18.03.2013 | Von Die Stiftung

Jugendthemen in Vernissage-Atmosphäre

Foto: S. SakkalFindet hier eine Vernissage statt oder eine Stiftungsvorstellung? Die gesamte Einrichtung ist in Weiß und Hellbraun gehalten, auf dem Tresen stehen zwei Sorten Kuchen, dahinter fünf Sorten Tee. Elegant in gedeckte Farben gekleidete Gäste füllen den Raum, jeder der ihn betritt, bekommt innerhalb von Sekunden den Mantel abgenommen. Im dunklen Hosenanzug mit Nadelstreifen begrüßt Dr. Kirsten Gabriele Strick die Besucher, die meisten von ihnen mit Vornamen. An eine Gästeliste im Eingangsbereich, auf der jeder der Angemeldeten willkommen geheißen wird, hat sie auch gedacht.

Plötzlich taucht eine Gruppe Jugendlicher in weit geschnittener Alltagskleidung auf, die Strick ebenso herzlich begrüßt, wie ihre Gäste aus honoren Akademikerberufen. Nun kann die Show beginnen und ja, es ist doch eine Stiftungsvorstellung. TIM heißt die 2009 gegründete Organisation und was deren Marketing betrifft, ist sie bei der Stifterin in guten Händen. Das Maskottchen – ein Junge im lila T-Shirt mit einem Fragezeichen auf der Stirn – hat die Besucher bereits am Eingang begrüßt. Benannt ist er nach einem Enzym, das die Funktion eines Katalysators hat. Dies wiederum entspricht der Arbeitsphilosophie der Stifterin, die sich als Beraterin für Unternehmen in Veränderungssituationen beschreibt. So ist eine Verbindung zum Hauptberuf hergestellt – erkennbar freilich nur für jene, die einen Abschluss in Chemie haben oder konkret danach fragen.

Auf einer weißen Wand fährt mit Musik und Bildstrecken die Präsentation ab, auch die Ausleuchtung stimmt. Mit einem Satz Moderationskarten in der Hand beschreibt Strick das Anliegen ihrer Organisation. Während eines Fluges habe sie gelesen, wie viele Kinder in Deutschland nicht einmal 5 EUR im Monat für die Mitgliedschaft in einem Sportverein aufbringen können, erzählt die Stifterin. „Da blickte ich auf mein Handgepäck und fand eine Menge Dinge, mit denen ich eine Vereinsmitgliedschaft hätte finanzieren können.“ So sei die Idee für eine Stiftungsgründung entstanden.

Foto: S. SakkalDie Lebenssouveränität von Jugendlichen an Real- und Mittelschulen möchte die Organisation stärken. Am Anfang erforschte die Stiftung dazu die Lebenswirklichkeit von acht Münchner Realschülern von denen sieben das haben, was man seit einigen Jahren einen Migrationshintergrund nennt. Eine Soziologin und eine Pädagogin führten dazu Tiefeninterviews. Die Zitate daraus klingen authentischer als die Neuübersetzung von J.D. Salingers „Fänger im Roggen“. Es ist von aufregenden Berufswünschen die Reden, von dem coolen Cousin, der ein großes Vorbild ist, und davon, dass es die Gleichberechtigung von Mann und Frau noch nicht bis an den heimischen Küchentisch geschafft hat.

Nach und nach kommen alle zu Wort: Die Forscherinnen, die die Jugendlichen interviewten, der Schulleiter, der den Kontakt vermittelt hat und schließlich auch die Jugendlichen selbst. Dann die Vorstellung des ersten Projektes: „Auf dem Weg“ soll einen Schulweg als Performance, Musical oder Theaterstück darstellen. Es fehlt nur noch eine Schule, die bereit ist, mitzumachen. Um den Zuhörern einen Vorgeschmack zu geben, wie so etwas aussehen könnte, führt eine weitere Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener zum Schluss einen Breakdance auf.

Die Stiftung wird am Montag, den 18. März, auf der Themeninsel Kunst/Kultur im Künstlerhaus am Lenbachplatz vertreten sein. Kann sie diese Lebendigkeit über das Wochenende retten, wird es schwer, sie dort zu verfehlen.

TIM – Die Dr. Kirsten Gabriele Schrick Stiftung

info@tim-online.de

www.tim-online.de

Artikel teilen