmentboutique Salm-Salm sein, deren Anlagepolitik „als erste in Deutschland“ seit November 2016 explizit auf die Einhaltung des Zwei-Grad-Klimaziels zielt – und zwar mit dem Aktienfonds Salm-Salm Climate Leaders Equity.

Der Salm-Salm-Fonds verspricht CO2-Einsparungen von bis zu 97 Prozent gegenüber einem vergleichbaren passiv verwalteten Indexfonds. Die Klimastrategie setze ausschließlich auf Unternehmen mit positivem Klimabeitrag und sei ebenso auf die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens ausgerichtet. Mehr als 100 Klimafaktoren fließen nach Angaben des Investmenthauses in die Unternehmensanalyse ein.

Welcher Anbieter unter welchen definitorischen Einschränkungen nun der erste war, der ein Zwei-Grad-Ziel-Produkt lanciert hat, dürfte für eine Stiftung als Investor von geringer Relevanz sein. Entscheidend ist vielmehr, dass die Anbieter dieser – und womöglich noch weiterer Produkte – den positiven Beitrag ihres Anlageuniversums zum Klimaschutz fest im Blick haben und regelmäßig überprüfen. „Unternehmen, die dem Zwei-Grad-Klimaziel entsprechen, bieten interessante Anlageperspektiven“, ist Reto Ringger überzeugt. Constantin zu Salm-Salm mach es noch kürzer: „Wir setzten auf Klimagewinner“, sagt er.

Studie sieht bei Unternehmen noch großen Aufholbedarf

Dass diese Aufgabe immer noch schwer genug sein dürfte, lässt sich aus einer aktuellen Studie des Feri Cognitive Finance Institute ableiten, die ebenfalls im Rahmen der UN-Klimakonferenz in Bonn präsentiert wurde. Demnach fehle es für den Übergang zu einer klimaneutralen Weltwirtschaft in vielen Branchen immer noch an den notwendigen Schlüsseltechnologien.

„Die selbstgesteckten Dekarbonisierungsziele der Unternehmen und die bislang ergriffenen Transformationsmaßnahmen klaffen zum Teil weit auseinander“, sagt Dr. Kevin Schaefers, Co-Founder des Feri Cognitive Finance Institute. Daraus resultierten signifikante Risiken für Investoren – aber auch Chancen, wie Schaefers erklärt: „Zahlreiche Unternehmen müssen neu bewertet werden – vor allem bezogen auf ihre Öl- und Gasreserven. Dadurch eröffneten sich jetzt im Rahmen einer langfristigen Anlagestrategie neue Optionen.“

Dafür, dass das Zwei-Grad-Ziel auch von der künftigen Bundesregierung energisch vorangetrieben wird, setzen sich übrigens Germanwatch, BAUM und die Stiftung 2 Grad ein.

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