14.11.2017 | Von Martina Benz

Das war der Schweizer Stiftungstag 2017

Mehr als 300 Teilnehmer kamen am 8. November in Basel zum Schweizer Stiftungstag zusammen. Im Mittelpunkt der vom Stiftungsverband Pro Fonds ausgerichteten Tagung standen wie immer das Netzwerken und ein „Statusupdate“ zu aktuellen Entwicklungen im Schweizer Stiftungssektor.

Schweizer Stiftungstag
Während die Basler Herbstmesse in vollem Gange war, ging es beim Schweizer Stiftungstag in der Kantonshauptstadt um "Stiftungen zwischen Gesellschaft, Staat und Wirtschaft". Foto: Mathias Berger / iStock / Thinkstock

Rund 30 „Cryptostiftungen“ wurden 2016 gegründet, allesamt mit Sitz in Zug, allesamt mit dem Zweck der Technologieentwicklung und -förderung. Diese Info erhielten die Teilnehmer beim Schweizer Stiftungstag im ersten Teil von „Pro Fonds informiert“, einem der Programmpunkte der Veranstaltung.  Dr. Harold Grüninger, Vizepräsident von Pro Fonds, gab darin einen Überblick über die im Jahr 2016 neu eingetragenen sowie gelöschten Stiftungen.

Der Schweizer Stiftungstag und die Initiative Luginbühl

Im zweiten Teil des Updates sprach Dr. Christoph Degen, Geschäftsführer von Pro Fonds, ausführlich über aktuelle, den Stiftungssektor prägende, Entwicklungen. So erfuhren die Teilnehmer etwa, dass der Gesetzentwurf, der die Evaluation der Stiftungsaufsichten durch eine eidgenössische Finanzkontrolle vorsah, „vom Tisch  sein dürfte“, wie Degen berichtete. Der Parlamentarischen Initiative Luginbühl (PaIV) hingegen wurde am 20. Oktober in der Rechtskommission des Nationalrats Folge gegeben. Pro Fonds begrüßt den Entscheid, „der acht gezielte, moderate und praktikable Maßnahmen entsprechend den realen Bedürfnissen beinhaltet“, informierte Degen.

Die Suche nach neuen Stiftungsratsmitgliedern soll künftig durch einen Haftungsausschluss vereinfacht werden. Durch eine Anpassung der Gesetzestexte an die Praxis, wonach in manchen Fällen durchaus bereits eine Änderung der Stiftungsurkunde möglich ist, soll die Organisationsform „Stiftung“ flexibilisiert werden. Die Motivation zu stiften und zu spenden soll gestärkt werden, indem Steueranreize für Erben geschaffen werden. Durch die regelmäßige Publikation von Daten steuerbefreiter Organisationen soll die Informationslage verbessert werden.

Stiftungen und Universitäten

Nicht der gesamte Schweizer Stiftungstag war allerdings so juristisch geprägt wie die Beiträge des Veranstalters selbst. In ihrem Vortrag mit dem Titel „Stiftungen und Universitäten“ sprach die Rektorin der Universität Basel, Prof. Dr. Dr. Andrea Schenker-Wicki, von den Herausforderungen im Bereich der Wissenschaft und der Rolle, die Stiftungen dabei spielen. Als „unabhängige und selbstständige Institutionen“ seien Stiftungen und Universitäten „quasi prädestiniert miteinander zusammen zu arbeiten“ lautete Schenker-Wickis Hypothese. Und das sei besonders im Bereich der Investitionen von großer Bedeutung. Denn wolle man nicht von China abgehängt werden, wo die Wissenschaft stark gefördert wird, um die größte Wissenschaftsnation der Welt zu werden, seien Investitionen unumgänglich.

Nach dem Protest etlicher Stiftungen, den diesen Sommer ein Beitrag in der „Neuen Zürcher Zeitung“ hervorgerufen hatte, blieb natürlich auch dieser am Schweizer Stiftungstag 2017 nicht unangesprochen. „Noch nie hat eine Stiftung meiner Universität etwas aufgequatscht, was wir nicht wollten. Das ist mir völlig fremd“. Schenker-Wickis weist mit diesen Worten den im Zeitungsartikel artikulierten Vorwurf, Stiftungen würden Themen anstoßen, die dann an der Allgemeinheit hängen blieben, klar zurück.

Wie Stiftungen mit Wirtschaft, Staat und Gesellschaft zusammenarbeiten, was das bringt und wo es hakt, lesen Sie übrigens in der aktuellen Ausgabe von DIE STIFTUNG Schweiz, die Sie hier beziehen können.

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