21.12.2017 | Von Die Stiftung

Dieter-Schwarz-Stiftung schenkt 20 Professuren

Lidl-Gründer Dieter Schwarz schenkt über die Dieter-Schwarz-Stiftung der TU München 20 BWL-Professuren. Die Professoren werden bis zu ihrer Emeritierung stiftungsfinanziert. Diese Ausmaße sind unüblich, Kritiker befürchten Einflussnahme auf Lehre und Forschung.

Bildungscampus Dieter-Schwarz-Stiftung
Die Dieter-Schwarz-Stiftung finanziert 20 neue Professuren für die Technische Universität München – 13 davon auf dem stiftungseigenen Bildungscampus Heilbronn (Foto). Foto: Dieter-Schwarz-Stiftung gGmbH

Im Sommer entschied die Dieter-Schwarz-Stiftung, für ihren Bildungscampus in Heilbronn mit der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Technischen Universität München (TUM) zu kooperieren. Diese Woche unterzeichneten die beiden Parteien ein Eckpunktepapier – ein Meilenstein in Richtung TUM Campus Heilbronn.

Die Ausmaße der Zuwendung sind dabei bemerkenswert: Werden sonst von Unternehmen einzelne Stiftungsprofessuren für wenige Jahre finanziert, schenkt Lidl-Gründer Dieter Schwarz der TU München gleich 20 BWL-Professuren. Und zwar für die Dauer bis zur Emeritierung der auf sie berufenen Professoren. Während sieben von ihnen in München forschen und lehren sollen, sind 13 Professoren für den Bildungscampus in Heilbronn vorgesehen, den die Stiftung seit 2011 betreibt. Wie viel Geld dies die Stiftung koste, verrät sie noch nicht. Realistisch sei ein dreistelliger Millionenbetrag, schätzt die Süddeutsche Zeitung. Die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der TU München wächst damit auf einen Schlag von 34 auf 54 Professuren.

Kritiker befürchten Einflussnahme der Dieter-Schwarz-Stiftung

Mit dem Standort Heilbronn will Schwarz seine Heimatstadt zur „Wissensstadt“ machen. Die TU München kann dafür über die Ländergrenze expandieren. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte ein Sprecher der TU, dass die Universität damit auch ihre Forschung verbreitern wolle: Bislang habe man sich in BWL auf Großkonzerne konzentriert, in Heilbronn sollen technikstarke Mittelständler aus der Region in den Fokus rücken.

„Berührungsängste mit der Wirtschaft hatte die TU dabei noch nie, im Gegenteil: Sie ist stolz auf ihr Geschick, Geld von Firmen einzuwerben“, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Nicht einmal die Hälfte ihres Gesamtetats musste im vergangen Jahr der Staat bezahlen. Durch das Engagement der Dieter-Schwarz-Stiftung wird sich der Anteil von externen Geldgebern zukünftig noch erhöhen. Die TUM teilte der Süddeutschen Zeitung aber auch mit, dass sie sich selbst zur Vermeidung von Interessenskonflikten einen Verhaltenskodex verordnet hat und über heikle Punkte verhandelt werde: „Es geht um nicht weniger als um die Unabhängigkeit der Forscher von ihrem Förderer, etwa wenn letzterem die Forschung nicht gefällt.“ Aus Hochschulkreisen komme trotzdem Kritik, so die Süddeutschen Zeitung: bei dieser Größenordnung sei eine Einflussnahme des Geldgebers auf die Universität kaum auszuschließen.

Hinter Dieter-Schwarz-Stiftung stehen Lidl- und Kaufland-Stiftung

Dieter Schwarz ist Unternehmensgründer und Eigentümer der Schwarz-Gruppe (Kaufland/Lidl). Die 1999 gegründete Dieter-Schwarz-Stiftung ist eine gemeinnützige GmbH, sie finanziert sich aus Ausschüttungen der Lidl-Stiftung und der Kaufland-Stiftung. Die Dieter-Schwarz-Stiftung hat sich das Ziel gesetzt, auf den drei Säulen Bildung, Wissenschaft und Innovation zu bauen und lebenslanges Lernen zu fördern. Zu den aktuellen Schwerpunkten gehört der Bildungscampus in Heilbronn sowie das nahegelegene Science Center Experimenta, sie finanziert Stiftungsprofessuren und Lehrstühle an verschiedenen Hochschulen und Universitäten.

www.dieter-schwarz-stiftung.de
www.wi.tum.de

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