07.12.2017 | Von Die Stiftung

Nur 840 Euro für den Stiftungszweck

In Zeiten von niedrigen Zinsen haben es kleine Stiftungen besonders schwer. Welche Ausmaße dies annehmen kann, zeigt sich am Beispiel der Bürgerspitalstiftung der fränkischen Kleinstadt Volkach. Diese verfügt pro Jahr nur noch über 840 Euro zur Unterstützung eines Altenheims.

840 Euro
Die Bürgerstiftung kann nicht mehr als 840 Euro für Projekte einsetzen. Foto: Caritas

Die unterfränkische Stadt Volkach liegt idyllisch am Main. Sie wirbt auf ihrem Tourismusportal mit Weinerlebnistouren und einer historischen Altstadt. Inmitten der Weinberge am Ufer des Mains zeigt sich jedoch die Problematik, der insbesondere kleine Stiftungen ausgesetzt sind. Die Bürgerspitalstiftung, die zur Unterstützung des örtlichen Altenheims gegründet wurde, verfügt über einen Haushalt von nur 840 Euro. Das sind die mageren Zinsen eines Stiftungsvermögens, das sich laut dem Kämmerer Werner Hübner auf 214.000 Euro beläuft. Der Bürgermeister erklärte gegenüber dem Online-Portail infranken.de: „Es sind tatsächlich nur diese 840 Euro, und das sind die Zinsen des Vermögens der Stiftung.“

Dass die niedrigen Zinsen ein Problem darstellen, spiegelt sich auch im Meinungsbild der Stiftungsmanager wieder. Laut einer Studie des Verbands Deutscher Stiftungen vom Mai 2017, lagen in den Jahren 2015 und 2016 mehr als 80 Prozent der befragten Stiftungen mit der Rendite ihrer Vermögensanlage über der jeweiligen Jahresinflationsrate. 2017 glauben jedoch nur noch zwei Drittel der Befragten, dass sie die prognostizierte Jahresinflationsrate von 1,5 Prozent übersteigen werden.

Doch wie ist die Vermögenslage der Bürgerstiftungen? Der Verband deutscher Stiftungen hat in einer Studie vom September diesen Jahres festgestellt, dass drei Viertel der Bürgerstiftungen ein Stiftungsvermögen unter einer Million Euro haben. Seit 2015 glauben immer weniger Stiftungen, dass ihre Rendite die prognostizierte Jahresinflation übersteigen wird. 2015 waren es nur zwölf Prozent, während der Wert 2017 auf über ein Drittel angestiegen ist.

Lösungsvorschläge gegen niedrige Zinsen

Trotz der niedrigen Zinsen ist das Tagesgeldkonto die beliebteste Anlageform. Über 90 Prozent der Bürgerstiftungen nutzen diese Möglichkeit. So auch die Spitalstiftung Volkach, erklärte Werner Hübner gegenüber DIE STIFTUNG. Fast jede vierte Stiftung legt ihr Geld in Immobilien an. Bürgerstiftungen vertrauen ebenfalls weniger auf externe Berater. Rund 44 Prozent der Bürgerstiftungen lassen sich zu Finanzfragen extern beraten. Es lohne sich keine externe Beraterfirma, da hierdurch zu hohe Kosten entstehen würden, sagte Hübner auf Anfrage.

Für die Bewohner des Altenheims in Volkach ergäben sich durch den geringen Haushalt zwar keine unmittelbaren Nachteile, da das Altenheim von der Caritas getragen wird. Aber dennoch könne der Stifterwille nur noch schlecht erfüllt werden, so Hübner. Nun überlegt die Stadt, ob die Spitalstiftung mit einer größeren Stiftung fusionieren könnte, um den Haushalt aufzustocken.

Mehr zum Thema Finanzierung auch in der Ausgabe 6-2017 von DIE STIFTUNG.

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