08.02.2017 | Von Die Stiftung

„Unter dem Sand“ für Oscars nominiert

Im April 2016 kam der Film „Unter dem Sand“ des dänischen Regisseurs Martin Zandvliet in die deutschen Kinos. Jetzt wurde er in Hollywood für die Oscar-Verleihung am 27. Februar in Los Angeles nominiert. „Unter dem Sand“ will dabei mehr sein als nur ein Film: Er will aufklären über ein dunkles Kapitel in der europäischen Nachkriegsgeschichte und über die Unmenschlichkeit noch heute eingesetzter Landminen.

Der „Atlantikwall“ ist vielen ein Begriff. Um die Invasion der Alliierten im Zweiten Weltkrieg zu verhindern, durchzog Nazi-Deutschland seine Nordseeküste bis nach Dänemark mit einem Netz aus Bunkern, Abwehranlagen und Landminen. Vor allem in Dänemark waren ganze Strände mit schätzungsweise mehr als 2 Millionen Landminen nur noch unter Lebensgefahr zu betreten.

Weniger bekannt ist, was mit diesem Todesstreifen nach 1945 geschah. Von Mai bis Oktober 1945 setzte Dänemark unter anderem jugendliche deutsche Kriegsgefangene zur Räumung der Minen ein. Über 1,4 Millionen Minen wurden ohne angemessene technische Ausrüstung entfernt – und mindestens 1.000 Personen verloren dabei ihr Leben. Hiervon handelt „Unter dem Sand“, der nun in Hollywood für den Oscar als „Bester ausländischer Film“ nominiert wurde.

Der Kampf gegen Landminen hat eine lange Geschichte, aber erst 1992 wurde die Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen (ICBL) ins Leben gerufen. Gründungsmitglieder waren Human Rights Watch, Medico International, Handicap International, Physicians for Human Rights, die Vietnam Veterans of America Stiftung und die Mines Advisory Group. Seitdem engagieren sich weltweit Menschen gegen den Einsatz und für die Räumung von Landminen. Die ICBL und ihre Gründungsmitglieder erhielten 1997 dafür den Friedensnobelpreis.

Dennoch sind Landminen noch immer weltweit ein drängendes Problem. In zahlreichen Staaten liegen noch heute Schätzungen zufolge über 70 Millionen Landminen in der Erde. Mit dem anhaltenden Krieg in Syrien steigen die Opferzahlen von Landminen und Streubomben wieder an.

„Unter dem Sand“ ruft damit ein Thema in Erinnerung, das die Menschheit noch lange Zeit verfolgen wird. Die Nominierung für die Oscars zeigt, mit welcher Sorgfalt der Film inhaltlich – auch durch die Zusammenarbeit mit Partnern wie Handicap International – vorbereitet wurde und unterstreicht die weltweite Aktualität der Bedrohung durch Landminen noch einmal eindrucksvoll.

Artikel teilen