13.12.2017 | Von Tobias Anslinger

Zeppelin-Stiftung denkt anders als ZF

Bei ZF in Friedrichshafen herrscht nach dem Abgang von Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzendem Unruhe. Beide dürften die Ziele des Mehrheitseigentümers Zeppelin-Stiftung falsch eingeschätzt haben.

ZF Zeppelin-Stiftung
ZF (im Bild das Forschungszentrum) geht durch turbulente Zeiten. Dass das Unternehmen im Eigentum der Zeppelin-Stiftung steht, macht die Situation nicht unbedingt einfacher. Foto: ZF

Für ein Interview ist Andreas Brand, Oberbürgermeister von Friedrichshafen, derzeit nicht zu haben. „Wir wollen ZF erst einmal wieder zur Ruhe kommen lassen“, lässt er durch die Pressesprecherin der Stadt, Monika Blank, ausrichten. Brand ist nicht nur oberster Kommunalpolitiker des beschaulichen Städtchens am Bodensee, sondern als Stiftungsratsvorsitzender auch oberster treuhänderischer Verwalter der Zeppelin-Stiftung. Und diese hält knapp 94 Prozent der Anteile am Automobilzulieferer ZF.

Dass Stiftungen Anteile an Unternehmen halten, ist nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist jedoch, in welchem inneren Zielkonflikt sich Management und Eigentümer in den vergangenen Wochen befanden.

Zeppelin-Stiftung braucht mehr Geld

Mitte Oktober ließ Brand verlautbaren, dass er ab 2018 von ZF 18 Prozent des Gewinnes als Dividende für die Zeppelin-Stiftung erwarte. So soll die gemeinnützige Zeppelin-Stiftung dauerhaft finanziell abgesichert werden. Laut Brand benötige die Zeppelin-Stiftung rund 85 Millionen Euro, um alle laufenden Projekte bezahlen zu können (die-stiftung.de berichtete).

Weil eine gemeinnützige Stiftung aber nicht einfach so Vermögen aufbauen darf, ohne es zeitnah für ihren Stiftungszweck auszugeben, hat die Stadt Ende 2016 eine gemeinnützige GmbH gegründet – die „Ferdinand gGmbH“ – in der das Kapital angesammelt werden soll. Geht es nach Brand, sollen es in sieben bis zehn Jahren rund eine Milliarde Euro sein.

Diese Forderung von Brand hatte offenbar eine Kettenreaktion bei ZF ausgelöst: Ende November verkündete Aufsichtsratschef Giorgio Behr seinen Rücktritt (sein Vertrag wäre im Frühjahr 2018 ausgelaufen), am 8. Dezember legte schließlich auch der Vorstandsvorsitzende Stefan Sommer sein Amt nieder. Er kam damit wohl einer Abberufung durch den Aufsichtsrat zuvor.

Zeppelin-Stiftung ist kein gewöhnlicher Aktionär

Die Rücktritte von Chef und Chefaufseher sind der vorläufige Höhepunkt eines Machtkampfes um die zukünftige Ausrichtung des Automobilzulieferers. ZF möchte sich vor allem durch M&As zukunftsfit machen, die allerdings viel Geld verschlingen. Die Zeppelin-Stiftung möchte als Haupteigentümer vor allem regelmäßige Erträge, um ihren Stiftungszweck erfüllen zu können. Sie denkt deutlich konservativer als ein „normaler“ Aktionär, der seine Anteile einfach verkaufen kann, sollte ihm die Ausrichtung des Unternehmens nicht mehr gefallen. Das haben die Manager wohl unterschätzt oder falsch eingeschätzt.

Automobilexperte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer sieht beim Management von öffentlichem Kapital, sprich der Stiftung, das generelle Problem von ZF. Es sei zwar gut, dass Friedrichshafen eine kapitalkräftige Stiftung wie die Zeppelin-Stiftung habe, aber schlecht, dass die Stiftung ihr gesamtes Vermögen auf das Unternehmen ZF setze, so der Präsident des CAR-Center Automotive Research in einer Stellungnahme.

Stiftungsexperte widerspricht Automobilexperten

Dudenhöffers Vorschlag, dass die Zeppelin-Stiftung doch zur Lösung dieses Problems einen Teil von ZF an die Börse bringen und das Stiftungsvermögen in ein Portfolio von unterschiedlichen Unternehmen und Anlagen investieren solle, können Stiftungsexperten allerdings wenig abgewinnen: „Solange es ZF ‚gut geht‘ – und daran besteht gegenwärtig ungeachtet der personellen Turbulenzen wohl kein Zweifel – kann sich die Stiftung nicht einfach von den Anteilen trennen“, erklärt Prof. Dr. Rainer Hüttemann, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Steuerrecht an der Universität Bonn. Nach § 7 Abs. 1 der Satzung der Zeppelin-Stiftung seien die Anteile an den Stiftungsbetrieben nach Möglichkeit nämlich gegenständlich zu erhalten.

Natürlich stehe es auf einem anderen Blatt, so Hüttemann weiter, ob eine solche Vorgabe in der Stiftungssatzung – Stichwort Diversifikation der Vermögensanlage – sinnvoll sei. Doch es sei immer noch gut und richtig, wenn sich eine Stiftung an ihre Satzung halte, stellt der Stiftungsexperte fest.

Artikel teilen