29.03.2017 | Von Die Stiftung

Stiftungen kämpfen mit Rendite und Inflation

Die derzeitige Niedrigzinsphase ist auch für kleinere und mittlere Stiftungen mit einem Vermögen von bis zu einer Million Euro ein Problem. Das vermeldete der Bundesverband Deutscher Stiftungen auf seiner Jahrespressekonferenz gestern in Berlin. Laut „Stiftungspanel“, einer Umfrage des Bundesverbandes, lag bei einem knappen Drittel der Stiftungen die Rendite im vergangenen Jahr unterhalb der prognostizierten Inflationsrate. 2015 lag diese Quote noch bei einem Viertel.

Dabei trifft die Ertragskrise kleine Stiftungen mit einem Vermögen von unter 1 Million Euro besonders hart: Hier rechnen nur noch etwas mehr als die Hälfte der befragten Stiftungen mit Renditen über dem diesjährigen zu erwartenden Inflationsniveau. Stiftungen mit einem Vermögen von unter einer Million Euro machen rund 70 Prozent der deutschen Stiftungen aus.

Schlechte Rendite: „Kapital breiter anlegen“

„Heute hätten sie bei einer 500.000-Euro-Stiftung im Jahr vielleicht noch 5.000 Euro Rendite“, sagte Prof. Dr. Michael Göring, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes und ebenso der „Zeit“-Stiftung, gegenüber der DPA. „Wenn Sie davon drei Kitas unterstützen wollen, bekommt am Ende jede ein oder zwei Spielzeuge.“

Um das Renditeproblem zu entschärfen, plädierte der Bundesverband dafür, dass Stiftungen ihr Kapital breiter anlegen sollten als bisher. Manche Stiftungen etwa hätten mit Aktienanteilen eine Kapitalerhöhung von bis zu 20 Prozent in den vergangenen vier Jahren erzielt, sagte der Generalsekretär des Bundesverbands, Felix Oldenburg. Er empfahl Stiftungen die Investition in Immobilien, Sachgüter oder auch Unternehmen.

Auch für kleinere Stiftungen gebe es viele Möglichkeiten, sagte Michael Göring. Sie könnten sich etwa an der Modernisierung alter Krankenhaus- oder Altenpflege-Stifte beteiligen. Kleinere Stiftungen könnten sich zusammentun, um etwa einen Modernisierungsfonds aufzulegen. Auf diese Weise würden sie an den Mieteinnahmen beteiligt. „Dann haben Sie einen sicheren Ertrag und zugleich Ihren Stiftungszweck erfüllt“, ergänzte Göring. Solche Möglichkeiten würden von kleinen und mittelgroßen Stiftungen bislang noch nicht ausreichend genutzt.

Mehr Stiftungen als jemals zuvor

Trotz der sinkenden Erträge und Renditen hat die Gesamtzahl der Stiftungen in Deutschland im vergangenen Jahr einen Rekord erreicht. 21.806 Stiftungen gab es im Jahr 2016 und damit 2,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie der Bundesverband resümierte. 582 Einrichtungen haben sich im vergangenen Jahr neu gegründet, in etwa so viele wie im Jahr davor. Besonders dynamisch sei das Wachstum in Brandenburg, Sachsen und Thüringen gewesen. Das Vermögen deutscher Stiftungen insgesamt beläuft sich nach Schätzungen des Bundesverbandes auf rund 100 Milliarden Euro.

www.stiftungen.org

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