04.12.2017 | Von Die Stiftung

Loveparade-Stiftung begleitet Strafprozess

Über sieben Jahre nach dem Unglück auf der Duisburger Loveparade beginnt der Strafprozess gegen Mitarbeiter der Stadtverwaltung und des Veranstalters Lopavent. Die Loveparade-Stiftung kümmert sich derweil um Opfer und Angehörige.

Loveparade-Stiftung Gedenkstätte
Die Loveparade Gedenkstätte. Die Loveparade-Stiftung kümmert sich um Opfer und Angehörige des Unglücks. Foto: Stiftung Duisburg 24.7.2010/A.Winterseel

Am 8. Dezember beginnt der Strafprozess am Duisburger Landgericht gegen sechs Vertreter der Stadtverwaltung und vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent. Ihnen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Am 24. Juli 2010 kam es auf der Duisburger Loveparade am Eingangsbereich des Karl-Lehr-Tunnels zu einem massiven Gedränge unter den Besuchern, bei dem 21 Menschen starben und mehr als 600 verletzt wurden. Nach derzeitigen Erkenntnissen waren fehlgeleitete Besucherströme und Planungsfehler Ursache des Unglücks. Die Loveparade-Stiftung begleitet den Prozess eng.

Loveparade-Stiftung stellt Notfallseelsorge

„Einige können weiterhin nicht arbeiten und brauchen immer noch Therapien“, sagte Stiftungsvorstand Pfarrer Jürgen Widera am Montag gegenüber der Rheinischen Post. Fünf Jahre nach dem Unglück wurde auf Initiative von Hinterbliebenen und Überlebenden die Gründung einer Stiftung angeregt. Aufgabe der „Stiftung Duisburg 24.7.2010“, wie die korrekte Name der Loveparade-Stiftung lautet, ist es in erster Linie, die Unterstützung und Beratung von Hinterbliebenen und Betroffenen sowie die Pflege der Gedenkstätte und die Organisation der jährlichen Gedenkfeier für die Zukunft zu sichern. Die Stiftung stellt beim Prozess auch die Notfallseelsorge an allen Verhandlungstagen.

Wie das Duisburger Landgericht mitgeteilt hat, sind bereits 111 Gerichtstermine bis zum 20. Dezember 2018 festgesetzt worden. Vor anderthalb Jahren noch hatte das Landgericht die Eröffnung eines Strafprozesses abgelehnt, da es eine Verurteilung der Beschuldigten nicht für ausreichend wahrscheinlich hielt. Hiergegen hatten sowohl die Opferanwälte als auch die Duisburger Staatsanwaltschaft Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt (die-stiftung.de berichtete).

Die im April dieses Jahres verkündete Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf, ein Strafverfahren zu eröffnen, wurde von der Loveparade-Stiftung sehr positiv aufgenommen. „Wir haben nun die Hoffnung darauf, dass durch die juristische Aufarbeitung die Ursachen aufgeklärt werden“, sagte Jürgen Widera im April.

Beweisfindung könnte problematisch werden

Wie wahrscheinlich eine Verurteilung sei, fragt die Rheinische Post. Das OLG Düsseldorf halte eine Verurteilung „für hinreichend wahrscheinlich“. Aus diesem Grund sei der Prozess überhaupt zugelassen worden. Doch die Anwälte eines der Tatverdächtigen im Loveparade-Prozess glauben nicht an eine Verurteilung, so die Rheinische Post: Das Gutachten möge allenfalls für einen Verdacht reichen, für eine Verurteilung aber sicher nicht. Eine Beweisfindung werde hoch problematisch, weil es auf dem Gebiet der Veranstaltungsplanung keine gesicherten Erkenntnisse gebe. Kommt es bis zum 27. Juli 2020 zu keinem Urteil, verjähren die Taten.

www.stiftung-duisburg-24-7-2010.de

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