21.08.2017 | Von Die Stiftung

Ungedeckte Stillhalterposition bei Optionen vermeidbar

„Covered Call Writing“-Strategien bei Optionen sind nicht nur fester Bestandteil akademischer Lehrbücher zur Finanzmarkttheorie, sondern sie gehören zum Standardrepertoire eines jeden kompetenten Vermögensverwalters. Eine Replik auf den Standpunkt von Richard Klix.

Optionen_by_birgitH_pixelio.de
Das Risiko einer Stillhalterposition auf Optionen hängt maßgeblich davon ab, ob sich die zugrundeliegenden Aktien im Bestand befinden oder nicht. Foto: birgitH/pixelio.de

Ich bin froh über jeden ehrenamtlichen Vorstand, der neben der aufwendigen Stiftungsarbeit noch Zeit findet, sich mit der aufwändigen Verwaltung des Stiftungsvermögens zu beschäftigen. Daher ist mir daran gelegen, die von Dr. Richard Klix in seinem Standpunkt angeführten Kritikpunkte aufzugreifen und die finanzwirtschaftlichen Hintergründe zu erläutern, welche letztlich Ausgangspunkt der im Artikel diskutierten rechtlichen Überlegungen sind.

Stillhalter mit oder ohne Aktie

Wie Klix richtig erkennt, ist die Stillhalterposition einer Kaufoption ohne die zugrunde liegende Aktie eine riskante, da potentiell mit unbegrenztem Verlustrisiko behaftete Position. Dementsprechend werden in Stiftungsportfolien regelmäßig nur Stillhalterpositionen auf im Bestand befindliche Aktien eingenommen, was zu einer Risikoreduktion der Gesamtposition in Höhe der vereinnahmten Prämie durch Verzicht auf potentielle Gewinnchancen führt. Dies scheint Klix soweit auch zu erkennen, übersieht jedoch zwei entscheidende Punkte:

„Covered Call Writing“-Strategie wissenschaftlich fundiert

So ist diese als „Covered Call Writing“ bekannte Strategie nicht nur fester Bestandteil akademischer Lehrbücher zur Finanzmarkttheorie, sondern sie gehört zum Standardrepertoire eines jeden kompetenten Vermögensverwalters (was natürlich nicht bedeutet, dass ein Einsatz immer geboten wäre). Hierbei ist man – anders als von Klix unterstellt – keinesfalls handlungsunfähig wenn es darum geht, sich bei Aktienkursverlusten von der Aktie zu trennen. Denn natürlich kann der Anleger sowohl die Aktie verkaufen als auch zeitgleich die Optionsposition auflösen. Die hier diskutierten Standardoptionen sind an regulierten, hoch liquiden Märkten zu minimalen Transaktionskosten handelbar, weshalb die von ihm (in der dargestellten Absolutheit zu Unrecht) befürchtete ungedeckte Stillhalterposition problemlos vermeidbar ist. Bedenkt man dies, so ist der Einsatz von Optionen vorliegend unstreitig (und mathematisch beweisbar) weniger riskant als ein isoliertes Aktieninvestment.

Discount-Zertifikate sind nichts anderes

Besonders hinweisen möchte ich jedoch auf die Tatsache, dass die von Klix empfohlenen Discount-Zertifikate nichts anderes sind, als die eben geschilderte „Covered Call“ Strategie, verpackt in einem einzigen Wertpapier. Das Auszahlungsprofil eines Discount-Zertifikats lässt sich problemlos durch den Kauf der zugrundeliegenden Aktie und eine Stillhalter-Kaufoption nachbilden. Es ist daher wenig konsistent, wenn Klix Optionsgeschäfte rundweg ablehnt und gleichzeitig Wertpapiere mit eingebetteten Optionen empfiehlt, welche neben den oben diskutierten Risiken auch noch ein Adressenausfallrisiko bezüglich der Emittentin und eine zusätzliche Kostenbelastung durch die (nicht offen ausgewiesene) Strukturierungsgebühr der Emittentin beinhalten.

Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Felix Wallenhorst, CFA, ist Inhaber einer auf gemeinnützige Organisationen spezialisierten Kanzlei in München.

Artikel teilen