02.12.2014 | Von Die Stiftung

Die Frankfurter Debatte 2014 mit Petra Träg, Michael Lürßen, Stefan Mönkediek und Prof. Dr. Thorsten Polleit

In der Frankfurter Debatte 2014 dreht sich (fast) alles um den Niedrigzins und Strategien für Stiftungen, diesem zu entkommen. Es diskutierten Petra Träg (SOS Kinderdorf-Stiftung), Michael Lürßen (Bremer Landesbank), Stefan Mönkediek (Runte, Stadtmüller & Mönkediek GmbH) und Prof. Dr. Thorsten Polleit (Polleit & Riechert).

In der Frankfurter Debatte 2014 dreht sich alles um die Vermögensanlage von Stiftungen. Wichtigstes Thema: der Niedrigzins und Strategien für Stiftungen, diesem zu entkommen. Es diskutierten Petra Träg (SOS Kinderdorf-Stiftung), Michael Lürßen (Bremer Landesbank), Stefan Mönkediek (Runte, Stadtmüller & Mönkediek GmbH) und Prof. Dr. Thorsten Polleit (Polleit & Riechert).
von Tobias Karow und Stefan Preuß

 

DIE STIFTUNG: Das Niedrigzinsumfeld beschäftigt uns nun schon einige Tage. Was ist heute angesichts dessen die große, wenn nicht gar größte, Herausforderung für Stiftungen?
Petra Träg: In meinen Augen müssen wir zwei Dinge unterscheiden. Wir haben uns bei der SOS Kinderdorf-Stiftung von Beginn an darüber unterhalten, wie die Kapitalanlage aussehen muss, damit sie jederzeit zeitgemäß umgesetzt werden kann. Das war wichtig und richtig, weil wir 2003 schon in einer Zeit nicht mehr sehr hoher Zinsen gegründet wurden und damit nicht mehr unendlich viel Speck ansammeln konnten. Eine adaptive Anlagerichtlinie ist hier die Basis, das muss professionell gemacht werden.
Warum sage ich das? Weil in manchen, gerade kleineren Stiftungen nicht von Anfang an die Notwendigkeit gesehen wurde, dass in den Gremien auch Vermögensprofis sitzen, sondern die Besetzung mit Fachleuten für die Zweckerfüllung oft im Fokus stand. Damit beginnt erst jetzt in diesen Stiftungen die wichtige Auseinandersetzung mit dem Thema „Anlage des Stiftungskapitals“, um noch Erträge zu erwirtschaften, und es reift die Erkenntnis, dass hierfür deutlich mehr Zeit als früher investiert werden muss.
Wenn es stimmt, dass eine größere Zahl von Stiftungen schon heute ihren Stiftungszweck nicht mehr erfüllen kann, dann stimmt mich das schon bedenklich. Stiftungen wie jene von Fugger haben in der Vergangenheit ganz andere Dinge erlebt als ein paar Jahre Niedrigzinsphase, und die gibt es immer noch. Das sollte uns Stiftungen zum Nachdenken geben, wie das Überleben hier über Krisen und Zäsuren hinweg geschafft wurde.

Stefan Mönkediek: Wir sagen unseren Mandanten stets, dass sie ihre Anlagerichtlinien so ausgestalten müssen, dass sie als Stiftung immer adäquat darauf reagieren können, was der Markt einem bietet. Es gibt bis heute Möglichkeiten, auskömmliche Renditen zu erwirtschaften, Stiftungen kommen aber immer stärker in die Wiederanlagesituation hinein, also das Problem, die guten Zinsen der fälligen Anlage nicht mehr erzielen zu können. Irgendwann werden die Amerikaner anfangen, an der Zinsschraube zu drehen, und Märkte, in denen steigende Zinsen einer der Hauptparameter sind, kommen stets sehr in Bewegung und werden eine schwierige Herausforderung für die Anlage. Und damit steigen die Herausforderungen für Stiftungen nochmals, weil die Wiederanlageproblematik durch die komplexe Marktsituation verstärkt wird.

DIE STIFTUNG: Wie lautet Ihre Analyse des Status quo, Herr Professor Polleit?
Thorsten Polleit: Man kann von einer Zweiteilung sprechen. Die großen Stiftungen in Deutschland sind in der Regel sehr professionell aufgestellt. Nicht wenige kleinere und mittlere Stiftungen, die von ihrem institutionellen Rahmen her nicht in der Lage sind, angemessen auf die Herausforderungen zu reagieren, benötigen vermutlich Unterstützung. Viele Stiftungen haben ihre Anlagerichtlinien aus Zeiten des D-Mark-Regimes noch nicht an die völlig veränderte Situation angepasst: Man rechnete mit einer relativ stabilen Währung, die auskömmliche Zinsen ermöglichte, so dass der Erhalt des Kapitalstocks und zudem ein Ertrag darauf durch den Kauf von Bankschuldverschreibungen oder Staatsanleihen bewerkstelligt werden konnte. Wir sind jetzt aber in einem ganz anderen Regime, dem Euro-Regime. Und es ist hier keine Zufälligkeit, dass der Zins so tief ist. Er wird vermutlich auch nicht mehr nennenswert steigen, und damit haben viele Stiftungen ein akutes Problem, das andauern wird.

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