06.02.2015 | Von Die Stiftung

„Mut zum Investment außerhalb bekannter Grenzen“

DIE STIFTUNG: Was sind in Ihren Augen die großen Herausforderungen für Stiftungen in 2015?
Christian Opelt: Sowohl Stiftungen, die stark in Anleihen investiert sind, als auch Stiftungen mit Aktienbesitz stehen vor kniffeligen Entscheidungen. Die Zinsen bleiben – politisch gewollt – auf absehbare Zeit niedrig. Daher erwarten wir sehr niedrige Inflationsraten, jedoch keine Deflation.
Betrachtet man die Vermögensanlage der Stiftungen unter dem Gebot der Realkapitalerhaltung, so ist bereits seit einigen Jahren die Lage ernst. Die guten Ausschüttungen der Vergangenheit und der Glaube an eine Zinswende haben mancherorts die Gedanken an eine ausgewogene und zukunftsweisende Vermögensanlage blockiert.

DIE STIFTUNG: Sind Stiftungen ob des Niedrigzinses wirklich in ihrem Bestand bedroht?
Opelt: Nein, das sehen wir in unserem Haus so nicht. Denn: Not macht erfinderisch und zwingt zum Handeln. Zum einen können in der Vermögensanlage endlich „alte Zöpfe“ abgeschnitten werden. Und zum anderen können die Strukturen der Stiftung angepasst werden. Hier meine ich die Anpassung von Satzung, Gremien, aber auch der Umgang mit Destinatären und Förderern. Meine Erwartung ist, dass die Stiftungen effizienter arbeiten und professioneller aufgestellt werden.

DIE STIFTUNG: Wie sehen Sie Dinge wie die Öffentlichkeitsarbeit?
Opelt: „Trommeln gehört zum Handwerk.“ Will sagen, wenn ich als Stiftung von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden will, dann muss ich eine kompetente und zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit leisten. Letztlich ist auch die Öffentlichkeitsarbeit wie die Kapitalanlage ein sich immer erneuernder Prozess, der hinterfragt und ernstgenommen werden muss.
Wir als ein auf Stiftungsbetreuung spezialisiertes Bankhaus bieten daher auch zu diesem Thema Veranstaltungsformate. So begleiten wir im März beim MünchnerStiftungsFrühling 2015 einen „Wirkshop“ zur Kommunikation.

DIE STIFTUNG: Was wären Ihre Tipps, dem Niedrigzinsumfeld zu begegnen?
Opelt: Wir sehen auch jetzt die Chance auf eine auskömmliche Rendite gegeben. Doch muss die Stiftung für sich ein tragbares Risiko benennen und ein Risikomanagement berücksichtigen. So ist z.B. das Risiko von Aktien mess- und damit steuerbar.
Die wirtschaftliche Erholung setzt sich fort. Die USA sind stark, Asien bleibt ein Motor, Europa ist schwach und Deutschland robust. Ohne eine spürbare Aktienquote im Portfolio geht es nicht. Hier ist neben dem richtigen Timing auch die richtige Region zu allokieren. Daher Mut zu einem Investment außerhalb der bekannten (deutschen) Grenzen.
Zudem können auch Anleihen in Fremdwährungen ein Thema sein. Oder die Beimischung von Nachranganleihen oder Genussscheinen. Alles jedoch mit Augenmaß.

DIE STIFTUNG: In der kommenden Woche finden bei Ihnen in Hamburg und München Jahresausblickveranstaltungen statt. Was sind die wichtigen Themen?
Opelt: Neben dem oben genannten Schwerpunkt Kapitalanlage und unserer Einschätzung der Märkte 2015 freuen wir uns sehr, dass wir Berenike Wiener vom Bundesverband Deutscher Stiftungen als Co-Referentin gewinnen konnten. Denn so erhalten unsere Stiftungsgäste weitere wertvolle Informationen zur strategischen Vermögensverwaltung und dem Kapitalanlageverhalten von Stiftungen im aktuellen Umfeld.

DIE STIFTUNG: Herr Opelt, vielen Dank für diesen kleinen Ausblick.

Das Interview führte Tobias M. Karow.

 

Opelt ChristianChristian Opelt ist Bankdirektor beim Bankhaus Donner & Reuschel in München.

 

Veranstaltungstipp: Seien Sie unser Gast auf den Ausblickveranstaltungen mit Donner & Reuschel am 10. Februar in Hamburg oder am 11. Februar in München!

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