Jürgen Grenz, Stiftung Gute-Tat.de
Jürgen Grenz ist in Süddeutschland geboren und lebt jetzt in Berlin. Er ist Geschäftsführer der index Internet und Mediaforschung GmbH, sowie der index Agentur für strategische Öffentlichkeitsarbeit und Werbung GmbH und Vorstand der Stiftung Gute-Tat.de. In seiner Freizeit begeistert er sich für Kunst und geht gerne Joggen.
1. Was kann Ihre Stiftung dazu beitragen, die Welt zu verbessern?
Wie der Name unserer Stiftung bereits andeutet, ist unser Stiftungszweck grundsätzlich guten Taten verbunden.
Durch die Vermittlung ehrenamtlichen Engagements kommt es auf beiden Seiten, Hilfesuchendem wie Helfendem, zu einer Verbesserung der Lebensqualität: Zum einen kommt die zwischenmenschliche Hilfe genau dort an, wo sie aktuell gebraucht und dankbar entgegengenommen wird und zum anderen gibt es für diejenigen, die Ihre Hilfe anbieten, unzählige Motive, warum sich ein solches Engagement „auszahlt“, wie beispielsweise Wertschätzung zu geben und zu erfahren.
2. Mit welchen Stiftungszwecken und welchen Projekten oder Fördermaßnahmen wollen Sie das erreichen?
Insbesondere durch unsere Initiative „Heute ein Engel“ wird auch Berufstätigen oder jungen Menschen, die wenig Zeit haben oder sich nicht langfristig binden können, ein soziales Engagement ermöglicht. Sie können Ihre Erfahrungen oder Interessen auch in Projekten einbringen, die nur einmalig stattfinden, wie z.B. einem Sommerfest für Behinderte.
Ziel ist es, allen ein ehrenamtliches Engagement zu ermöglichen und dies unbürokratisch und unkompliziert – gemäß unserem Motto „Jeder kann helfen!“
3. Kooperieren Sie dabei mit anderen Stiftungen oder Organisationen?
Wir stehen mit über 900 sozialen Organisationen in Kontakt, die über uns die Projekte kommunizieren, für die Hilfe benötigt wird. Durch den persönlichen Kontakt und regen Austausch mit den Verantwortlichen vieler Organisationen können wir zeitnah auf Hilfegesuche eingehen.
Zudem ermöglichen uns regionale Veranstaltungen wie z.B. die Stiftungswoche einen Austausch und zahlreiche Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Stiftungen.
4. Wie sind Sie mit dem Thema Stiftung das erste Mal in Berührung gekommen?
Bereits während meines Studiums habe ich die Entwicklung gemeinnütziger Initiativen verfolgt. So wird in den angelsächsischen Ländern bürgerschaftliches Engagement bereits seit vielen Jahren ganz wesentlich auch von Stiftungen geprägt. Ehrenamt hat dort einen ungleich höheren Stellenwert. Sowohl von Seiten der Gesellschaft als auch innerhalb der einzelnen Organisationen des Dritten Sektors gehört ein solches Engagement einfach dazu - dadurch ist auch die Wertschätzung des Ehrenamts deutlich höher.
Inspiriert durch diese Art „Ehrenamtskultur“ wurde im Jahre 2000 die Stiftung Gute-Tat.de als Internetplattform gegründet.
5. Warum haben Sie sich für eine Stiftungsgründung entschieden und nicht z.B. für einen Verein, eine gemeinnützige GmbH oder auch nur eine Zustiftung?
Gemeinnützige Stiftungen haben in unserer Gesellschaft eine besondere Bedeutung und ein hohes Image, da viele bekannte Stiftungen die Förderung des Gemeinwesens in den Mittelpunkt stellen. Stiftungen stehen zudem für Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit, zwei Aspekte, denen ich mich verbunden fühle.
Außerdem wollte ich mir damit ein Stück Gestaltungsfreiheit und Eigenverantwortung im positiven Sinne bewahren.
