17.01.2018 | Von Sarah Bautz

Hoffnungsträger Stiftung „in der Tradition der Familie“

Tobias Merckle ist seit 2003 geschäftsführender Vorstand von Seehaus e.V. in Leonberg mit 107 Mitarbeitern. 2013 rief er zudem die Hoffnungsträger Stiftung ins Leben, die heute 24 Mitarbeiter beschäftigt.

Tobias Merckle Hoffnungsträger Stiftung
2013 rief Tobias Merckle die Hoffnungsträger Stiftung ins Leben, die heute 24 Mitarbeiter beschäftigt. Foto: Seehaus e.V.

DIE STIFTUNG: Herr Merckle, mit Ihrer Hoffnungsträger Stiftung haben Sie im November das dritte „Hoffnungshaus“ eröffnet, in dem Flüchtlinge und Deutsche gemeinsam wohnen. Warum ist Ihnen dieses Projekt eine Herzensangelegenheit?
Tobias Merckle: Man kann politisch unterschiedlicher Meinung sein, ob, warum und wie viele Flüchtlinge man ins Land lässt. Klar ist aber: Für alle Geflüchteten, die schon hier sind, haben wir eine Verantwortung, der wir uns stellen müssen. Mit den Hoffnungshäusern haben wir eine Form des integrativen Wohnens geschaffen: Die Hälfte der Bewohner sind einheimische Familien, die andere Hälfte Flüchtlinge. Integration kann nur durch Gemeinschaft gelingen.

DIE STIFTUNG: Hatten Sie diese Projekte bei der Gründung der Hoffnungsträger Stiftung 2013 schon im Kopf?
Merckle: Nein. Ursprünglich wollten wir als reine Förderstiftung andere Projekte unterstützen und zugleich eine Plattform schaffen für Unternehmer und andere Menschen, die sich engagieren wollen: Für sie recherchieren wir über unsere nationalen und internationalen Netzwerke passende Projekte. Angesichts der Flüchtlingsproblematik konnten wir allerdings kein Projekt finden, dass unseren Vorstellungen gerecht wurde. So sind wir doch operativ tätig geworden.

DIE STIFTUNG: Bereits seit 2004 leiten Sie den Verein Seehaus, der straffälligen Jugendlichen eine Alternative zum geschlossenen und offenen Strafvollzug bietet. Wie hängen beide Initiativen zusammen?
Merckle: Rechtlich sind Seehaus und Hoffnungsträger zwei getrennte Organisationen, aber inhaltlich arbeiten beide eng zusammen. Wir haben mit Seehaus viele Erfahrungen und ein umfangreiches Netzwerk im Bereich Straffälligen- und Opferhilfe. Die können wir auch in die Arbeit mit Geflüchteten bei Hoffnungsträger einbringen, etwa in der Opfer- und Traumaberatung. Außerdem vermittelt die Stiftung Patenschaften für Kinder von Strafgefangenen in Entwicklungsländern. Das ist wichtig, denn wenn etwa der Vater im Gefängnis ist, fehlt den Familien oft die Lebensgrundlage: Dann besteht die Gefahr, dass die Kinder gesellschaftlich ausgegrenzt und womöglich selbst kriminell werden. Seehaus ist Mitglied bei Prison Fellowship International und hat Partnerorganisationen in vielen Ländern. Darauf können wir bei der Stiftung aufbauen.

DIE STIFTUNG: Sie sind als Sozialpädagoge und Stifter außerhalb des Unternehmens Ihrer Familie tätig. War das ein bewusster Akt der Abgrenzung?
Merckle: Nein, es ging nicht darum, irgendeine Verbindung zu kappen, im Gegenteil. Ich sehe mich da durchaus in der Tradition der Familie: Ich bin auch unternehmerisch tätig, nur eben in einem anderen Bereich.

Zur Person: Tobias Merckle ist Sozialpädagoge und seit 2003 geschäftsführender Vorstand von Seehaus e.V. in Leonberg mit 107 Mitarbeitern. 2013 rief er zudem die Hoffnungsträger Stiftung ins Leben, die heute 24 Mitarbeiter beschäftigt. Merckle ist eins der vier Kinder von ratiopharm-Gründer Adolf Merckle. Er ist im Familienbeirat sowie Mitglied im Aufsichtsrat von Heidelberg Cement.

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