16.08.2017 | Von Tobias Anslinger

„Seit 50 Jahren erfolgreich mit Optionen“

Mittels Optionen das Stiftungsvermögen zu mehren – ist das überhaupt erlaubt? Edmund Kuhlmann erläutert im Interview, warum er das Vermögensmanagement seiner Stiftung selbst in die Hand genommen hat und er Optionen für Stiftungen für besonders geeignet.

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Das Risiko einer Stillhalterposition auf Optionen hängt maßgeblich davon ab, ob sich die zugrundeliegenden Aktien im Bestand befinden oder nicht. Foto: birgitH/pixelio.de

DIE STIFTUNG: Wenn Sie sich mit anderen Stiftungsvertretern über „Optionen im Stiftungsportfolio“ unterhalten möchten, dürften Sie die meisten wahrscheinlich fragend ansehen. Warum kennen Sie sich so gut damit aus?
Edmund Kuhlmann: Seit mehr als fünfzig Jahren bin ich aktiv am Markt mit Optionen tätig. Als bei der Eurex Optionsgeschäfte implementiert wurden, hatte ich das Glück, als Fremder an der Ausbildung von Bankmitarbeitern für diesen Sektor teilzunehmen – und danach Privatgeschäfte (gewissermaßen zur Einübung der Bankmitarbeiter) in verschiedensten Konstruktionen durchzuführen. In mehrjähriger Praxis habe ich eine „Plain-Vanilla“-Strategie entwickelt, die in 80 Prozent der Fälle für mich gewinnbringend ist. Angefangen habe ich zu einer Zeit, als meine Kontaktperson bei der Bank noch nicht einmal wusste, was „Optionen“ sind. Optionsgeschäfte wurden damals noch als „Spiel und Wette“ betrachtet und waren damit steuerfrei. Die Gewinne habe ich zum Aufbau eines Aktienvermögens verwendet.

DIE STIFTUNG: Ein Vermögen, das Sie später in Ihre Stiftung eingebracht haben.
Kuhlmann: 1997 gründete ich zusammen mit meiner Frau die E.W. Kuhlmann-Stiftung. Ein Jahr später hatte ich der Bank das Vermögensverwaltungsmandat entzogen, um selbständig an der Börse zu agieren. Von Anfang an habe ich mein theoretisches Wissen zu vermehren gesucht und in der Praxis getestet, mit immer besseren Ergebnissen.

DIE STIFTUNG: Welche konkret?
Kuhlmann: Bei Gründung im Jahr 1997 betrug das Stiftungsvermögen 128.000 Euro, Ende 2016 lag der Kurswert bei 4,1 Millionen Euro. Das Vermögen ist durch Zustiftungen von meiner Frau und mir, Spenden Dritter und die Erträge aus Optionen – geschätzt weit mehr als das Gründungsvermögen – gewachsen. Die Ausgaben für den Stiftungszweck lagen in diesem Zeitraum bei knapp einer Million Euro.

DIE STIFTUNG: Wie funktionieren Optionen für Stiftungen und welche Strategie verfolgen Sie?

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Edmund Kuhlmann erklärt seine Strategien zu Aktien und Optionen. Foto: Jan Bollwerk

Kuhlmann: Genauso wie für Privatpersonen, die bei der gesetzlich vorgeschriebenen Risikoeinschätzung Kenntnisse und Erfahrungen in der höchsten Produkt-Risikostrategie angeben müssen. Ich verfolge nahezu ausschließlich die Strategie „Stillhalter in Puts“ – meistens um einen Kauf des Basiswertes vorzubereiten oder den vorherigen „Einkaufspreis“ zu verbilligen, Letzteres manchmal über einen Zeitraum von vielen Jahren. Ich habe alle Geschäfte selbst konstruiert und geordert. Wenn ich ein Geschäft glattstelle (Anm. d. Red.: eine noch offene Position schließen), erziele ich Kursgewinne von bis zu 800 Prozent. 30 Prozent Gewinn, wie es andere anstreben, sind für mich irrelevant.

DIE STIFTUNG: Was Sie machen, ist sehr spekulativ – viele Stiftungsmanager würden es wahrscheinlich „Zockerei“ nennen und Optionen deshalb für die Vermögensanlage der eigenen Stiftung grundsätzlich ausschließen. Was halten Sie denen entgegen?
Kuhlmann: Habt weniger Angst vor den Schwankungen der Aktienkurse! Es wird verkannt, dass Volatilität auch bedeutet, dass Kurse fallen, so wie die Preise für Skiausrüstung und Heizöl im Sommer – aber danach auch wieder steigen. Das Auf und Ab ist etwas Wunderbares: Es gibt dem Anleger den nötigen Rückenwind zur Erreichung seines Zieles. Viele Stiftungen halten ihre Verpflichtungen davon ab, diese Schwankungen als Instrument zu sehen und zu nutzen. Hinzu kommt, dass die fast unübersehbare Vielfalt möglicher Optionsstrategien verwirrt und viele vom Handeln abhält. Bei Aktien müssen die Menschen aber agieren und nicht nur reagieren.

DIE STIFTUNG: Wie aufwendig sind Ihre Optionsgeschäfte in der täglichen „Wartung“?
Kuhlmann: Ich bin kein „Day Trader“, ich habe etwa 20 bis 30 Geschäfte über einen Zeitraum von einem bis anderthalb Jahren laufen. Wenn ich eine gute Gelegenheit sehe, eine Put-Option zu schreiben, dann geht es aber sehr schnell, und ich beauftrage meine Händler damit. Der tägliche Check der Kursübersicht kostet mich etwa zwei bis drei Minuten.

DIE STIFTUNG: Haben Sie nie Ärger mit der Stiftungsaufsicht bekommen?
Kuhlmann: Mir ist es gelungen, mit viel Geduld und Expertise die Hamburger Stiftungsaufsicht und damit implizit auch das Finanzamt zu überzeugen, dass die Anlage in Aktien für Stiftungen die bevorzugte Anlage sein soll. Stiftungen sind für die Ewigkeit gemacht – und Aktien die einzige Anlageform, die langfristig stabile und vernünftige Erträge bringt. Das ist wissenschaftlich belegt. „Stiftungen und Aktien“ – das passt also wunderbar zusammen. Unerlässlich dafür ist allerdings, dass die Stiftungssatzung adäquat formuliert ist. Viele Stiftungen wissen aber gar nicht, was sie mit ihrer Satzung alles machen und welche Spielräume die ihnen geben können.

DIE STIFTUNG: Wie „adäquat formuliert“ ist Ihre Stiftungssatzung?
Kuhlmann: In unserer Satzung steht explizit, dass das Stiftungsvermögen bevorzugt in deutschen und internationalen Aktien anzulegen ist und nur ausnahmsweise in Anleihen, Immobilien und Investmentfonds. Aktuell stecken 98 Prozent unseres Vermögens in Aktien.

Zur Person: Edmund Kuhlmann ist Vorstand der gleichnamigen E.W. Kuhlmann-Stiftung, die er zusammen mit seiner Frau 1997 in Hamburg gründete.

 

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