So ist es bereits bei der Namensgebung und dem Stiftungszweck sinnvoll, sich Gedanken zu machen, ob diese auch für andere Menschen attraktiv sind.
Mit einer „Stiftung Gute-Tat.de“ werden sich immer mehr Menschen identifizieren können als z.B. mit einer „Jürgen Grenz Stiftung“.
6. Wer hat Sie beim Stiften beraten?
Die Vorbereitung und Durchführung der Stiftungsgründung erfolgte durch die Lektüre diverser Ratgeber sowie der guten Beratung durch den Bundesverband Deutscher Stiftungen und der Stiftungsaufsicht Berlin. Sonstige Berater wurden nicht eingeschaltet.
7. Welche Rolle spielen in Ihrer Stiftung ehrenamtliches Engagement und Fundraising?
Ehrenamtliches Engagement ist in unserer Stiftung natürlich von zentraler Bedeutung. Das betrifft nicht nur die Ehrenamtlichen, die wir an die sozialen Organisationen vermitteln, sondern auch die Ehrenamtlichen, die direkt in unserem Stiftungsbüro arbeiten. Ohne unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter wären wir längst nicht so erfolgreich tätig.
Aufgrund unseres geringen Stiftungskapitals sind wir aufgrund der deutlichen Ausweitung unserer Aktivitäten in den letzten elf Jahren auf Fundraising angewiesen, um die Mittel für den weiteren Ausbau unserer Aktivitäten zu akquirieren.
8. Wie ist Ihr Stiftungsvermögen angelegt?
Wir haben unser Stiftungsvermögen als langfristiges Darlehen vergeben.
9. Gibt es für Sie Vorbilder im Stiftungswesen oder auch ganz allgemein?
Vorbilder für mich sind unter anderem Robert Bosch wegen seines herausragenden unternehmerischen Wirkens in Verbindung mit einem ausgeprägten sozialen Verantwortungsbewusstsein oder Bill Gates wegen seines strategischen Gespürs und der Bereitschaft, rechtzeitig loszulassen und sein Talent in einer Stiftung der Allgemeinheit zu Gute kommen zu lassen. Vorbilder sind aber auch Menschen wie Thor Heyerdahl, die den Mut hatten, völlig neue Wege zu gehen, an die vorher keiner glaubte.
10. Was treibt Sie bei der Stiftungsarbeit an? Haben Sie vielleicht ein Motto?
Wer anderen etwas Gutes tut, wird selbst belohnt! Diese Lebensweisheit hat sich auch in meiner Stiftungsarbeit vielfach bestätigt - durch Kontakte und schöne Erlebnisse mit anderen Menschen, die mein Leben bereichern und die ich nicht missen möchte. Soziales Engagement ist immer auch ein Weg der Persönlichkeitsentwicklung.
11. Was wünschen Sie sich für das Stiftungswesen der Zukunft?
Wenn man davon ausgeht, dass es ein gemeinsames Ziel aller Stiftungen ist, Verantwortung für die Gesellschaft tragen zu wollen, dann wünsche ich mir mehr Öffentlichkeitswirksamkeit dafür. Ein Schritt in diese Richtung sind z.B. die in einigen Städten stattfindenden Stiftungstage.
12. Und was würden Sie künftigen Stiftern raten?
Vor der Gründung: Entwicklung einer Vision, die über den Tag hinaus das Potential hat, sich selbst und andere zu begeistern. Sorgfältige Analyse, ob die Stiftung der richtige Weg ist, um diese Vision zu verwirklichen.
Nach der Gründung: „Tun ist Trumpf“ - durch die tägliche Arbeit in der Realität wird die Vision des Stifters seine Form erhalten. Ganz wichtig: Die Suche und Bindung von ehrenamtlichen Mitarbeitern zu professionalisieren, indem Attraktivität und Wertschätzung erhöht werden.









