02.02.2018 | Von Tobias Anslinger

Volkswagenstiftung finanzierte Tierversuche

Wie Ende Januar bekannt wurde, hat die Volkswagenstiftung ab 2004 Versuche an Vögeln, Mäusen, Ratten und Affen finanziell unterstützt. Die Stiftung spricht von einem „sehr kleinen Bereich der Förderungen“. Aktivisten sehen eine Mitverantwortung beim Autobauer VW.

Tierversuche Volkswagenstiftung Zentrale
Die Zentrale der Volkswagenstiftung in der Kastanienallee in Hannover. Foto: Christian A. Schröder (ChristianSchd), https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode

Die Volkswagenstiftung, nach Aufzeichnungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen Deutschlands fünftgrößte Stiftung, hat mindestens ab 2004 Versuche an Tieren mitfinanziert. Das bestätigte ein Stiftungssprecher auf Anfrage von DIE STIFTUNG. Die Forschungsentscheidungen hierfür seien vor 10 bis 15 Jahren gefallen. Konkret ging es um Versuche an Singvögeln, Mäusen, Ratten und Affen.

Der Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ konkretisierte in einer Pressemitteilung die Versuche. Die Volkswagenstiftung dementiert sie nicht. Man erhoffte sich neue Erkenntnisse für die Behandlung von Schlaganfällen, Depression und Demenz. „Derzeit kann die Wissenschaft noch nicht auf Tierversuche zur Erforschung grundlegender Fragestellungen und zur Validierung der angewandten Ansätze verzichten“, so der Sprecher der Stiftung.

Volkswagenstiftung beruft sich auf Genehmigung

Die Projekte seien in der 2004 beendeten Förderinitiative „Dynamik und Adaptivität neuronaler Systeme – Integrative Ansätze zur Analyse kognitiver Prozesse in zwei „Lichtenberg-Professuren“ bewilligt worden. In allen Fällen seien die Anträge von internationalen Gutachterinnen und Gutachtern streng begutachtet worden. Die bewilligten Mittel seien seitens der Stiftung erst freigegeben worden, nachdem eine zwingend notwendige behördliche Genehmigung auf Basis der zuständigen Ethikkommission vorlag. „Ärzte gegen Tierversuche“ merkte allerdings an, dass dieser Genehmigungsprozess lediglich eine bürokratische Hürde sei, die Ablehnungsquote liege bei unter einem Prozent.

Als „reine Neugierforschung“ bezeichnete der Tierrechtsverein die Versuche. „Ohne finanzielle Unterstützung durch Drittmittel wie über die Volkswagenstiftung müsste so mancher Forscher seine nutzlose Arbeit einstellen“, wird die stellvertretende Vorsitzende Corina Gericke zitiert. Die Volkswagenstiftung sieht die Verantwortung hingegen bei den Forschern: „Die Stiftung ist davon überzeugt, dass die von ihr geförderten Wissenschaftler die ethischen Voraussetzungen ihrer Forschung gründlich reflektieren und die ihnen zur Verfügung gestellten Fördermittel verantwortlich einsetzen. Bisher hat es kein Vorkommnis gegeben, das unser Vertrauen enttäuscht hat“, so der Sprecher.

Volkswagen im Namen

Die Volkswagenstiftung ist keine Unternehmensstiftung, hat also mit dem VW-Konzern, der zuletzt wegen Abgasversuchen an Affen massiv in die Kritik geraten war, direkt nichts zu tun. Sie führt selbst keine wissenschaftlichen Studien und Versuche durch. Sie fördert lediglich, vornehmlich Grundlagenforschung. Tierversuche würden nur einen „sehr kleinen Bereich der Förderung“ ausmachen.

„Ärzte gegen Tierversuche“ sieht dennoch eine Verantwortung auch bei dem Automobilkonzern als „Namensgeber der Stiftung“, ein VW-Mitarbeiter sitzt im Kuratorium. Die Stiftung, die bis 1989 „Volkswagenwerk“ hieß, ist das Ergebnis des Privatisierungsprozesses der heutigen Volkswagen AG im Jahr 1961. Ihre Erträge erwirtschaftet sie aus dem Erlös der Privatisierung sowie aus den vom Land Niedersachsen gehaltenen VW-Aktien. Mittlerweile beträgt das Kapital der Stiftung rund 3,1 Milliarden Euro.

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