18.08.2017 | Von Die Stiftung

Standpunkt: Optionen, nur etwas für Hellseher!

Eine Reaktion von Verena und Richard Klix, Vorstände der Rivera-Stiftung, zum Fachbeitrag von Felix Wallenhorst und dem Interview mit Edmund Kuhlmann, die sich beide mit Optionen im Stiftungsportfolio auseinandersetzen.

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Das Risiko einer Stillhalterposition auf Optionen hängt maßgeblich davon ab, ob sich die zugrundeliegenden Aktien im Bestand befinden oder nicht. Foto: birgitH/pixelio.de

Der Beitrag von Felix Wallenhorst sowie die Aussagen von Edmund Kuhlmann zum Thema Optionen können nicht unwidersprochen bleiben, weil sie das Thema verfehlen, wirklichkeitsfremd und zum Teil verwirrend sind.

Nach der prägnanten Definition des Bundesgerichtshofs ist Inhalt eines Optionsgeschäfts der Erwerb oder die Veräußerung des Rechts, eine bestimmte Anzahl zum Handel zugelassener Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. Der Käufer zahlt für dieses Recht jeweils eine Optionsprämie. Der Verkäufer erhält diese Prämie für die Verpflichtung, dem Käufer die Wertpapiere zu einem bestimmten Preis zu liefern oder die Wertpapiere zu einem festgesetzten Preis zu kaufen.

Optionen: Risikolage der Stiftung beachten

Das Beispiel von Wallenhorst betrifft den Fall, dass eine Stiftung eine Kaufoption verkauft, das heißt, der Käufer hat das Recht, von der Stiftung Wertpapiere zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Dies impliziert, dass die Stiftung die betreffenden Wertpapiere im Depot hat. Unzulässig wäre es hingegen, dass sich die Stiftung erst bei Optionsausübung an der Börse mit den Wertpapieren eindeckt (Verbot des Leerverkaufs). Insofern ist das Beispiel rein theoretisch, da es in der Praxis nicht vorkommen kann.

Wichtig hingegen ist es, die Risikolage der Stiftung zu beleuchten: Die Stiftung erhält die Prämie. Bei steigenden Kursen begibt sich die Stiftung der Chance, an den Kursgewinnen zu partizipieren. Bei fallenden Kursen – und das ist das schlimmere Risiko – muss die Stiftung die Papiere halten und darf diese nicht zur Vermeidung von Kursverlusten verkaufen, während der Käufer die Option nicht ausüben wird, wenn sein vereinbarter Kaufkurs über dem aktuellen Börsenkurs liegt.

Verwirrend sind die Aussagen von Kuhlmann über seine Strategie, „Stillhalter in Puts“ zu sein. Gemeint dürfte sein: Die Stiftung erhält die Optionsprämie und der Käufer die Putoption, der Stiftung die Wertpapiere zu einem vorher festgelegten Preis zu veräußern.

Geschäft mit Optionen als Hochrisiko-Geschäft

Dass dies ein Hochrisiko-Geschäft ist, bedarf keiner Phantasie. Zunächst wird der Stillhalter (Stillhalter in Geld) das notwendige Guthaben vorhalten müssen, um bei Ausübung der Option durch den Käufer ausreichend liquide zu sein. Des Weiteren wird ihm eventuell ein Papier zu einem bestimmten Preis angedient, dessen Kurs inzwischen verfallen ist. Denn Motivation des Käufers einer Verkaufsoption ist es immer, seinen Wertpapierbestand gegen Kursverluste abzusichern.

Was folgt daraus: Die Strategie von Herrn Kuhlmann funktioniert nur bei steigenden Kursen. Die Stiftungsvorstände müssten also Hellseher sein, wenn sie „gefahrlos“? Optionen verkaufen wollten.

Wir in der Rivera-Stiftung raten dringend von Optionsgeschäften ab und raten eher zu Discount- und/oder Bonuszertifikaten, wenn das Risiko ausreichend gepuffert ist.

Rivera-Stiftung Bochum, Verena und Dr. Richard Klix

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