13.04.2018 | Von Die Stiftung

Herr Westerheide, was sind eigentlich ETPs?

Exchange Traded Products (ETPs) ist der Sammelbegriff für börsengehandelte Finanzinstrumente, und ein Exchange Traded Fund (ETF) ist quasi das Oberhaupt dieser Familie. Eine Position im Portfolio, dahinter ein ganzer Index – das ist die Idee.

Westerheide
"Exchange Traded Products (ETPs) ist der Sammelbegriff für börsengehandelte Finanzinstrumente, und ein Exchange Traded Fund (ETF) ist quasi das Oberhaupt dieser Familie", erklärt Moritz Westerheide. Foto: Thorben Wengert / pixelio.de

DIE STIFTUNG: ETP – das klingt ähnlich wie ETF, was als Abkürzung durch die Finanzberichterstattung mittlerweile etabliert ist und einer breiten Öffentlichkeit bekannt sein dürfte. Sind ETPs womöglich gar nicht so weit weg davon?
Moritz Westerheide: Genau, Exchange Traded Products (ETPs) ist der Sammelbegriff für börsengehandelte Finanzinstrumente, und ein Exchange Traded Fund (ETF) ist quasi das Oberhaupt dieser Familie. Eine Position im Portfolio, dahinter ein ganzer Index – das ist die Idee.

Moritz Westerheide

DIE STIFTUNG: Welche Arten von ETPs gibt es?
Westerheide: Neben den weit verbreiteten ETFs, die hauptsächlich zur Anlage in Aktien oder Anleihen verwendet werden, zählen noch Exchange Traded Commodities (ETCs) für Rohstoffe und Exchange Traded Notes (ETNs) dazu. Mit ETNs lassen sich Referenzindizes außerhalb vom Rohstoffsektor handeln. Zwischen ETFs/ETCs und ETNs besteht der Unterschied, dass das Vermögen immer von der Gesellschaft getrennt ist, während bei unbesicherten ETNs der Käufer auf die Bonität des Emittenten achten muss, wie bei jeder Anleihe auch. Alternativ gibt es aber auch besicherte ETNs.

DIE STIFTUNG: Welche Stärken und Schwächen haben sie – kurz gesagt?Westerheide: Alle ETPs haben einen passiven Charakter. Das kann eine Stärke oder auch eine Schwäche sein. Die Produkte sollen die zugrundeliegenden Indizes so genau wie möglich abbilden. Der Anleger partizipiert an steigenden Kursen, ist aber bei fallenden Notierungen ebenfalls voll mit dabei. Das macht die Produkte zwar sehr verständlich und transparent, aber in fallenden Märkten ist kein Fondsmanager zur Stelle, der eingreifen kann.

DIE STIFTUNG: Wie können Stiftungen von den jeweiligen Typen profitieren?
Westerheide: Bei Stiftungen stehen neben dem Erhalt des Stiftungsvermögens regelmäßige Ausschüttungen im Vordergrund. Diese lassen sich mit herkömmlichen Anleiheninvestments im Investmentgrade-Bereich nach Inflation und Kosten nicht mehr erwirtschaften. Historische Daten zeigen, dass Aktieninvestments in ETFs dem langfristigen Charakter einer Stiftung entsprechen und aus der Zinsfalle helfen, damit dem Stiftungszweck entsprochen werden kann.

DIE STIFTUNG: Welche Kosten kommen auf Stiftungen zu, die in ETPs investieren?
Westerheide: Es ist aufgrund der Kostenstruktur sinnvoll, ETPs in Betracht zu ziehen. Allerdings sollte dahinter eine klare Strategie stehen. Wir empfehlen im Rahmen einer Vermögensverwaltung eine All-in-Fee zu vereinbaren, so dass die Auswahl des Produktes mit der höchsten Qualität bzw. besten Performance im Vordergrund steht, nicht des auf den ersten Blick günstigsten. Dennoch finden sich auch bei unseren Mandaten häufig ETPs.

DIE STIFTUNG: Wie finden Kunden das richtige Exchange Traded Product?Westerheide: Es gibt Tausende Produkte, die sich häufig auf den ersten Blick nur wenig unterscheiden – aber dennoch Unterschiede aufweisen. Ein Fachmann hilft bei der richtigen Auswahl.

DIE STIFTUNG: Sind ETPs nur ein Hype, der irgendwann auch wieder verfliegen wird? Schließlich sind Produkte, die einen Index abbilden, ja nichts anderes als Mitfahrer am Trittbrett der aktiv gemanagten Fonds.
Westerheide: Das Zinsniveau wird voraussichtlich noch lange niedrig sein und Anlagedruck ein Begleiter bleiben. Gleichzeitig kommt immer mehr Geld in den Markt und muss wieder angelegt werden. Der Trend zu qualitätsgewichteten ETPs wird sich eher noch verstärken, besonders wenn die Aktienmärkte stärkere Schwankungen zeigen sollten. Aktiv gemanagte Fonds bleiben aber nach wie vor gefragt, da umsichtiges Fondsmanagement einen wichtigen Mehrwert bieten kann. Im Rahmen einer Vermögensverwaltung lässt sich darüber hinaus eine Strategie definieren, die bestmögliche Umsetzung und Produktauswahl übernehmen hier Experten, die sich den ganzen Tag mit Wertpapieren beschäftigen.

Zur Person: Moritz Westerheide ist bei der Nord/LB im Asset- und Portfoliomanagement tätig.

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