16.02.2017 | Von Die Stiftung

„Die Menschen brauchen eine Partnerschaft auf Augenhöhe“

Im Gespräch mit Dr. Sebastian Brandis (Stiftung Menschen für Menschen) über die Stiftungsarbeit nach dem Prinzip Hilfe zur Selbstentwicklung


Dieses Interview ist Teil der Interviewserie zum Münchner Stiftungsfrühling (MSF).


DIE STIFTUNG: Was ist Ihr Stiftungszweck und wie üben Sie ihn aus?
Dr. Sebastian Brandis: Menschen für Menschen trägt seit über 30 Jahren dazu bei, dass sich die Lebenssituation der Menschen im ländlichen Äthiopien nachhaltig verbessert. Wir führen dabei die Ideen des Gründers Karlheinz Böhms weiter: Mit seinem Engagement in Äthiopien wollte er ein Zeichen setzen für die Überwindung der Ungerechtigkeit in der Welt. Die Menschen brauchen dabei eine Partnerschaft auf Augenhöhe unter dem Prinzip Hilfe zur Selbstentwicklung. Wir befähigen die Bevölkerung im ländlichen Äthiopien, ihre Lebenssituation aus eigener Kraft zu verbessern – daher ist der Verbleib von Menschen für Menschen in den Projektgebieten mit 10-15 Jahren auf nachhaltige Wirkung angelegt. Alle betroffenen Lebensbereiche sind eng miteinander verzahnt. Deshalb verbinden wir im Rahmen integrierter ländlicher Entwicklungsprojekte Maßnahmen in den Bereichen nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung, Wasser, Bildung, Gesundheit sowie gesellschaftliche Entwicklung und Einkommen. Wir stützen uns dabei auf eine hohe Anzahl Mitarbeiter aus Äthiopien, die stets die Bevölkerung und die zuständigen lokalen Behörden durch ein hohes Maß an Partizipation aktiv beteiligen.

DIE STIFTUNG: Womit wollen Sie die Besucher des MSF 2017 für Ihre Arbeit begeistern?
Brandis: Zum einen möchten wir am Beispiel unserer Stiftung erörtern, wie sichergestellt werden kann, dass anvertraute Spendengelder zielgenau eingesetzt werden und optimalen Nutzen bringen. Dies ist für Stiftungen und Hilfsorganisationen eine stetige Herausforderung. Menschen für Menschen hat dementsprechende Verantwortlichkeiten sowohl in Deutschland als auch in Äthiopien geschaffen und möchte diese Erfahrung weitergeben bzw. einen Austausch darüber ermöglichen.
Zum anderen möchten wir am Beispiel unseres neuen äthiopischen Projektgebietes Jeldu darstellen, welche Schritte erforderlich sind, um solide Analysen bis zur Wahl eines neuen Projektes (bzw. Projektgebietes) zu bewerkstelligen. Von der ersten Untersuchung des Potenzials einer Region bis zum Beginn der Arbeit mit den Menschen in einer Teilregion möchten wir zeigen, wie ein neues Projektgebiet zur Verbesserung der Lebensumstände der dortigen Bevölkerung entsteht.

DIE STIFTUNG: Was wünschen Sie sich für den MSF 2017?
Brandis: Wir wünschen uns Austausch mit in der Stiftungswelt Tätigen sowie neue und interessante Kontakte. Natürlich wäre es wünschenswert, unseren Bekanntheitsgrad über den MSF zu steigern, auf unsere Projekte aufmerksam zu machen und neue Kooperationen zu schließen. Da oft Einblicke in die tägliche Arbeit zu kurz kommen, möchten wir gerne einen Blick hinter die Kulissen unserer Arbeit ermöglichen und mit unseren Mitarbeitern und Vortragenden dafür sorgen, dass unsere Stiftungsarbeit sozusagen erfahrbar gemacht wird. Außerdem freuen wir uns immer über Menschen, die sich für ehrenamtliches Engagement interessieren.

www.menschenfuermenschen.de

Herr Brandis, Menschen für Menschen in München

 

 


Dr. Sebastian Brandis
ist Vorstand der Stiftung Menschen für Menschen und verantwortlich für Fundraising, Kommunikation und Finanzen im Büro München.

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