15.08.2017 | Von Die Stiftung

Mehr Mittel im Zinstief durch Optionen?

So mancher Stiftungsvertreter möchte seine Stiftungserträge in Zeiten niedriger Zinsen schon mal über Optionen aufpäppeln. Was Optionsstrategien überhaupt sind und ob dieser Plan tatsächlich mehr zeitnah zu verwendende Mittel für den Stiftungszweck bringt.

Optionen_by_birgitH_pixelio.de
Das Risiko einer Stillhalterposition auf Optionen hängt maßgeblich davon ab, ob sich die zugrundeliegenden Aktien im Bestand befinden oder nicht. Foto: birgitH/pixelio.de

Trotz des aktuell niedrigen Zinsniveaus soll der Vorstand einer Stiftung im Rahmen einer sicherheitsorientierten Anlagepolitik ausreichende Erträge erwirtschaften und idealerweise Rücklagen mit dem Ziel eines realen Kapitalerhalts bilden. Auf der Suche nach neuen Renditequellen ist zunehmend zu beobachten, dass ergänzend zu einem bestehenden Portfolio Optionen bzw. entsprechende Optionsstrategien zum Einsatz kommen. Dies erfolgt meist durch die Einnahme einer Stillhalterposition, d.h., die Stiftung räumt einem anderen Marktteilnehmer das Recht zur Optionsausübung ein und erhält hierfür eine Vergütung, die sogenannte Optionsprämie. In der Praxis gibt es verschiedene Ausprägungen von Optionsstrategien, auf die hier aber nicht näher eingegangen werden kann.

Obwohl solche Strategien in Fachzeitschriften, Periodika und Newslettern von Vermögensverwaltern dem interessierten Stiftungsvorstand als geeignet empfohlen werden, wird deren gemeinnützigkeitsrechtliche und stiftungsrechtliche Einordnung nur oberflächlich diskutiert. Kritisch ist hierbei weniger deren grundsätzliche Zulässigkeit, sondern vielmehr die unklare Abgrenzung von Vermögens- und Ertragsebene. Die diesbezügliche Rechtsunsicherheit führt in der Praxis zu erheblichem Spielraum, Vermögenssubstanz in zeitnah zu verwendende Mittel (und umgekehrt) zu konvertieren.

Optionsprämie als laufender Ertrag?

Während die Zuordnung zum Kursergebnis für die Inanspruchnahme einer Option meist korrekt gehandhabt wird, findet sich in der Praxis auch die Behandlung der Stillhalterprämie als laufender Ertrag. Konsequenterweise werden Stillhaltergeschäfte zuweilen als vorgeblich taugliches Werkzeug angepriesen, um die zeitnah zu verwendenden Mittel einer Stiftung zu erhöhen. Diese Überlegungen folgen strikt der steuerlichen Beurteilung der Optionsprämie als laufender Ertrag nach § 20 Abs. 1 Nr. 11 EStG, während das Kursergebnis § 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 a EStG zugerechnet wird.

Zwar ist § 20 Abs. 1 EStG konzeptionell den Kapitalerträgen und § 20 Abs. 2 EStG dem Kursergebnis gewidmet. Die Trennung von Vermögens- und Ertragsebene entsprechend ihrer wirtschaftlichen Verursachung wurde allerdings mit Einführung der Abgeltungssteuer faktisch aufgegeben. Der Gesetzgeber und dem folgend die Praxis unternehmen seitdem mangels Relevanz für die Steuerlast überhaupt keinen Versuch mehr, Ertrags- und Vermögensebene, d.h. die Zuordnung zu § 20 Abs. 1 oder Abs. 2 EStG, wirtschaftlich sinnvoll abzugrenzen. Eine Orientierung an steuerlichen Regelungen führt daher in die Irre. Die Einnahmen aus Optionsprämien sind vielmehr ebenso wie das Ergebnis aus Inanspruchnahme zwingend dem Umschichtungsergebnis zuzurechnen, wie aus folgendem Beispiel ersichtlich wird:

