12.12.2016 | Von Die Stiftung

„Wir sehen in diesem Jahr eine Bodenbildung bei den Zinsen“

DIE STIFTUNG: Herr Kohlbrecher, derzeit liegt der Spiekermann Stiftungsfonds auf Jahressicht mit mehr als 5% im Plus. Was waren die Ertragstreiber?
Mirko Kohlbrecher: Die wesentlichen Ertragstreiber waren Renten und Gold, sowie Dividenden und Erträge aus Optionsgeschäften. Am Rentenmarkt haben die fallenden Zinsen ohne Frage einen positiven Basisertrag für das Sondervermögen geschaffen. Allerdings haben wir zusätzlich über aktives Rentenmanagement einen Mehrertrag erzielt. Dabei haben wir nicht nur interessante Neuemissionen gezeichnet, sondern auch stetig bestehende Anleihen auf relative Attraktivität überprüft und somit den Fonds aktiv bewirtschaftet.

DIE STIFTUNG: Fallen die Kurssteigerungen bei Anleihen zukünftig weg, drohen aber Kursverluste. Sehen Sie bei den Zinsen denn noch Luft nach unten in den negativen Bereich?
Kohlbrecher: Wir sehen in diesem Jahr eine Bodenbildung bei den Zinsen. Die zum Teil negativen Zinsen haben in vielen Bereichen, wie z.B. bei Banken und Versicherungen, deutliche Spuren hinterlassen. Ein Status also, der nicht von Dauer sein wird. Wir haben im Laufe des Jahres unsere durchschnittliche Restlaufzeit der Anleihen deutlich verkürzt – auf aktuell nur noch 1,6 Jahre. Wir nehmen das Szenario steigender Zinsen beziehungsweise Inflation sehr ernst, da es an Wahrscheinlichkeit gewonnen hat.

DIE STIFTUNG: Die Aktienquote beträgt derzeit ca. 18% – wie sieht Ihre Strategie für die weitere Steuerung dieser Quote aus? Schließlich dürfen Sie ja 30% in diese Assetklasse allokieren.
Kohlbrecher: Wir haben Anfang 2016 im Fonds eine Aktienquotensteuerung implementiert. Hierbei nehmen wir nach einer monatlich angepassten Analyse eine antizyklische Anpassung vor. Aktuell liegen wir in etwa 5% unter unserer „neutralen“ Aktienquote, da wir grundsätzlich der Meinung sind, dass der Bullenmarkt bei Aktien in einer sehr reifen Phase ist.

DIE STIFTUNG: Sie haben Gold in Form eines ETC, also eines börsengehandelten Rohstoff-Wertpapiers, im Portfolio. Verfolgen Sie eine Edelmetall-Strategie oder war das ein opportunistisches Investment?
Kohlbrecher: Gold gehört für uns im Rahmen einer gut ausgewogenen Vermögenszusammenstellung als Baustein dazu. Wir versuchen, in Szenarien zu denken, und sind der Meinung, dass es künftige Entwicklungen geben kann, die den Wert des Goldes positiv bewegen würden. Letztlich besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die globalen Schulden weiter deutlich anwachsen und die Papierwährungen dadurch weiter abgewertet werden. Da für viele Stiftungen der reale Kapitalerhalt ein wesentliches Ziel darstellt, kann Gold hierbei einen sinnvollen Beitrag leisten.

DIE STIFTUNG: Sie verweisen auf eine Ausschüttungsreserve von 8 EUR pro Anteil. Können Sie Entstehen und Wesen dieser Rücklage bitte erläutern?
Kohlbrecher: Diese Rücklage ist aus Erträgen der Vergangenheit entstanden, die in den letzten Jahren nicht ausgeschüttet wurden. Eines unserer Hauptziele ist es, eine kontinuierliche Ausschüttung zu gewährleisten. Dabei beschränken wir uns nicht nur auf die Zinszahlungen aus festverzinslichen Wertpapieren, sondern tätigen zusätzlich rege Umsätze an der Derivatebörse Eurex. Die Prämien aus den Geschäften mit Optionen sind ausschüttungsfähig und erhöhen somit den Anteil der Erträge, die an die Anteilsinhaber ausgeschüttet werden können.

DIE STIFTUNG: In diesen Tagen lässt sich der Wert ausschüttungsfähiger Erträge gar nicht hoch genug einschätzen. Herr Kohlbrecher, vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen.

Das Interview führte Stefan Preuß.

 

G2b Mirko Kohlbrecher.-2016Bankfachwirt Mirko Kohlbrecher ist bei der Spiekermann & CO AG als Prokurist im Bereich Analyse/Research tätig. In dieser Funktion identifiziert und bewertet er potenzielle Investments, die beim Spiekermann Stiftungsfonds ins Portfolio mit einfließen.

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