05.10.2017 | Von Martina Benz

Mehr als nur Geld

Seit der ersten Projektförderung im Jahr 2007 hat die Medicor Foundation bis heute 34 mehrjährige Projektphasen von Licht für die Welt mitunterstützt – eine nicht alltägliche Kooperation.

Journee Mondiale de la Vue 2009 BF 296
Sabine Rehbichler, Programmdirektorin von Licht für die Welt, ermittelt beim Besuch eines Frauenhauses in der Hauptstadt von Burkina Faso den Bedarf von Frauen mit Behinderung. Foto: Licht für die Welt

Die Geschäftsführerin von Licht für die Welt Österreich, Johanna Mang, kommt regel­recht ins Schwärmen, wenn sie über die Kooperation ihrer Organisa­tion mit der liechtensteinischen Medicor Foundation spricht: „Die Missionen pas­sen zusammen, die Themen passen zu­sammen, und die Projektländer und Regi­onen passen auch zusammen.“ Der 1988 gegründete Verein mit dem Schwerpunkt Blindheitsverhütung und Rehabilitation ist heute eine führende europäische Hilfsorganisation im Bereich Entwick­lungszusammenarbeit und Inklusion von Menschen mit Behinderung und die sechstgrößte Non-Profit-Organisation (NPO) in Österreich. Die angesammelte Expertise sowie der Fokus auf fünf Haupt­länder sind es, was die Medicor Founda­tion besonders an der Zusammenarbeit schätzt.

Ziel der Stiftung wiederum ist es, die Lebensumstände bedürftiger Menschen in Südosteuropa, Lateinamerika und Afri­ka südlich der Sahara durch die Unter­stützung überzeugender Projekte zu ver­bessern. Die Kooperation zwischen den beiden philanthropischen Einrichtungen besteht seit 2007.

 Überzeugende Projektarbeit

In der Regel beginnt eine konkrete Unter­stützung durch die Stiftung mit einem Pi­lotprojekt. Es werden Bedingungen der Zusammenarbeit vereinbart, Medicor-Mitarbeiter besuchen die Projekte vor Ort, man lernt sich kennen – und kann die Zusammenarbeit auch vor Ende der Projektphase wieder beenden, falls not­wendig. Die von beiden Organisationen gemeinsam formulierte Absprache bein­haltet immer mindestens diese zwei Ele­mente: eine Vereinbarung über eine Ra­tenzahlung von Seiten Medicors sowie eine klare Zielsetzung und regelmäßige Berichterstattung durch Licht für die Welt. „Transparenz und ein regelmäßiger Austausch sind uns wichtig. Aber auch eine pragmatische Herangehensweise“, erklärt Fortunat Walther, der Geschäfts­führer der Medicor Foundation.

Licht für die Welt
Medicor-Geschäftsführer Fortunat Walther (rechts) mit Franko Petri, Press Officer von Licht für die Welt, bei der Augenklinik Zorgho in Burkina Faso Foto: Gregor Kuntscher

Effizienzgründe sind es auch, welche die Stiftung dazu bewegen, Projekte zu unterstützen, statt eigene in die Welt zu rufen. „Implementierungsorganisationen gibt es zur Genüge“, ist Walthers klare Meinung. „Wir bauen lieber auf deren Er­fahrung, Wissen und Können.“ Hierfür werden immer abgegrenzte Phasen eines größeren Projektes mit Summen zwi­schen 100.000 und 250.000 Euro über zwei bis drei Jahre gefördert – durchaus auch mehrere aufeinanderfolgende. Alleiniger Finanzier möchte Medicor allerdings nie sein. „Um eine gewisse Unabhängigkeit auf Seiten der Organisationen zu bewah­ren erklärt Walther. Außerdem sei es im­mer gut, wenn die Organisationen mehre­re Förderer von ihrem Vorhaben überzeu­gen müssten. „Das Projekt soll schließlich nicht für uns umgesetzt werden. Die Organisation soll voll und ganz dahinterstehen und auch andere davon überzeugen kön­nen.“

Wirkung braucht Zeit

Kooperationen wie diese bestehen mo­mentan rund 80 zwischen der liechten­steinischen Stiftung und gemeinnützigen Einrichtungen ganz unterschiedlicher Größe. „Vor zehn Jahren gingen wir noch aktiv auf die Organisationen zu. Inzwi­schen sind wir damit eher zurückhal­tend, da bereits ein großer Stamm an be­währten Partnerorganisationen besteht“, berichtet Walther. Die langfristige Unter­stützung von Projekten ist wichtig, um eine nachhaltige Veränderung zu erzie­len. „Mit zuverlässigen Partnern, die vor Ort ernst genommen werden.“ Medicor weiß, dass die Organisationen Zeit brau­chen, um Netzwerke und Vertrauen auf­zubauen – auch zur lokalen Regierungs­vertretung.

