20.03.2017 | Von Die Stiftung

„Wer jährliche Einnahmen benötigt, sollte auf Aktienfonds setzen“

DIE STIFTUNG: Herr Bruns, der Global P hat mit einem Jahresergebnis von 11,9 Prozent die Performance nach einem Fehlstart stark gesteigert. Was lief zu Beginn nicht nach Wunsch, mit welchen Maßnahmen haben Sie ins Plus gedreht?
Dr. Christoph Bruns: Zu Beginn des Jahres gab es zwei Querschläger für den Aktienmarkt. Zunächst kamen Hiobsbotschaften aus China bezüglich des dortigen Wirtschaftswachstums. Ferner markierte der Ölpreis ein Mehrjahrestief von 28 US-Dollar. Als global investierender Fonds konnte sich der Loys Global dem dadurch ausgelösten Abwärtssog nicht völlig entziehen.

DIE STIFTUNG: Es ist das fünfte Jahr in Folge mit deutlichem Gewinn, im Fünfjahresvergleich liegt der Fonds dennoch unter der Benchmark MSCI World Euro. Was spricht aus Ihrer Sicht dennoch für einen gemanagten Fonds statt z.B. eines ETF?
Bruns: Die ETFs liegen allesamt hinter ihrer Benchmark. Das muss schon aus definitorischen Gründen so sein. Der Loys Global hat seit Start Anfang 2005 beträchtlichen Mehrwert geschaffen. Die Jahre des festen Dollars waren – relativ gesehen – schwierig für den Loys Global, da alle seine Anleger Euro-Rechner sind. Umso erfreulicher ist es, dass im Jahr 2016 trotz des festen Dollars ein sehr guter Zuwachs erzielt werden konnte.

DIE STIFTUNG: Als reiner Aktienfonds sind Sie kein typischer Stiftungsfonds. Vor dem Hintergrund des Zinsänderungsrisikos bei Anlehen: Welche Ziel-Aktienquote im Gesamtportfolio einer Stiftung halten Sie für 2017 für sinnvoll?
Bruns: Es lässt sich nicht länger leugnen, dass Zinsprodukte mittlerweile obsolet für Stiftungen geworden sind. Wer jährliche Einnahmen benötigt, der sollte auf Aktienfonds setzen, die ihrerseits gute Dividendenströme erzeugen. Insofern werden die Stiftungen umdenken müssen. Alte liebgewordene Rezepte funktionieren nicht mehr. Die Zukunft gehört jenen, die sich den neuen Gegebenheiten am besten anpassen können.

DIE STIFTUNG: Ihre Anlagestrategie zielt auf unterbewertete Aktien weltweit. Was macht Sie optimistisch, dass es weiterhin hinreichende Ineffizienzen in den Märkten gibt?
Bruns: Die Ineffizienzen an den Börsen nehmen seit Jahren in der Tendenz zu. Allein die große Welle der Indexfonds in Form von ETFs sorgt dafür, dass viel Geld überwiegend unökonomisch veranlagt wird. Dadurch entstehen Vernachlässigungen in den kleineren Börsensegmenten. Davon wird der Loys Global profitieren, so wie er es auch in den letzten zwölf Jahren getan hat.

DIE STIFTUNG: Ist die Aktie Trump überkauft – oder sollten Stiftungen Ihrer Ansicht nach auf Sicht insbesondere auf die üblichen Verdächtigen aus dem Bereich Finanz und Rohstoffe setzen?
Bruns: Solange nicht hinreichend klar ist, welchen Kurs die neue US-Regierung einschlägt, halten wir Zurückhaltung für angemessen. Indes wissen wir bereits, dass es eine Steuerreform und Deregulierung geben wird. Möglicherweise sind diese beiden Aspekte bereits eingepreist. Der Loys Global findet derzeit in Europa und Asien interessantere Aktien.

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