Eine Stiftung räumt einem anderen Marktteilnehmer die Option ein, eine Aktie (Basiswert) von der Stiftung zu einem Kurswert von 20 Euro (Ausübungskurs) zu erwerben. Der Kurs des Basiswertes notiert bei Optionseinräumung bei 100 Euro und bleibt über die (kurze) Laufzeit der Option unverändert. Zusätzlich zu der Prämie für die vergebenen Kurschancen wird die Stiftung mindestens die Differenz von Ausübungskurs und aktuellem Kurswert als Optionsprämie erhalten, d.h. 80 Euro. Die Stiftung muss bei Ausübung der Option die Aktie für 100 Euro am Markt erwerben und für 20 Euro an den Optionsinhaber weiterverkaufen. Sie realisiert damit einen Umschichtungsverlust von 80 Euro, der wirtschaftlich bei Optionseinräumung bereits absehbar war und mit einer Optionsprämie von 80 Euro vergütet wurde. Bei einer Behandlung der Optionsprämie als zeitnah zu verwendende Mittel, wie von der steuerlichen Behandlung suggeriert, könnten somit Mittel von 80 Euro zulasten der Vermögenssubstanz in laufenden Ertrag konvertiert werden.

Spiegelbildlich wäre durch Einnahme der Gegenposition auch die Konvertierung von zeitnah zu verwendenden Mitteln in Substanz möglich. Ausgerechnet die Anwendung steuerlicher Regelungen würde das Gebot zur zeitnahen Mittelverwendung bedeutungslos werden lassen.

Ertragsbegriff des HGB und des BGB

Alle Stiftungsgesetze verlangen, dass das Grundstockvermögen einer Stiftung ungeschmälert zu erhalten ist. Werden infolge von Umschichtungen Gewinne oder Verluste realisiert, so ist dieses Residuum als Umschichtungsergebnis dem Grundstockvermögen zuzurechnen. Hiervon abzugrenzen ist der Ertrag des Stiftungsvermögens, für den keine Erhaltungspflicht gilt. Der stiftungsrechtliche Ertragsbegriff knüpft – trotz der missverständlichen Terminologie – nicht an den Ertragsbegriff des HGB, sondern den Frucht- bzw. Nutzungsbegriff der §§ 99, 100 BGB an. Ausgenommen hiervon sind Mittel, welche infolge einer nicht bestimmungsgemäßen Erwirtschaftung vereinnahmt werden (sogenannte Übermaßfrüchte).

Wie aus der handelsrechtlichen Einordnung von Optionsprämien ersichtlich, werden diese gerade nicht für die Überlassung von Kapital gewährt. Vielmehr stellt die Optionsprämie eine von der Kapitalüberlassung getrennte Gegenleistung für die Übernahme einer (betragsmäßig ungewissen) Verpflichtung dar. Zum Zeitpunkt der Optionsgewährung stehen sich Leistung (Stillhalterverpflichtung) und Gegenleistung (Optionsprämie) – ähnlich einer Kreditaufnahme –ausgewogen gegenüber. Die Optionsprämien speisen sich also aus einer Belastung des Vermögens und stellen somit keinen ordentlichen Ertrag, sondern Übermaßfrüchte dar.

Dass ex post die eingegangene Verpflichtung unter Umständen nicht zum Tragen kommt, ändert an dieser Einordnung nichts. Nimmt man den gesetzlich geforderten Erhalt des Stiftungsvermögens ernst, kann die Vergütung für Stillhalterpositionen daher nicht dem verwendungsfähigen Ertrag zugerechnet werden.

Zum Autor: Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Felix Wallenhorst, CFA, ist Inhaber einer auf gemeinnützige Organisationen spezialisierten Kanzlei in München. Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung eines Beitrags in „npoR – Zeitschrift für das Recht der Non Profit Organisationen“.

Artikel teilen