08.01.2018 | Von Die Stiftung

Wohl doch keine AfD-nahe Stresemann-Stiftung

Die Bundestagsfraktionschefin der AfD, Alice Weidel, hat gegenüber der Zeitung „Die Welt“ erklärt, dass rechtliche Zweifel gegenüber der Gründung einer parteinahen, nach Gustav Stresemann benannten Stiftung bestehen würden.

Stresemann
Alice Weidel (AfD) bezweifelt, dass der Name Stresemanns für eine parteinahe Stiftung verwendet werden kann. Foto: Superbass / CC-BY-SA-4.0

Nachdem die AfD vor Weihnachten für Schlagzeilen gesorgt hat, rudert sie nun zurück. Der Plan war es, eine parteinahe Stiftung, benannt nach dem ehemaligen Reichskanzler Gustav Stresemann, zu gründen. Nun äußerte sich Weidel zurückhaltend gegenüber der Zeitung „Die Welt“. „Die Voraussetzung ist, dass im Vorfeld alle namensrechtlichen Bedenken ausgeräumt werden“, so Weidel.

Hohe Hürden für Stresemann-Stiftung

Doch die rechtlichen Hürden sind hoch. Das liegt vor allem an einem Verein, der bereits diesen Namen trägt: Der „Gustav-Stresemann-Stiftung e.V.“ wurde 2011 in Jena gegründet. Laut dem Wochenmagazin „Die Zeit“ wird dieser Verein teilweise durch eine neurechte Organisation aus den USA finanziert. Hier müsste ein Zusammenschluss statt finden, um den Namen tragen zu können.

Des Weiteren haben die Enkel von Stresemann bereits juristische Schritte angekündigt und der Direktor des seit 1951 bestehenden „Gustav-Stresemann-Instituts“ sagte, dass man sich „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen wehren“ wolle.

Für den Zweck einer parteinahen Stiftung, wurde 2013 zuerst der „Desiderius-Erasmus-Stiftungsverein“ gegründet. Doch dieser Name sollte nicht bleiben. Daraufhin wurde 2015 nach einem anderen Namen gesucht.

Vom Befürworter des U-Boot-Kriegs zum Versöhner

In seinen jungen Jahren war Stresemann ein großer Anhänger von Wilhelm II und seiner aggressiven Außenpolitik, welche Europa mit in den Krieg gestürzt hat. Annektionen und der uneingeschränkte U-Boot-Krieg waren erklärte Ziele Stresemanns.

Später wandelte er sich jedoch hin zum Staatsmann und Demokraten, der sich in der Weimarer Republik entschieden gegen nationalistische und völkische Ideologien ausgesprochen hat. Für seine Friedenspolitik erhielt er 1926 zusammen mit dem französischen Außenminister Aristide Briand den Friedensnobelpreis.

Am 19. Januar entscheidet der AfD-Vorstand über die Namensgebung.

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