07.11.2017 | Von Die Stiftung

Kooperationen: „Nicht auf Nullsummenspiel hinauslaufen“

Seit über 35 Jahren forscht, entwickelt und bildet das Ökozentrum in den Bereichen erneuerbarer Energien und Ressourcen, führt Aufträge von Wirtschaft und Gesellschaft aus und initiiert eigene Projekte. Ein Gespräch über Potentiale und Herausforderungen von Kooperationen zwischen operativen und Förderstiftungen.

Kooperationen Ökozentrum
Erfolgreiches Beispiel für Kooperationen: Beim Projekt „SecondLife: Zweites Leben für Postroller-Batterien“ wurde das Ökozentrum vom Bundesamt für Energie gefördert. Weitere Unterstützer waren Firmen und Sponsoren. Foto: Ökozentrum

DIE STIFTUNG: Können Sie an einem Beispiel eine typische Kooperation in Ihrem Haus beschreiben?
Linda Jucker: Fast alle zielführenden Kooperationen sind am Ökozentrum möglich. Insofern gibt es nicht ein typisches Kooperationsmodel. Zur Verdeutlichung aber ein Beispiel aus unserem Bildungsbereich: Die Stiftung Mercator Schweiz hat eine Ausschreibung gemacht für Projekte zum Thema Suffizienz, es geht um die Frage, wie viel materielle Güter und Ressourcen wir für ein gutes Leben brauchen. Da diese Thematik genau in unseren Wirkungsbereich fällt, haben wir da investiert und dazu verschiedene Projektideen entwickelt. Wir haben uns mit unseren Ideen auf die Ausschreibung beworben und können nun ein Vorprojekt zum Thema nachhaltiger Tourismus und Suffizienz durchführen. Das Vorprojekt wird durch die Mercator Stiftung finanziert und die Machbarkeit des Hauptprojektes damit eruiert. Wird es als sinnvoll durchführbar eingestuft, folgt das eigentliche Hauptprojekt, für welches wir dann wiederum finanzielle Mittel von diversen Stiftungen, öffentlichen Stellen und interessierten Privatpersonen benötigen.

DIE STIFTUNG: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Förderstiftungen bei Ihnen?
Jucker: Wir arbeiten mit sehr unterschiedlichen Stiftungen zusammen. Manche haben eine Geschäftsstelle errichtet, stellen spezifische Anforderungen an die Form der Gesucheingaben und Berichterstattungen. Meist besteht schon vor der wirklichen Projekteingabe ein Kontakt per E-Mail, Telefon oder auch persönlich, welcher hilft, das Vorgehen beidseitig optimal und schlank zu gestalten. Andere Stiftungen wünschen lieber keine Kontaktaufnahme und möchten nur die Gesuche prüfen und über deren Förderung entscheiden.

Beide Formen haben für uns Vor- und Nachteile. Ein Kontakt vor der eigentlichen Eingabe ermöglicht eine sorgfältige Prüfung, ob die Anfrage auch wirklich in die gegenwärtigen Schwerpunkte der Stiftung passt. Damit sind die „Leerlaufquote“ und der beidseitige Aufwand entsprechend geringer. Schicken wir Gesuche ohne vorherigen Kontakt, ist der Erfolg oder Misserfolg schwierig abschätzbar.

DIE STIFTUNG: Wo gibt es noch Optimierungsbedarf in der Führung von Kooperationen?
Jucker: Wir begrüssen die Professionalisierung im Stiftungswesen, weil diese in der Regel auch mit einem vermehrten Kontakt auf Augenhöhe einhergeht. Gleichzeitig bedeutet die Professionalisierung oft auch, dass jede Förderstiftung ein eigenes Antragsformular hat, welches ausgefüllt werden muss. Zum Teil sind diese Formulare extrem spezifisch – was einen sehr grossen Aufwand für die Antragsstellenden bedeutet. Trotz sauberen und umfassenden Projektdossiers müssen in diesem Fall die spezifischen Gesuchformulare ausgefüllt werden. Das gleiche gilt für Zwischen- und Schlussberichte. Die Zeit, die wir für diese administrative Arbeit verwenden, geht auf Kosten der konkreten Projektarbeit.

