02.06.2017 | Von Die Stiftung

Kaehlbrandt: „Deutsch, Deutsch und nochmal Deutsch“

Traditionell am Tag nach der Stifterversammlung hat die Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt am Main im Rahmen einer Pressekonferenz am 1. Juni auch der Öffentlichkeit gegenüber Rechenschaft über das Jahr 2016 abgelegt. Für die eigene Arbeit und die geförderten Projekte hat die Stiftung 2016 insgesamt 6,4 Millionen Euro aufgewendet, wie der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, bekanntgab.

Die Integration von Flüchtlingen war inhaltlich eines der Top-Themen des vergangenen Jahres. Die Bildungsbedingungen für Flüchtlingskinder standen im Mittelpunkt zweier neuer Projekte. Kaehlbrandt hob besonders die Notwendigkeit des Erlernens der deutschen Sprache als die Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Integration hervor: „Zu allererst heißt das: Deutsch, Deutsch und nochmal Deutsch“, sagte Kaehlbrandt. Er betonte, dass Deutschland Fehler einer misslungenen Integration, wie es bei den Gastarbeitern und ihren Familien in den Sechzigerjahren der Fall war, nicht nochmals machen dürfe.

„Deutsch-Sommer“ und „Diesterweg-Projekt“

Gemeinsam mit dem Frankfurter Dezernat für Integration und Bildung entwickelte die Stiftung ihr schon etabliertes Projekt „Deutsch-Sommer“, das 2016 bereits zum zehnten Mal stattfand, speziell für Flüchtlingskinder weiter. Für den dreiwöchigen Kurs an der Paul-Hindemith Schule im Frankfurter Stadtteil Gallus wählten Grundschulen 32 Kinder aus, ihre Eltern konnten am morgendlichen Elterncafé teilnehmen. Im Vordergrund stand die Alphabetisierung.

Ebenfalls eine Weiterentwicklung eines bestehenden Programms ist das „Diesterweg-Projekt für Flüchtlingsfamilien“, ein einjähriges Bildungsprogramm, an dem gegenwärtig elf Familien mit 60 Personen teilnehmen. Es läuft noch bis Ende August 2017. Die Stiftung kooperiert hierfür mit der Linsenhoff Stiftung sowie der Diakonie Frankfurt. Es baut auf dem bekannten Diesterweg-Stipendium der Stiftung auf, das es seit 2008 gibt und das mittlerweile auch in neun weitere deutschen Städte transferiert wurde.

Rücklagen alleine sichern Stiftungsbetrieb 2017

Die Stiftung hat sich für die Jahre 2017 bis 2021 eine Strategie gegeben, die sich „Erfolge sichern, Potentiale nutzen“, nennt. Erfolgreiche Leitprojekte, gerade in der Integration, sollen beibehalten werden. Durch die Gewährung vor allem personenbezogener Stipendien erhält sich die Stiftung ein gewisses Maß an Flexibilität, was Anzahl, Höhe und Dauer der Förderungen anbelangt, wie sie in ihrem Jahresbericht schreibt.

Grund zur Beunruhigung gibt es allerdings keinen, denn die Finanzsituation der Stiftung ist weiterhin solide. Zwar lag die Rendite der Kapitalanlagen mit 3,8 Prozent leicht hinter der Wertentwicklung von 2015 (plus 3,9 Prozent), für Finanzvorstand Johann-Peter Krommer ist dieser Wert aber immer noch „zufriedenstellend.“ Er liege über externen Benchmarks, sei höher als der langjährige Durchschnitt und – so betonte Krommer – es hätten erstmals alle Anlageklassen gleichermaßen positiv zur Wertentwicklung beigetragen.

Nach wie vor investierte die Stiftung ihr Vermögen 2016 zu einem guten Drittel in Renten (Unternehmensanleihen, Pfandbriefe) – vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei 50 Prozent. Ein Viertel wurde in Aktien europäischer und amerikanischer Unternehmen und über Fonds auch in Schwellenländer investiert. „Das Ziel, diesen Anteil auf 30 Prozent zu erhöhen, haben wir Anfang 2017 erreicht“, ergänzt Krommer. In Immobilien waren zuletzt 18,5 Prozent des Stiftungsvermögens investiert. Auch hier lautet die Zielgröße 30 Prozent. Der Rest verteilt sich auf Liquidität und alternative Investments, vornehmlich Privat Equity. Mission Investing ist für die Stiftung Polytechnische Gesellschaft bis dato noch kein Thema.

Das Stiftungsvermögen ist inzwischen auf 426 Millionen Euro angewachsen. Ein Ergebnisvortrag von 4,4 Millionen Euro sichere, zusammen mit bereits gebildeten Rücklagen, den Stiftungsbetrieb deutlich über die nächsten zwölf Monate hinaus ab.

Potentiale, Talente und Vorbilder werden gefördert

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft ist die sechzehntgrößte Stiftung Deutschlands. 2005 wurde sie mit einem Stiftungskapital von 397 Millionen Euro gegründet. Gründer war die Polytechnische Gesellschaft, eine 200 Jahre alte Frankfurter Bürgerbewegung. Heute machen 18 Leitprojekte den Kern der Stiftung aus. Unter dem Motto „Potentiale, Talente, Vorbilder“ fördert die Stiftung die Bedingungen für Potentialentfaltung in bildungsfernen Milieus, fördert Talente, die sich bereits entfalten und fördert Vorbilder, die sich durch Haltung und Charakter auszeichnen. Bislang erreichte die Stiftung mit ihrer Arbeit nach eigenen Angaben etwa 50.000 Menschen in Frankfurt, davon 1.600 Stipendiaten in acht Stipendienprogrammen.

Vorstandsvorsitzender Roland Kaehlbrandt erhielt erst kürzlich die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt für sein Engagement rund um das gesamte Frankfurter Stiftungswesen (die-stiftung.de berichtete).

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