19.10.2017 | Von Die Stiftung

Den Kapitalmarkt entmystifizieren

Auf einer Veranstaltung der Nachhaltigkeitsratingagentur Oekom Research bringt Felix Oldenburg den Finanzexperten den Umbruch des Stiftungssektors näher, stellt Herausforderungen am Kapitalmarkt dar und wirbt für gemeinsames Handeln.

Kapitalmarkt
Stiftungen sollten ganz genau hinschauen, welche Möglichkeiten am Kapitalmarkt für sie bestehen. Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

In Frankfurt hat die Nachhaltigkeitsratingagentur Oekom Research zu ihrer diesjährigen Jahrestreffen „Doppelte Dividende“ eingeladen. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Impact“. Für die Ratingagentur stand dabei vor allem die mittelbare und unmittelbare Wirkungskette von Investoren und Ratingagenturen zu Unternehmen und deren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung im Vordergrund. „Im Kern geht es darum, ob in den Wertpapieren soziale und ökologische Kriterien berücksichtigt sind und so Signale an das Investitionsobjekt ausgesendet werden, um Nachhaltigkeit im Unternehmen zu bestärken“, konkretisiert Oekom-Geschäftsführer Robert Haßler den Schwerpunkt zum Kapitalmarkt der Veranstaltung.

Chancen auf dem Kapitalmarkt 

Als Keynote-Sprecher versuchte der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Felix Oldenburg, den anwesenden Finanzexperten einen neuen Blick auf das Stiftungsvermögen zu vermitteln. Oldenburg schilderte die Umbruchsituation, in der sich Stiftungen durch die Nullzinsphase stecken. „Die Auswirkungen sind in den vergangenen beiden Jahren noch einmal deutlich stärker geworden, da die Bremsspur durch langfristige Anleihen gerade kleinerer und mittelgroßer Stiftungen enorm lang war“, erklärte Oldenburg.

Zur Verdeutlichung zitierte er Zahlen aus der jüngsten Studie mit Zahlen, Daten und Fakten zum deutschen Stiftungswesen, die der Bundesverband Deutscher Stiftungen in diesem Jahr herausgegeben hat. So haben 80 Prozent der über 22.500 Stiftungen in Deutschland ein Vermögen von unter einer Million Euro. Von diesen kleinen Stiftungen laufen 53 Prozent Gefahr, Renditen auf ihr eingesetztes Kapital zu erzielen, die unterhalb der Inflationsrate liegen und somit einen realen Kapitalverlust hinzunehmen. Der Anteil der gefährdeten Stiftungen liegt bei den mittelgroßen immerhin noch bei einem Drittel. Die großen Stiftungen hingegen erzielten eine brauchbare Rendite, da sie zum Teil schon seit Jahren aktienlastige Anlagestrategien fahren.

Verschwindende Einnahmen

„Wir befinden uns in einer Situation, in der der Sektor sich stark auseinanderentwickelt, da die Fähigkeiten und der Handlungsdruck so unterschiedlich verteilt sind“, sagt Oldenburg. Aber auch kleinen Stiftungen attestiert er Agilität. Viele Stiftungen haben die verschwindenden Einnahmen aus den Kapitalerträgen zunächst durch andere Einnahmequellen wie etwa Zuwächse beim Fundraising kompensiert. Für Oldenburg ist das eine nicht ausreichende Entwicklung und eine verpasste Chance zugleich: „Der Stiftungssektor muss sich eine neue Frage stellen, und zwar nach seiner Gesamtwirkung.“ Da sich Stiftungen bisher in der Regel nur über ihre Fördertätigkeiten definiert hätten und die Finanzen unbeachtet ließen, sei es nun an der Zeit zu hinterfragen, wo das Geld herkomme und welchen Wirkungsanspruch Stiftungen auch in ihrer Vermögensanleihe hätten.

Hilfe bei Finanzentscheidungen

Mit Oekom Research hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen einen Nachhaltigkeitscheck für die eigene Vermögensanlage entwickelt. „Stiftungen können so herausfinden, ob ihre Finanzentscheidungen Nebenwirkungen erzielen, die konträr zu ihrem Förderungszweck stehen“, sagt der Generalsekretär und wünscht sich von seinen Verbandsmitgliedern ein schnelles Umdenken in der Kapitalanlage. Die größten Hürden sieht Oldenburg dabei in Mythen über den Kapitalmarkt, die im Stiftungssektor kursieren und die durch bessere Finanzbildung der Stiftungsvertreter widerlegt werden sollen. Die Vermögensverwalter sieht er in der Pflicht, bessere Angebote zu entwickeln und Stiftungen „nicht als leichte Beute“ zu sehen. Um Handlungssicherheit für Stiftungen zu ermöglichen, machte sich Oldenburg für eine Reform des Stiftungsrechts stark, bei der es vor allem um gleiche Haftungsstandards wie für Unternehmen und die Möglichkeit von Satzungsänderungen ginge.

www.oekom-research.com

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