Dass dabei Verwaltungskosten unver­meidlich sind, ist der Stiftung bewusst. „Solange diese in einem vernünftigen Rah­men zu den Projektkosten stehen, ist das völlig in Ordnung“, erklärt Walther. „Unse­re Partner dürfen die Gelder vollkommen frei verwenden. Doch wir bestehen auf eine detaillierte Budget- und Kostenauf­stellung.“

Diesen Aufwand nimmt Licht für die Welt für ihren wichtigsten Unterstützer gerne in Kauf. Und für weitere Förderer. Zwölf Prozent aller Gelder des Vereins stammen von Stiftungen. Doch diese brin­gen der NPO nicht nur finanzielle Unter­stützung. „Durch den Austausch und die Diskussion entsteht eine inhaltliche Aus­einandersetzung, durch die auch wir uns weiterentwickeln“, berichtet Sabine Reh­bichler, Programmdirektorin von Licht für die Welt. Und noch einen weiteren Aspekt hebt sie hervor: „Um Veränderung zu be­wirken, benötigt es der Zusammenarbeit vieler. Und dabei sind die Kontakte, die Stiftungen mitbringen, sowie ihre Positio­nierung in der Gesellschaft nicht zu unter­schätzen. Stiftungen können helfen, dass sich die Menschen mit sozialen Themen auseinandersetzen.“

Licht für die Welt
Licht für die Welt-Geschäftsführerin Johanna Mang bei einem Projektbesuch in Äthiopien Foto: Rupert Roniger

Den richtigen Partner finden

Beziehungsaufbau und Dialog sind zent­rale Punkte in der Kooperation mit Stif­tungen. Und die Übereinstimmung der Missionen, wie Johanna Mang ergänzt: „Stiftungen haben eigene Schwerpunkte und Vorstellungen. Und die müssen zur kooperierenden Organisation passen. Es reicht nicht aus, dass sich beide ein gro­bes Thema wie Gesundheit auf die Fah­nen geschrieben haben.“ Deshalb sei es wichtig, bei der Recherche nach Koope­rationspartnern nicht nur frei zugängli­che Informationen wie etwa die der Web­seite zu beachten, sondern den direkten Kontakt herzustellen, im Netzwerk Mei­nungen einzuholen, nach den wirklichen Überlappungen in der Arbeit zu suchen – und diese dann auszutesten. Eine aus­drückliche Warnung hat die Geschäfts­führerin auch parat: „Man sollte niemals in einen Bereich einsteigen, in dem man keine Erfahrung mitbringt, nur um För­dergelder zu erhalten.“ Vielmehr sei es wichtig zu reflektieren, wo die eigene Ex­pertise bestehe und wohin man sich ent­wickeln wolle. Auch die fördernde Stif­tung sollte Experte im zu bearbeitenden Thema sein. „Man muss seiner Mission treu bleiben“, fügt Rehbichler hinzu. „Das ist wie mit jeder Partnerschaft: Man kommt zusammen, weil beide Seiten et­was zu bieten haben. Es ist wichtig, sich gemeinsam zu entwickeln, niemals aber die eigenen Grundsätze aus den Augen zu verlieren. So kann das viele Jahre gut­gehen.“

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Funktionierende Partnerschaft
Die Medicor Foundation ist Mitglied der Vereinigung liechtensteinischer gemeinnütziger Stif­tungen (VLGS) und fördert Projekte implementierender Organisationen in den Regionen Süd­osteuropa, Lateinamerika und Afrika südlich der Sahara. Licht für die Welt und seine lokalen Partner unterstützt die Stiftung in Mosambik, Äthiopien, Burkina Faso und Bosnien-Herzego­wina in den Bereichen Augengesundheit, inklusive Bildung und gemeindenahe Rehabilitati­on. Aus Bosnien-Herzegowina zieht Licht für die Welt sich momentan zurück, da die lokalen Partner inzwischen stark genug sind, selbst Mittel für die Projekte zu generieren. Diese wür­den nun gerne direkt mit der Medicor Foundation kooperieren.
www.medicor.li

Dieser Beitrag ist Teil der Themenwoche „Kooperationen“ von DIE STIFTUNG und dem Jahrespartner „Vereinigung liechtensteinischer gemeinnütziger Stiftungen (VLGS)“.

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