01.08.2017 | Von Martina Benz

„Wir wollen keine fertigen Lösungen überstülpen“

Das „Integrated Rural Development Programm (IRDP)“ ist das Herzstück der Stiftungsarbeit von Menschen für Menschen. Ein Einblick in diesen integrierten Ansatz, der es ermöglichen soll, Entwicklung nachhaltig und auf Augenhöhe in der Bevölkerung zu verankern.

Menschen für Menschen
Das "IRDP" der Stiftung Menschen für Menschen setzt in allen relevanten Lebensbereichen gleichzeitig an - ein wichtiger ist die Landwirtschaft. Foto: Martina Benz

Die Stiftung Menschen für Menschen (MfM) hilft bedürftigen Personen in entlegenen Regionen Äthiopiens mit dem Ziel, diese Gebiete und ihre Bewohner als Gesamtheit in allen Bereichen des Lebens bei der Entwicklung zu unterstützen und den Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Aus diesem Grund werden beim „Integrated Rural Development Programm (IRDP)“ verschiedene Bereiche des täglichen Lebens, wie Ernährung, Wasser, Bildung, Gesundheit oder Verbesserung des Einkommens, miteinander verknüpft. „Darüber hinaus versuchen wir, Wertschöpfungsketten aufzubauen, damit Arbeitsplätze zu schaffen und so die Lebenssituation der Bevölkerung zu verbessern“, erklärt Stiftungsvorstand Peter Renner, der unter anderem für die Projektarbeit in Äthiopien verantwortlich ist. Hierbei wird stark auf die lokale Produktion und die Vermarktung der Basisgüter gesetzt. Zusätzlich leistet die Organisation aufgrund der aktuellen Dürre außerdem Nothilfe. Mit Projekten in diesen Gebieten aktiv zu werden, ist aufgrund des dort mangelnden Entwicklungspotenzials allerdings nicht angedacht.

Menschen für Menschen
Stiftungsvorstand Peter Renner; Foto: Rainer Kwiotek/Menschen für Menschen

Nachhaltige Wirkung ist das übergeordnete Ziel der Organisation. Um dieses zu erreichen, wird großer Wert auf die Einbeziehung der Bevölkerung gelegt. „Wir reden mit den Bauern und ihren Familien sowie mit den Verantwortlichen in den Dörfern. Auf dieser Grundlage fertigen wir dann einen Maßnahmenplan an, den wir wieder mit den Dorfbewohnern besprechen“, beschreibt Renner die Vorgehensweise. Denn die Erfahrung zeige, dass Eigeninitiative und persönlicher Einsatz entscheidende Faktoren für eine nachhaltige Entwicklung seien. „Wir wollen den Menschen keine fertigen Lösungen überstülpen“, betont der Vorstand.

Dass beide Seiten hierbei gegenseitige Verpflichtungen eingehen, ist ein weiterer wichtiger Aspekt des IRDP. Baut MfM einen Brunnen, so graben die Männer des Dorfes selbst das Loch und helfen den Fachleuten beim Auskleiden und Fertigstellen des Brunnens. MfM liefert das Know-how und die Pumpe. Wird eine Schule gebaut, so werden Lehrerausbildung und Leitung von der Gemeinde übernommen. In Vereinbarungen mit der Bezirksregierung wird festgelegt, welchen Anteil die Menschen vor Ort leisten können und welche Leistungen Menschen für Menschen erbringt.
Und was geschieht, wenn eine Gemeinde sich nicht an die Absprachen hält? „Auch in diesem Fall reden wir mit den Verantwortlichen und erinnern sie an die Vereinbarung. Allerdings haben wir bisher noch nicht erlebt, dass eine Gemeinde plötzlich nicht mehr die vereinbarten Verbesserungen umsetzen will“, so Renners optimistische Antwort.

Menschen für Menschen
Im Projektgebiet „Borena“ können dank eines Bewässerungssystems bessere Erträge auf den Feldern erwirtschaftet werden. Foto: Martina Benz
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