DIE STIFTUNG: Welche Formen der Kooperation würden Sie sich zusätzlich wünschen?
Jucker: Langfristige Partnerschaften für neue, aber auch für bewährte Projekte. Es ist schade, wenn Förderstiftungen bewährte Projekte nicht weiterfördern können, nur weil sie in ihren Statuten festgelegt haben, Projekte nicht länger als drei Jahre fördern zu können und dadurch immer wieder neue Projekte unterstützen müssen.

Linda Jucker Kooperationen
Linda Jucker zum Thema Kooperationen Foto: Ökozentrum

Der Anspruch vieler Stiftungen, dass die geförderten Projekte selbsttragend werden, ist nachvollziehbar. Es gibt Bereiche, da ist das auch gut realisierbar und entsprechend wünschenswert. Gerade im Bildungsbereich ist dies jedoch vielmals nicht möglich. Freiraum für bestimmte Bildungsthemen kann da nur durch die langfristige und kontinuierliche Förderung gewährleistet werden.

Offen wären wir dafür, explizit für Förderstiftungen und ihren Förderwunsch Projekte zu entwickeln. In Gesprächen hört man, dass eine Förderstiftung gerne etwas ganz bestimmtes fördern will, die eingereichten Projektideen jedoch nur zum Teil der gewünschten Zielrichtungen entsprechen. Der direkte und offene Austausch zwischen Förderstiftungen und Umsetzenden könnte da viel bewirken.

DIE STIFTUNG: Wie erleben Sie das Verhältnis zwischen Förderstiftungen und operativen Stiftungen?
Jucker: Sehr unterschiedlich. Mit manchen Stiftungen kommunizieren wir auf Augenhöhe, da sind die Förderstiftungen wirkliche Projektpartner, mit denen eng zusammen gearbeitet wird. Mit anderen Stiftungen ist das Verhältnis förmlicher und distanzierter. Ich würde dies aber nicht unbedingt werten wollen. Letztlich ist es bei allen Stiftungen dasselbe: Sie haben eine Aufgabe, die sie erfüllen müssen. Die einen fördern, die andern setzen um. Passt das zusammen, dann ist das die Basis, um die angestrebte gesellschaftliche Entwicklung voranzutreiben zu können.

DIE STIFTUNG: Welche Schwierigkeiten können für operative Stiftungen bei Kooperationen auftauchen?
Jucker: Ein Risiko, welches wir bei jeder neuen Idee eingehen: Das Projekt kann nicht voll finanziert werden, die Finanzierungssicherung oder das Projekt selbst brauchen mehr Ressourcen als erwartet. Natürlich braucht auch die Konzeption der Idee Zeit und damit Mittel als Vorinvestition, diese muss das Ökozentrum aus Eigenmitteln erbringen. Dafür braucht es jedoch projektungebundene Mittel, die nur über eine Basisfinanzierung generierbar sind.

DIE STIFTUNG: Haben Sie – aus Ihrem Haus oder Umfeld – ein Beispiel für eine misslungene Kooperation?
Jucker: Nein, eigentlich nicht. Das Einzige was hier nennenswert erscheint ist, dass es nicht sehr zielführend ist, wenn Kooperationen auf ein „Nullsummenspiel“ hinauslaufen. Wenn also der Aufwand für eine Projektdossiereingabe mit spezifischer Anpassung, persönlichen Gesprächen, gewünschten Nachreichungen etc. die letztendlich gesprochene Fördersumme schon „verschlungen“ hat, so dass dem Projekt unter dem Strich eigentlich keine Mittel zu Gute kommen.

DIE STIFTUNG: Wie schätzen Sie die Entwicklungen bezüglich Kooperationen ein?
Jucker: Die Professionalisierung im Stiftungssektor schreitet fort, Förderstiftungen organisieren und vernetzen sich. Das hat viele Vorteile. Aber für kleinere operative Stiftungen wird es dadurch nicht unbedingt einfacher, Förderung zu erfahren, wenn sie keine Ressourcen haben, sich im grossen Stile mit den Förderstiftungen zu vernetzen. Die Anforderungen an die Gesuche steigen, auch dies ist letztlich für kleine Organisationen nicht nur von Vorteil, weil sie viele Ressourcen einsetzen müssen, um überhaupt ein Gesuch stellen zu können.

Zur Person: Linda Jucker ist Fundraising-Verantwortliche am Ökozentrum in Langenbruck.

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