26.11.2015 | Von Die Stiftung

Herr Wiegel, was ist Pure Play?

STIFTL: Powerplay kenne ich vom Eishockey, das Studioalbum Pure Instinct hat einst die Rockgruppe Scorpions lanciert. Was aber ist Pure Play?
Manfred Wiegel: Der Pure Play-Ansatz bedeutet, dass bei nachhaltigen Investitionen der Fokus darauf liegt, in Unternehmen zu investieren, die nur in einem bestimmten Sektor unterwegs sind, z.B. LED oder Solar. Dabei werden Mischkonzerne vermieden und das Portfolio ist reiner (purer) und einfacher in der Beurteilung von Nachhaltigkeitskriterien.

STIFTL: Was bedeutet das für die Anlage des Stiftungsvermögens?
Wiegel: Viele Stiftungen sind gemeinnützig und schon per eigener Definition und über ihren Stiftungszweck mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiv befasst. Für eine Umweltstiftung wird es selbstverständlich sein, keine Investitionen in Ölunternehmen oder Kohlekraftwerke zu tätigen. Auf Einzelaktienebene kann hier gezielt auf Pure Player wie z.B. reine Solaraktien gesetzt werden. Bei Fonds ist das schwierig, denn der sogenannte Best In Class-Ansatz kann hier möglicherweise zu kurz greifen, da die Stiftung eben nicht die nachhaltigste Ölaktie haben will, sondern überhaupt keine Ölaktien. Große Stiftungen und Universitäten sind beim Ausstieg aus Investments, dem sogenannten „Divestment“, Vorreiter.

STIFTL: Wie finde ich Pure Play-Produkte?
Wiegel: Diese sind allerdings schwer zu finden, da es keine Datenbank gibt, die hier nur nach sogenannten Pure Play-Fonds oder -Aktien sortiert. Hilfreich kann es sein, sich bestimmte Themen, in die investiert werden soll, genauer anzuschauen. Für viele Stiftungen sind daher Themenfonds, die z.B. in erneuerbare Energien oder Wasseraufbereitung investieren, interessant. Aber auch hier muss genau erfragt werden, welche Werte im Portfolio sind. Fairerweise ist zu erwähnen, dass es für sehr große Fonds schwer ist, den Pure Play-Ansatz umzusetzen, da es gar nicht so viele Aktien gibt, in die man investieren könnte. Deshalb wird meistens der Best In Class-Ansatz angewendet, bei dem auch große Mischkonzerne gekauft werden können.

STIFTL: Was sage ich meinem Stiftungsvorstand dazu?
Wiegel: Wenn eine Stiftung das Thema Nachhaltigkeit im engeren Sinne ernst nimmt, ist es sehr sinnvoll sich mit dem Pure Play-Ansatz zu beschäftigen. Der Vorteil liegt darin, dass gewährleistet wird, dass dauerhaft die eigenen Vorstellungen mit klaren Nachhaltigkeitsvorgaben umgesetzt werden können. Ein weiterer Vorteil ist die Einfachheit und gute Transparenz und somit auch Kontrollierbarkeit des Ansatzes. Die Stiftung entwickelt ihr eigenes nachhaltiges „Reinheitsgebot“. Und damit ist man in der Vergangenheit in anderen Bereichen, wie beim Bayerischen Reinheitsgebot, bekanntlich langfristig sehr gut gefahren.

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Manfred Wiegel
(Finanzökonom (ebs), CFP) ist Vorstand der green benefit AG, in Fürth. Er gilt dazu als Nachhaltigkeitsexperte und fungiert als Fondsadvisor.

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